Russlands Raketen … zwei Thesen im Vergleich
Seit Monaten fühlt man sich ins Jahr 1962 zurückversetzt. “Ost” und “West” streiten sich um Raketen.
Raketen lösten die Kubakrise aus, eine äußerst ernste Konfrontation zwischen den Vereinigten Staaten von Amerika und der Sowjetunion. Der Stationierung US-amerikanischer, nuklearer Mittelstreckenraketen des Typs Thor und Jupiter in Italien und der Türkei im Jahre 1959, folgte die Stationierung sowjetischer Raketen auf Kuba im Jahre 1962. Die Kubakrise wird als Höhepunkt und gleichzeitig als Wendepunkt in der Geschichte des Kalten Krieges angesehen. Niemals zuvor war ein Atomkrieg so wahrscheinlich wie zu diesem Zeitpunkt.
Es wäre falsch zu behaupten, wir stünden heute, wie im Jahre 1962, am Rande eines Atomkrieges aber die gegenwärtige Raketenkrise hat das Zeug dazu erneut für ernsthafte Verstimmungen zu sorgen und die neue Polarisierung zwischen “Ost” und “West” in einen ernsthaften Konflikt münden zu lassen.
Ähnlich der Kubakrise wird auch heute wieder Russland in den Fokus genommen, Anlaß hierzu sind die russischen Raketentests die Spiegelfechter in seinem Blogeintrag “Ein Neuer Kalter Krieg” anspricht und analysiert. Ähnlich der Kubakrise wird aber auch heute vergessen, dass wiederum die Amerikaner den ersten Zug im Schachspiel der “Großmächte” gemacht haben.
Wie im Jahre 1962 sind diese russischen Raketen eine Reaktion, keine Aktion. So wie in 1959 Thor und Jupiter zuerst existierten, und erst in 1962 von sowjetischer Seite durch die Stationierung der SS-4 (NATO-Kodename SANDAL) auf Kuba beantwortet wurden, so sind die kürzlich erfolgten russischen Raketentests eine Reaktion auf die US-amerikanischen Bemühungen Russland mit dem “Raketenschild” in Osteuropa “zu disziplinieren”.
Spiegelfechter schreibt:
Die stolze Präsentation des Raketentests vor der Weltpresse ist als deutliches Signal an den Westen zu verstehen, sich das Raketenabwehrsystem aus dem Kopf zu schlagen.
Damit hat er recht. Der Versuch der Amerikaner, den “Europäischen Verbündeten” die Stationierung eines “Raketenabwehrschildes” in Polen, der Tschechischen Republik und eventuell auch Litauen als eine “Abwehrmaßnahme” gegen eine potentielle Bedrohung aus den Schurkenstaaten Iran und Nord Korea zu verkaufen, wird durch Russland mit den Raketentests beantwortet. Russland hat verstanden, dass dieser vermeintliche “Raketenabwehrschild” lediglich ein erneutes amerikanisches Muskelspiel bedeutet. “Don’t mess with Texas” … stellt unsere Hegemonie nicht in frage. Wir sind “the masters of the universe”.
Spiegelfechter bewertet:
Es ist an der EU dies zu verhindern und Polen und Tschechien in aller Deutlichkeit diese Flausen aus dem Kopf zu treiben – Russland hat den Fehdehandschuh aufgenommen und ist anscheinend bereit einen neuen Rüstungswettlauf zu starten. Dies kann keiner wollen.
Hier irrt Spiegelfechter. In gewohnter britisch-arroganter Weise kommentiert “Siberian Light” die russischen Raketentests und bestätigt erneut, dass hinter der dort propagierten “British Fairness” nichts als die übliche anglo-amerikanische Überheblichkeit steckt.
Siberian Light schreibt:
As Russia now has an unbeatable nuclear deterrent we can clearly expect it to stop worrying about America’s piffling missle shield defences.
No, seriously, mark my words… from today onwards the Russian government won’t make a single complaint about the US missile defence bases in Eastern Europe. Or maybe not.
Im Klartext heißt dies, Russland habe nun einen “unschlagbaren nuklearen Abschreckungsmechanismus”, jetzt gäbe es ja keinen ernstzunehmenden Grund mehr sich über den amerikanischen “Raketenabwehrschild” aufzuregen. Man erwarte, in der üblichen britisch-arroganten Weise, keine weiteren Beschwerden mehr. Die Ironie lässt Grüßen.
Der erste Kommentar zu Spiegelfechters Eintrag ist es (mehr als nur) wert hier wiederholt zu werden.
Corax schreibt:
Ich hätte nie im Leben geglaubt, dass ich folgendes mal sagen würde. Aber da die Vorstellung von einem Pax Americana ja wohl offensichtlich ein Griff ins Klo war (milde ausgedrückt), begrüße ich die russischen Anstrengungen die Gleichgewichtsverwerfungen wieder etwas zu berichtigen. Ich fürchte mich inzwischen weniger von den Oligarchen im Osten als vor den “von Gott gesegneten” Kreationisten im Westen. Wer hätte in den 90ern gedacht, dass es einmal soweit kommen würde. Ich jedenfalls nicht. Hoffentlich raufen die Europäer sich jetzt mal zusammen und treiben den 51 Staaten ihre Eroberungsfeldzüge aus.
Wir werden wohl nicht lange auf eine entsprechende Antwort aus den üblichen Kreisen warten müssen. Der erste der sich hierzu, in gewohnt arroganter und überheblicher Weise, äußern wird dürfte Tim Newman sein. Für diejenigen die ihn (noch) nicht kennen, das ist der Ölbaron mit der Zigarre, der für seine russophoben Ausfälle bekannt ist.
Patriotism: American vs Russian ; Americans love their country and hate those who don’t agree. Russians don’t love their country and hate those who agree.
Patriotismus im Vergleich, Amerika gegenüber Russland ; Amerikaner lieben ihr Heimatland und hassen diejenigen die ihnen widersprechen. Russen lieben ihr Heimatland nicht und hassen diejenigen die ihnen zustimmen.
Ein solch russophober Schrott kann nur von einem Briten stammen, der obendrein sein Geld in Russland verdient und mit einer Russin verheiratet ist. Wäre ich ein Russe, der Depp würde seine Zigarre fressen.
