Interessante Theorien …
… stellt Russlands Kommersant in dem Artikel “75 Nachfolger zuviel” auf.
Kommersant bezieht sich auf eine Bemerkung President Putins, in der jener eine wage Beschreibung der Qualifikationen nannte, die sein Nachfolger mitbringen müsste / sollte.
Putin beschrieb einen solchen Kandidaten als
anständige und ehrliche Person auf einem hohen Niveau professioneller Qualität und Berufserfahrung, welche sich positiv und gut in einer Region [Russlands] oder auf föderaler Ebene hervorgetan habe.
Darüber hinaus, so Kommersant, habe Putin angedeutet, dass “ein Gouverneur eventuell gewählt werden könne”.
Diese Bemerkungen, so wie die “Beschreibung” des potentiellen Kandidaten, veranlassen Kommersant zu Spekulationen in eine ganz bestimmte Richtung.
Gegenwärtig gibt es 85 Gouverneure in Russland. Kommersant “filtert” dies Zahl indem bestimmte Merkmale der “Präsidentenbemerkung”, die Kommersant um eigene “Vermutungen” ergänzt, als K.O.-Kriterien angewendet werden.
Das Kriterium “Berufserfahrung” veranlasst Kommersant die Anzahl der gegenwärtig amtierenden Gouverneure um 14 Kandidaten zu reduzieren indem (vermutlich) erst kürzlich ernannte Gouverneure von der Liste gestrichen werde.
Als nächstes Kriterium wendet Kommersant eine eigene “Vermutung” an, nämlich jene, dass der potentielle Nachfolger Putins “ein Russe” sein müsse. Diese “Vermutung” schließt alle “nicht-slawischen” Kandidaten aus, filtert daher 17 Kandidaten, wie z.B. Ramzan Kadyrov und Roman Abramovich, aus der Nachfolgefrage aus.
Weitere Kandidaten filtert Kommersant durch die “Vermutung” heraus, dass Putin keine Personen als geeignet ansehen würde welche bereits unter Jelzin ihr Amt inne hatten. So reduziert sich die Zahl um weitere 32 Personen. Zu diesem Kreis zählt auch Yury Luzhkov, der Bürgermeister Moskaus.
Kommersant vermutet ferner, dass die “Loyalität” der Kandidaten gegenüber der gegenwärtigen Regierung (und dem Präsidenten) ein gewichtiger Faktor sein dürfte um auf der “Liste” zu verbleiben oder entfernt zu werden. So streicht Kommersant Personen die der kommunisten Partei angehören und / oder Putin-kritischen Gruppierungen oder Kreisen um Bürgermeister Luzhkov nahe stehen.
Einige Kandidaten erhielten ihre Ämter wegen ihrer “Zugehörigkeit zu regionalen Eliten” (so Kommersant) oder aber durch “Nachfolge im Todesfall”. So rückten in den Regionen Astrakhan, Sakhalin and Magadan die jeweiligen Stellvertreter auf Gouverneursposten auf nachdem die ursprünglichen Amtsinhaber verstarben. Diese Kandidaten, “Regionalelite” sowie “Nachrücker”, werden als “putinfern” von Kommersant ebenfalls gestrichen. Kommersant vermutet weiterhin, dass auch diejenigen die als Gegenkandidaten zu “putinnahen Favoriten” in früheren Wahlen obsiegt haben, ebenfalls ausscheiden würden. Hierzu zählen Sergey Darkin, Boris Gromov sowie drei weitere nicht benannte Kandidaten.
Nach diesem “Auswahlverfahren” hat Kommersant somit die Zahl der potentiellen Kandidaten auf 10 reduziert, zuzüglich drei weitere Personen welche, ehemals Gouverneure, auf föderale Posten wechselten. Bei diesen drei handelt es sich um Vladimir Yakovlev, Yury Trutnev und Sergey Sobyanin.
Etwas spitzfindig schließt Kommersant den Artikel mit der Bemerkung, dass durch die verschlechterten Beziehungen zwischen Moskau und Washington der Kreml allerdings auch “weniger besorgt” über Reaktionen des Westens wäre, sollten die kommenden russsischen Präsidentschaftswahlen verschoben oder doch mit einer dritten Amtszeit Putins enden würde.
Der Kandidat der am besten auf Putins Beschreibung passen würde wäre Putin selbst, so Kommersant.
Lesenswert ist der Originalartikel des Kommersant alleine schon wegen der Auflistung der Namen aller Kandidaten sowie durch ergänzende Personenbeschreibungen.
