Loggen statt Bloggen …
… war eine Devise in den letzten Tagen. Das Wetter war wieder verhältnismäßig gut, jedenfalls gut genug um die alte Weisheit … es gibt kein schlechtes Wetter, nur unzureichende Bekleidung … zu bestätigen.
Mit Goretex-Jacke, meinen alten “Fallschirmjäger-Stiefeln” (ich vermeide bewußt den Begriff “Springerstiefel”) und meinem GPS-Gerät habe ich wieder “Jäger der verlorenen Schätze” gespielt und mich in der Natur herumgetrieben. Tatsächlich, wirklich, es gibt ein Leben außerhalb der Blogosphäre.
Ich habe also “gefundene Schätze geloggt” (anhand der GPS-Koordinaten auf der Karte markiert) und nicht meine Gedanken “gebloggt”. Hierzu vielleicht später mehr.
Nun denn, mein GPS hängt jetzt am Ladegerät und die Stiefel lüften aus. Die Waschmaschine vernichtet gerade den Dreck in meinen Jeans und der Muskelkater in den Beinen klingt auch langsam wieder ab. Bis auf eine winzige Blase am kleinen Zeh des linken Fußes habe ich meine “Expeditionen” auch schadlos überstanden.
Ich kann also getrost wieder meinen Blog bedienen und mir tippend Blasen an den Fingerkuppen holen während ich meinen Sermon zur Blogosphäre beisteure.
Mit Freude habe ich gelesen, dass mein geschätzter Blogger-Kollege Vegetius Renatus von Clausewitz 2 meine Gedanken zu Peter Scholl-Latours “Deutsche Außenpolitik” aufgegriffen hat. Natürlich hat er Recht, das von mir “gezeichnete Bild” ist tatsächlich unterkomplex. Man möge mir verzeihen, meine Betrachtungsweise ist nicht die eines Akademikers oder Politologen. Ich bin weitaus einfacher gestrickt.
Ich bemühe gerne wieder Antoine de Saint-Exupéry und seinen Ausspruch “Um klar sehen zu können genügt oftmals ein Wechsel der Blickrichtung” um die Meinige zu erläutern.
Vegetius Renatus schreibt: “Deutsche Außenpolitik ist auch dann eine solche, wenn sie mehr oder weniger fremdgesteuert ist.”
Dies ist prinzipiell richtig, solange Deutschland als souveräner Staat gilt und als formal in seiner Außenpolitik unabhängig angesehen wird. Die Betonung liegt hier jedoch auf den Begriffen “gilt” und “formal”.
Bemühen wir die Augsburger Puppenkiste um unterschiedliche Blickrichtungen zu visualisieren. Aus der Blickrichtung meines 3-jährigen Sohnes Daniel ist Jim Knopf eine reale Figur welche eigenständig handelt und selbständig Entscheidungen trifft. Aus der Blickrichtung meines 19-jährigen Sohnes Domenik ist Jim lediglich eine an Fäden hängende Marionette die sich nur dann bewegt wenn der Puppenspieler an den besagten Fäden zieht. Es gibt also unterschiedliche Betrachtungsweisen in der Familie, meine Wenigkeit schließt sich, ohne Daniel seine kindlichen Illusionen zu nehmen, derjenigen Domeniks an.
Wer sich auf Jim Knopf fixiert, und die Fäden ausblendet, der sieht tatsächlich eine vermeintlich eigenständig handelnde Persönlichkeit ohne “Fremdbestimmung”. Wer aber die Blickrichtung wechselt, den Blick nach oben richtet und den Fäden folgt, sieht den Puppenspieler und realisiert dessen Bewegungen. Bewegungen denen unser kleiner Jim folgt und die ihn kontrollieren.
Vegetius Renatus schreibt auch, dass die gegenwärtige - auch für ihn unbefriedigende - Situation Deutschlands und Europas nicht allein dem Wirken finsterer Mächte jenseits des Atlantik angelastet werden könne, sondern von Deutschen (durchaus nicht unbeabsichtigt) mit erzeugt werde. Das, solange dies so sei, sich an den aufgezeigten Mißständen nichts ändere; ihre Ursachen zuvörderst in Deutschland selbst lägen.
Vielleicht hat er damit Recht. Ganz bestimmt hat er aber Recht mit der Aussage, dass die amerikanische Politik (die teilweise ja nachvollziehbar sei !) hierzulande nicht richtig erkannt und benannt würde.
Es sei mir gestattet meine Erkenntnis mitzuteilen und zu benennen. Nochmals, meine Betrachtungsweise ist nicht die eines Akademikers oder Politologen. Ich bin weitaus einfacher gestrickt.
Der Erste Weltkrieg hat die USA in den Status einer Großmacht erhoben. Aus einer isolationistisch eingestellten Nation, die ihre Angriffskriege zuvor auf ihre Hemisphäre beschränkte, wurde durch den Zweiten Weltkrieg eine Supermacht und ein “Global Player”. Ähnlich eines habgierigen Kindes werden die USA durch die Denke beherrscht “Alles meins ! Was ich einmal hab’, geb’ ich nicht mehr her ! Und ich will immer mehr !”.“Rock ‘n Roll is here to stay.”
Die Fäden, welche die USA seit Beginn des 19. Jahrhunderts gesponnen haben, bleiben existent und werden freiwillig nicht gekappt.
“Amerika First” heißt die Devise. Keine Nation auf diesem Planeten hat seit dem Verlassen der eigenen Hemisphäre mehr Kriege geführt als die USA, keine Nation hat es gleichermaßen brilliant verstanden ihre tatsächlichen Intentionen hinter scheinbaren zu verstecken. Der Angstgegner heißt Russland, und dies nicht erst seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges und dem Beginn des “Kalten Krieges”.
Nach der amerikanischen Denke darf Europa nicht in das “russische Lager” fallen. Mag dieses Lager früher politisch-militärisch begründet gewesen sein, heute ist es politisch-wirtschaftlich. Die USA betrachten Europa als amerikanisches “Dominion”. Hierbei ist es irrelevant ob ein Demokrat oder ein Republikaner das Land regiert.
Russland ist in amerikanischer Sicht kein europäisches Land, bestenfalls ein eurasisches, und könnte geographisch durchaus auch auf dem Mond liegen. Gefürchtet wird der politische Einfluß auf Europa, begründet und finanziert durch die gewaltigen Öl- und Erdgasreserven Russlands. Reserven welche die USA nicht besitzen, sich aber durch fadenscheinige Angriffskriege im Nahen und Mittleren Osten zu verschaffen suchen.
Gegenüber Russland führen die USA den harten Kurs einer “Containment Policy”, einer Politik die darauf abzielt den russischen Einfluß auf das Territorium der Russischen Föderation zu beschränken.
Und dieses Territorium soll mit einer “Salamitaktik” (Scheibchen für Scheibchen) reduziert werden, durch die Politik jegliches, auch nur minimales, Unabhängigkeitsbestreben einzelner Regionen mit aller Macht zu unterstützen. Unzählige NGOs, finanziert mit amerikanischen Regierungs- und Geheimdienstgeldern arbeiten in Russland selbst, oder in den unmittelbaren Nachbarstaaten.
Längst sind amerikanische Interventionisten in der Ukraine und den zentralasiatischen “Stans” zuhauf aktiv.
Wo passt hier Deutschland ins Bild, wo läßt sich der Kreis schließen und der Weg zurück zur “fremdbestimmten deutschen Außenpolitik” finden ?
Deutschland ist der größte Truppenstützpunkt der Amerikaner in Europa. Wer einmal durch die Pfalz, meine Heimat, gefahren ist, dem wird dies mit aller Deutlichkeit bewußt.
Ramstein, Sembach, Miesau, Landstuhl, Baumholder … die ganze Region ist ein einziger gigantischer Flugzeugträger und Feldlager. Jedes Mal, wenn ich von Düsseldorf aus in meine alte Heimat fahre, fühle ich mich an die historischen Bilder aus dem südlichen England erinnert. Bilder aus einer Zeit und von einem Ort wo eine militärische Macht aufgebaut wurde um die “Festung Europa” zu knacken.
Wenn Amerika sich nicht im mehr im Krieg in Europa befindet, wozu dann dieses gigantische Aufmarschgebiet ?
Vegetius Renatus schreibt, dass im einfachen deutschen Volk, zumindest “im Westen der Republik”, die Ansicht herrsche, daß die in Deutschland stationierten US-Truppen keine Besatzungstruppen (mehr) seien, sondern “Freunde”.
Hier irrt Vegetius Renatus. Zum Ersten, die Amerikaner sind keine “Freunde”, trotz der vielerorts von oben verordneten “Deutsch-Amerikanischen Freundschaftsbekundungen”. Das durchschnittliche Verhalten der Amerikaner in Deutschland ist nicht “freundschaftlich”, Freunden begegnet man mit Respekt, nicht mit Überheblichkeit und Überlegenheitsbekundungen.
Man frage den durchschnittlichen Soldaten, nicht den “Politoffizier” … oder “Presse- und Öffentlichkeitsoffizier” wie er offiziell heißt. Man stelle dem durchschnittlichen GI die Frage “Warum bist Du hier ?”.
Die Antwort ist denkbar einfach …. “Weil wir den Krieg gewonnen haben !”. Was charakterisiert den Unterschied zwischen einer Besatzungstruppe und einer Schutztruppe treffender ?
Dieses Selbstverständnis ist dem einfachen deutschen Volk sehr wohl bewußt. Darum redet “das Volk” in meiner Heimat auch nicht von “den amerikanischen Freunden” sondern von “den amerikanischen Brüdern”.
“Das Volk” kennt den Unterschied zwischen einem “Freund” und einem “Bruder”, das Volk ist nicht blöde. Einen “Freund” kann man sich aussuchen, einen “Bruder” bekommt man vorgesetzt … “da isser, nun lebe mit ihm”.
Sicher, es läßt sich nicht abstreiten, dieser “Bruder” ist einigen durchaus willkommen. Am “Bruder” lässt sich Geld verdienen, viele Kneipenwirte, Autohändler und Huren verdienen ihren Lebensunterhalt mit dem “Bruder”. Wenn ich aber bedenke wie viele Kneipen zuhause bereits das Schild “Off Limits for US” an die Tür genagelt haben, dann ist es mit dieser “Symbiose” auch nicht weit her.
Und den Amerikanern scheint das Geld auch nicht mehr so locker in der Tasche zu sitzen, sonst würden die Autohändler zuhause immer noch in Englisch werben, nicht in Deutsch.
Was die Huren denken vermag ich nicht zu beurteilen, ich kenne keine, dennoch bin ich den Damen dankbar für ihren Dienst “am Bruder”. Ohne diesen “Dienst” wäre die Anzahl der Vergewaltigungen sicherlich höher.
Auch fühle ich mich den Huren aus einem anderen Grunde verbunden, kann und werde daher nicht abfällig über sie reden, schreiben oder denken. Huren verkaufen ihren Körper um ihren Lebensunterhalt zu verdienen, lassen gegen Geld ihren Körper von anderen benutzen. Ich habe 12 Jahre eine deutsche Uniform getragen, habe mich für diese Zeitspanne dazu bereit erklärt meinen Körper von anderen benutzen zu lassen.
Nicht als “Freudenspender” sondern als “Kriegswaffe”, und ich gebe offen zu, dass ich davon profitiert habe, so wie eine Hure von ihrem Freier profitiert. Und, ähnlich einer Hure, war die “Freude” bei der Sache oftmals einseitig. Deshalb war auch ich eine Hure, denn ich habe meinen Körper verkauft und ähnlich einer Amerikaner-Hure stellte ich fest, dass mein Freier aus den USA stammt, nicht aus Deutschland.
Wenn schon kämpfen, dann für die vermeintlich “freiheitlich-demokratische Grundordnung der BRD”, nicht für den Dow Jones oder die Weltmachtpolitik der USA am Hindukusch. Durch die “fremdgesteuerte Außenpolitik” sind diese Begriffe jedoch synonym.
Die Erkenntnis kam spät, aber sie kam. Ein Soldat prostituiert sich wenn der sich (die Uniform) anzieht, die Hure prostituiert sich wenn sie sich auszieht. Fazit: Eine Uniform kann man ausziehen. Jetzt aber gehört mein Körper wieder mir, ein gutes Gefühl das ich jeder Hure wünsche.
Abschließend noch zwei Anmerkungen. Meine Gedanken zum Soldatenberuf sind meine eigenen, sie erheben keinerlei Anspruch auf Allgemeingültigkeit. Es dienen sicherlich viele Frauen und Männer in den deutschen Streitkräften die mir vehement widersprechen werden. Diese Staatsbürger in Uniform möchte ich keineswegs beleidigen und hoffe meine Selbstbeschreibung wird nicht als Verallgemeinerung und Beleidigung aufgefasst. Dies liegt mir fern.
Die zweite Anmerkung richtet sich an die deutschen “Außenpolitiker”. Mein eingangs erwähntes GPS-Gerät bereitet mir viel Freude. Ursprünglich eine militärische Erfindung, dient es mir zu friedlichen Zwecken und ermöglicht mir meine Heimat zu erkunden und besser kennen zu lernen. Die Koordinaten die es anzeigt sind stets präzise, auf wenige Meter genau, und zuverlässig. Ich borge das Gerät gerne jenen deutschen “Außenpolitikern” die Schwierigkeiten haben Deutschland auf der Landkarte zu finden.
Berlin findet sich bei Koordinate 52° 31′ N, 13° 25′ O,
Washington DC bei Koordinate 38° 53′ 42″ N, 77° 2′ 12″ W.
Für den Wechsel der Blickrichtung empfehle ich Koordinate 55° 46′ N, 37° 40′ O.
Dort liegt Moskau, und es lässt sich unschwer feststellen das Berlin und Moskau nicht nur geographisch näher beieinander liegen. Dann klappts auch mit der Außenpolitik.
Nun ist dieser Eintrag doch wieder länger geworden als beabsichtigt, hoffentlich ist meine Jeans bald trocken und der Akku wieder geladen. Dann heißt’s wieder …
Loggen statt Bloggen.
