Российская Федерация

Eine Bahn für zwei Kontinente

Veröffentlicht in China, Deutschland, Polen, Russland, Weißrussland / Belarus by Heribert Schindler am Juni 24th, 2007

Gütertransporte nach China sollen auf der Schiene nur noch zwei Wochen dauern.

Die in Moskau gegründete Bahngesellschaft »Eurasia Rail Logistic« will China mit Europa verbinden. Mit von der Partie ist auch die im Vorfeld des geplanten Börsengangs international expandierende Deutsche Bahn.

Von Berlin nach Peking mit der Bahn – das soll bald Wirklichkeit werden. Die deutschen, polnischen, weißrussischen und russischen Bahnen haben dieser Tage eine Bahngesellschaft gegründet, die Europa mit Asien verbinden soll. Das neue Unternehmen soll noch in diesem Jahr Containertransporte auf der Schiene in russische Regionen bis an die chinesische Grenze anbieten und vermarkten.

»Damit rückt auch die angestrebte Schienenverbindung von Deutschland nach China ein Stück näher«, sagt Bahnchef Hartmut Mehdorn.

Am Gemeinschaftsunternehmen»Eurasia Rail Logistic« werden die Russischen Eisenbahnen 40 Prozent halten. Die DB-Güterbahntochter Railion wird mit 35 Prozent zweitgrößter Anteilseigner. Die polnische PKP übernimmt 15 Prozent, die weißrussische Bahn 10 Prozent.

Das Projekt ist Chefsache: Am Donnerstag unterzeichneten die Bahnchefs persönlich in Moskau ein deutsch-russisches Kooperationsabkommen. Zu den Aufgaben des Unternehmens gehören die Optimierung der Transporte auf dem internationalen Bahnkorridor von Berlin über Warschau, Minsk und Moskau nach Nischni Nowgorod, die Einführung von neuen Logistikprodukten sowie die Steigerung des Gütervolumens. Doch das eigentliche Ziel ist der wachsende Markt in Asien.

»Das Vorhaben soll die Warentransporte aus China erleichtern«, sagt Marek Sieczkowski vom Marketingbüro der PKP.

Zu den wichtigsten Partnern werden große Konzerne zählen, die auf beiden Kontinenten tätig sind. Dazu gehören Sony, Siemens, Volkswagen und Samsung, wie aus dem weißrussischen Transportministerium verlautete.

Derzeit werden die meisten Produkte aus China in Containern auf dem Seeweg nach Europa geschickt. Es dauert 35 Tage, bis sie ans Ziel ankommen. Per Bahn soll sich diese Zeit auf 12 bis 15 Tage verkürzen, wenn die südliche Route der Transsibirischen Eisenbahn benutzt wird. Der zweite Vorteil für die Kunden: Alle Transportprozeduren werden mit nur einem Partner abgewickelt. Allerdings wird die Bahn das Schiff preislich nicht schlagen können. Laut Railion-Chef Klaus Kremper kostet die Verfrachtung eines Sechsmetercontainers per Schiff 1100 Euro, per Bahn 1600 Euro.

Auch in Peking hofft man auf die Bahntransporte. An Limin, Berater des chinesischen Transportministers, erklärte im Januar in Brüssel, dass er mit einem Aufschwung des interkontinentalen Frachttransport rechne.

(c) Aureliusz Pedziwol, Prag
Neues Deutschland, 23.06.07