Dreh Dich nicht um …
… McCarthy’s Geist geht um.
Joseph Raymond McCarthy (* 14. November 1908 , † 2. Mai 1957 ) gehörte der Republikanischen Partei an und wurde bekannt für seine Kampagne gegen eine vermutete Unterwanderung des Regierungsapparates der Vereinigten Staaten von Amerika durch Kommunisten. Er gab der so genannten McCarthy-Ära der frühen 1950er Jahre seinen Namen, in der antikommunistische Verschwörungstheorien und Hexenjagden das politische Klima in den USA bestimmten (Quelle).
Obwohl McCarthy nicht im Stande war, seine Behauptungen zu untermauern, stießen seine Kampagnen auf großes Echo in Medien und Gesellschaft. Im aufgeheizten Klima der Frühphase des (1.) Kalten Krieges reichte bereits die indirekte Beschuldigung Kommunist zu sein um in McCarthy’s Fadenkreuz zu gelangen. Nicht wenige Menschen waren geneigt, McCarthy Glauben zu schenken, weil sie sich die Erfolge des lange Zeit in wissenschaftlichen und militärischen Belangen als hoffnungslos rückständig angesehenen “kommunistischen Lagers”, d.h. der UdSSR und den Staaten deren Einflusssphäre, nur durch Verrat und verdeckte Kolloboration von Amerikanern erklären konnten.
In der frühen Phase des (2.) Kalten Krieges, diesmal mit Russland, scheint der Kommunismus erneut ein Thema zu werden. So weihte US-Präsident George W. Bush erst kürzlich ein “Denkmal für die Opfer des Kommunismus ein”.
Der Kampf gegen den Kommunismus ist der Kampf der Erinnerung gegen das Vergessen …
sagte Bush bei der Zeremonie in Washington und verglich den Kampf gegen den Kommunismus im (1.) Kalten Krieg mit dem heutigen “Anti-Terror-Kampf” der USA (Quelle).
Nicht verwunderlich ist die Reaktion auf die Enthüllung des Denkmals, die nicht nur in Russland und der Ukraine kommentiert wurde.
RIA Novosti brachte am 19. Juni 07 einen Artikel in dem der Präsident der Russischen Akademie der Militärwissenschaften, Machmut Garejew, wie folgt zitiert wird:
Die Voreingenommenheit und Missgunst des Westens gegenüber unserem Land waren sowohl während des (Zweiten Welt-)Krieges als auch während des darauf folgenden Kalten Krieges als auch nach dem Zerfall der Sowjetunion im Jahr 1991 und nach der Auflösung des Warschauer Paktes zu spüren, selbst nachdem auch die Anzeichen einer ‘kommunistischen Gefahr’ verschwunden waren. Das bekommen wir heute immer deutlicher zu spüren.
Garejew meint, Bush habe von Millionen Toten in verschiedenen Teilen der Welt gesprochen, aber aus irgendeinem Grunde verschwiegen, dass die urgeigene Bevölkerung Amerikas verschwunden sei, dass hunderttausende friedliche Einwohner Vietnams getötet und dass 1945 Atombomben auf japanische Städte abgeworfen worden seien.
In diesem Zusammenhang verwies Garejew darauf, dass US-Präsident George W. Bush bei der Enthüllung des Denkmals ”vom Kommunismus gesprochen, aber dabei an Russland gedacht” habe.
Ein ähnlicher Kommentar kam aus der Ukraine, wo der KP-Abgeordnete Leonid Gratsch erklärte, die Errichtung dieses Denkmals in den USA zeuge davon, dass die Amerikaner keinen Respekt vor Geschichte, Kultur und Traditionen der anderen Staaten haben.
Angefangen bei der Ausrottung der Indianer und bis hin zu den Kriegsverbrechen in Vietnam, Jugoslawien, Afghanistan und dem Irak hat der US-Imperialismus viel mehr Opfer gefordert als der Kommunismus
meinte Gratsch. Die ukrainischen Kommunisten haben daher den Vorschlag gemacht, ein Museum zum Andenken der Opfer des US-Imperialismus zu eröffnen (Quelle).
Besonders erregt man sich über Bush’s Bemerkung, bei der Einweihung des Denkmals, dass der “imperiale Kommunismus” das Leben von 100 Millionen unschuldigen Menschen gefordert habe. Auch in der Ukraine unterstellt man Bush eine doppelte Moral an den Tag zu legen, besonders durch die Vernachlässigung der unzähligen Opfer unter den amerikanischen Ureinwohnern und der unbestimmbaren Zahl der afrikanischen Sklaven die in den USA den Tod fanden.
“Kommunistenfresser” gab / gibt es allerdings nicht nur in den USA.
Lars Göran Axel Lindblad, ein schwedischer konservativer Politiker (Moderata samlingspartiet, ist seit 1997 Mitglied des schwedischen Reichstags und Mitglied im Komitee für Auswärtige Angelegenheiten, sowie stellvertretendes Mitglied der schwedischen Delegation in der Parlamentarischen Versammlung des Europarats.
Lindblad initiierte die Europaratsresolution 1481 (2006) zur Notwendigkeit der internationalen Verurteilung von Verbrechen totalitärer kommunistischer Regime.
In Deutschland grassiert gegenwärtig die Angst vor einem “Linksruck” der Republik, besonders seit dem Gründungsparteitag der Partei “Die Linke”, die den “etablierten Volksparteien” einiges Kopfzerbrechen bereitet.
Sehr schön behandelt Jens Berger vom Spiegelfechter diese neue Partei, die er als “eine Hybride aus einem altersschwachen Ostbaum und einem jungen Spaltpilz” bezeichnet. Ein Gespenst geht um in Berlin.
Es ist daher wohl nur eine Frage der Zeit, bis Deutschland endgültig in die Liste der “Schurkenstaaten” eingereiht wird, nicht für seine nationalsozialistische Vergangenheit, auch nicht für seine Verweigerung gegenüber dem “Irak-Krieg” oder seiner Zugehörigkeit zu “Old Europe”. Auch nicht für die russlandfreundliche Haltung weiter Kreise der deutschen Bevölkerung oder des erstarkenden Antiamerikanismus, sondern für die zukünftig durchaus mögliche Regierungsbeteiligung einer Partei, deren Wurzeln teilweise “kommunistisch” sind.
Immerhin vereinigen sich in dieser Partei ja die “linken Strömungen” der WASG und der Linkspartei.PDS , wobei letztere aus der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands (SED) hervorging welche wiederum aus der Vereinigung von SPD und KPD in der ehemaligen DDR entstand.
Hoffentlich merkt Mr. Bush nicht wieviele sozialistische und kommunistische Parteien es in Deutschland sonst noch gab / gibt …
Deutsche Kommunistische Partei (DKP), kommunistisch
Marxistisch-Leninistische Partei Deutschlands (MLPD), kommunistisch
Kommunistische Partei Deutschlands (KPD) - Neugründung Januar 1990 in Berlin
Revolutionär Sozialistischer Bund (RSB)
internationale sozialistische linke (isl)
Partei für Soziale Gleichheit (PSG)
Kommunistischer Arbeiterbund Deutschlands (KABD), aufgelöst
Kommunistischer Bund (KB), aufgelöst
Kommunistischer Bund Westdeutschland (KBW), aufgelöst
Bund Westdeutscher Kommunisten (BWK), aufgelöst
Kommunistische Partei Deutschlands/Marxisten-Leninisten (KPD/ML) (Nachfolgeorganistionen und Abspaltungen bestehen fort),
Gruppe Internationale Marxisten (GIM), aufgelöst
Vereinigte Sozialistische Partei (VSP), aufgelöst
Spartakusbund, linker Flügel der Unabhängigen Sozialdemokratischen Partei Deutschlands (USPD), aufgelöst
Kommunistische Partei Deutschlands (KPD), aufgelöst
Mal sehen was passiert, sollte 2009 “Die Linke”, entgegen gegenwärtiger heutiger Bekundungen, für die deutsche Sozialdemokratie doch koalitionsfähig sein und ein rot-rot-grünes Bündnis gewählt werden. Pfui Teufel, dann sitzen “Kommunisten” in der Regierung. Armer Mr. Bush.
