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Bumsen in Baku … oder … Karneval in Aserbaidschan

Veröffentlicht in Aserbaidschan, Die Blogosphäre, Die Spione, Großbritannien by Heribert Schindler am Mai 16th, 2007

Einleitend bitte ich um Entschuldigung für den frivolen Titel dieses Eintrages, ich konnte nicht anders. Mea Culpa.

Die Initialzündung für diesen Eintrag lieferte mir The Copydude mit seinem Eintrag, unter dem ebenso frivolen Titel “Booze, Bimbos, Bribes and Baku” , in dem er von Groß Britanniens neuestem Korruptionsskandal berichtet.

Frei übersetzt lautet der Titel in etwa “Fusel, Nutten, Schmiergelder und Baku”, leider reimt er sich im Deutschen nicht so schön wie im Englischen.

The Copydude’s Artikel berichtet von der Verstrickung von BP (British Petroleum) in dubiose Machenschaften in Aserbaidschan, von der Unternehmenspraxis alle Register zu ziehen (Hookers to Hash = Nutten bis Drogen) um an lukrative Ölkonzessionen zu kommen. Besonders Lord Brown, der CEO (Chief Executive Officer, neudeutsch für Vorstandsvorsitzender) von BP, gerät ins Fadenkreuz … und wird anscheinend von höchster Stelle geschützt.

Die Britische Tageszeitung “The Daily Mail” berichtete über den Skandal, mußte jedoch auf “Druck von Oben” den Bericht zurückziehen. Wie dem auch sei, der ursprünglich hier auffindbare Artikel der “The Daily Mail” ist jedenfalls verschwunden.

Aber ebenso wie nicht ganz Gallien von den Römern besetzt war, Asterix sei Dank, ist auch der besagte Bericht nicht gänzlich verschwunden, einigen aufmerksamen Quellen sei Dank. Prison Planet.Com und D-Notice haben ihn, lobeswerter Weise, reproduziert.

Worum geht es in dem “verschwundenen Artikel”, warum wurde er kommentarlos zurückgezogen ?

Nun, Tatsache ist, dass British Petroleum es geschafft hat den für Aserbaidschan vorgesehenen Jahresetat von 45 Millionen Britischen Pfund für “Bewirtungen” in, sage und schreibe, 4 Monaten zu verblasen. 

Diese Summe entspricht € 65.731.190,45 oder US $ 89.393.557,90. Am schönsten klingt dieser Betrag jedoch in Schweizerisch …. 108.605.335 Fränkli und 95 Räppli.

The Copydude drückt, zurecht, seine Verwunderung über den “verschwundenen Bericht” aus, zumal ein fettes Spesenkonto in Aserbaidschan anscheinend ein absolutes MUSS ist. In Baku sitzt die Brieftasche der Bonzen halt locker, ebenso locker wie die Moral.

The Copydude verweist hier auch auch auf den vorherigen US-Amerikanischen Botschafter, Reno Harnish, welcher im letzten Jahr aus Baku abberufen wurde nachdem seine Verstrickungen in die aserbaidschanische Sex-Industrie, und den Frauenhandel zwischen Baku und Florida, selbst den Amerikanern zu bunt wurde. Prüde ist der Amerikaner schließlich nur zuhause.

Was der britischen Regierung anscheinend missfiel, und daher auch der Druck von höchster Stelle und das Verschwinden des Berichtes, ist jedoch nicht der verschwenderische Umgang mit Firmengeldern und die Förderung von Korruption in Aserbaidschan sondern vielmehr der direkte Hinweis auf die unverblümte Zusammenarbeit des Auslandsgeheimdienstes MI6 mit British Petroleum in Baku.

Man rufe sich hierzu die bereits legendäre Aktion des MI6 in Aserbaidschan in Erinnerung, die Waffen-Für-Öl-Aktion mit dem Hintergedanken British Petroleum in Baku fester in den Sattel zu drücken.

Und hier schließt sich der Kreis, denn wenn zwei das Selbe tun ist es noch längst nicht das Gleiche. Wie heftig trommeln doch unsere, ach so gerechten, Medien und Journalisten auf die vermeintlich nicht existente Pressefreiheit in Russland ein und verteufeln den Kreml für seine vermeintliche Zensur und Einschüchterung der russischen Presse.

Wir veranstalten sogar einen Karneval mit dem (Hinter-) Gedanken,

dass die russischen Medien von der Putin-Regierung immer stärker eingeschränkt werden, je näher die russischen Parlamentswahlen im Oktober 2007 und die Präsidentenwahlen im März 2008 rücken.

Der Karneval in Moskau ist halt immer interessanter als derjenige in Baku, Putins Russland ist halt ein viel lohnenswerteres Ziel als (noch) Blairs Groß Britannien.

Auf die kollektive Schelte Putins für die “Verstaatlichung” der russischen Ölindustrie und der “Abschottung” gegenüber “ausländischen Investoren” brauche ich wohl nicht (nochmals) näher einzugehen. Nach BP’s Karneval in Aserbaidschan, mit tatkräftiger Unterstützung des britischen Auslandsgeheimdienstes, erscheint mir Putins Handeln recht logisch.

Mein Dank geht an The Copydude, für den interessanten Beitrag. Er ist ein weiterer guter Grund sich den Karneval in Aserbaidschan anzusehen und sich dem anderen zu verweigern.

5 Responses to 'Bumsen in Baku … oder … Karneval in Aserbaidschan'

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  1. Heribert Schindler said, on Mai 16th, 2007 at 14:49

    In der Ölindustrie ist es Usus mit Stahlkappen verstärkte Arbeitsschuhe zu tragen. Daher dürften seine tiefsten Stellen bestens geschützt sein.

    Aber als englischen Lord mit MI6-Kontakten bewirft man ihn höchstens mit Wattebäuschchen und tritt ihm wohl nicht auf die Zehen, daher besteht wohl (leider) kein Anlass zur Sorge. Wo kämen wir denn hin wenn wir einen Engländer wie einen Russen behandeln würden ? Das wäre ja purste Arnarchie und gegen jegliche Fairness, oder ?

  2. D-Notice said, on Mai 16th, 2007 at 18:23

    Dank für die Erwähnung

  3. Heribert Schindler said, on Mai 16th, 2007 at 18:41

    Es war mir eine Ehre !

  4. ReluctantMuscovite said, on Mai 22nd, 2007 at 05:44

    In LexisNexis ist der besagte Artikel allerdings mit der dateline May 20, 2007 versehen.

    Ich schicke ihn Dir.

  5. [...] ich brauche, so glaube ich, nicht zu erwähnen welchen “Traffic” mein Artikel “Bumsen in Baku … oder … Karneval in Aserbaidschan” vom 16. Mai 2007 (damals wie heute) generiert. Dabei gings auch in diesem Artikel nicht um die [...]

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