Российская Федерация

Kein Lugowoi-Prozess in Russland …

Veröffentlicht in Großbritannien, Russland by Heribert Schindler am Juli 13th, 2007

… weil London es nicht will. Die britische Staatsanwaltschaft weigert sich, das Beweismaterial im Todesfall Alexandr Litwinenko der russischen Seite zur Verfügung zu stellen, damit einem der Hauptverdächtigen, Andrej Lugowoi,  in Russland der Prozess gemacht werden könnte.

Die britische Seite bestätigte erneut, dass Russland, unter Verweis auf die Verfassung, eine Auslieferung Lugowois offiziell ablehnt. Die Verfassung der Russischen Föderation verbietet die eine Übergabe eigener Staatsbürger an fremde Staaten.

Der russische Unternehmer Lugowoj betrachtet sich als unschuldig und sieht sich als Opfer einer Verschwörung. Er selbst sei durch das giftige Pollonium geschädigt worden mit dem Litwinenko “beseitigt” worden sei. Er sei also ebenfalls Opfer, nicht Täter.

Großbritanniens Generalstaatsanwaltschaft wies das russische Angebot, Lugowoj bei Vorlage ausreichender Beweise in Russland vor Gericht zu stellen, zurück.  Einzig London sei der angemessene Ort für die Verhandlung des Falles.

Das britische Außenministerium bezeichnete die russische Antwort als „inakzeptabel“. Man will nun über eine „entschiedene Reaktion“ nachdenken.

In Russland wurde diese Reaktion wiederum als überzogen betrachtet. Das Gebahren des britischen Außenministeriums habe einen deutlichen antirussischen Unterton, so offizielle russische Kreise. London sei einfach nur beleidigt und reagiere nun in vertrauten und vorhersagbaren Verhaltensmustern.

Die britische Reaktion ist irritierend. Zum Einen spult London kontinuierlich den selben Text ab,  Russland solle Menschenrechte und  rechtsstaatliche Prinzipien einhalten, zu Anderen reagiert London “verschnupft” wenn Moskau sich auf die durchaus demokratische Verfassung der Russischen Föderation beruft und deren Einhaltung fordert.

5 Responses to 'Kein Lugowoi-Prozess in Russland …'

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  1. gusnews said, on Juli 13th, 2007 at 14:29

    Interessanterweise liefern die Briten Beresowski nicht aus (Obwohl er nach dem geltenden Recht der Russischen Föderation angeklagt ist bzw. russischer Staatsbürger ist).

    Wenn die USA sich weigern ihre Soldaten dem internationalen Gerichtshof auszuliefern, dann wird es als selbsverständlich angesehen…

    Na ja doppelte Standarts.

  2. Heribert Schindler said, on Juli 13th, 2007 at 14:53

    Tja, die angelsächsiche Welt … der Hort der Freiheit, Demokratie und Rechtstaatlichkeit. ;-)

  3. gusnews said, on Juli 15th, 2007 at 21:06

    Ich habe gerade das Buch von Paul Khlebnikov: Der Pate des Kreml durchgelesen, falls Sie das Mal in die Hände kriegen lesen Sie die Seiten 378-387 aufmerksam durch.

    Vor Allem auf Seiten 378-381 werden einige Beziehungen klar (Stichwort Litvinenko)

  4. gusnews said, on Juli 16th, 2007 at 09:31

    Während der Regierung Primakows wurde zum ersten Mal sowohl in Russland, als auch in den USA gegen Beresowski ermittlet, es gelang ihm jedoch Primakow beim Jelzin zu diskredittieren und Primakow wurde entlassen…

    Man beachte, dass dieses Buch in den Jahren 2000- 2001 geschrieben wurde (noch vor den Anschlägen auf WTC) und dass Khlebnikov 2004 ermordet wurde. Auch die Geschehnisse mit Litvinenko und Politkovskaja waren noch nicht passiert…

    Also lest euch bitte die Seiten 378- 387 aufmerksam durch…

    Ich werde jetzt eine Passage von den Seiten 373-374 hier zitieren:

    Wenig später löste Putin wirklich Kowaljow als Chef des FSB ab, allerdings war Beresowski verantwortlich für die Veränderung, und nicht Tschubais. Beresowski hatte seine eigenen Gründe für die Ablösung Kowaljows. Während dieser den FSB leitete, erlitt der Tycoon durch die Publikation kompromentierender Dokumente über die Geschäftsbeziehung zwischen Aeroflot und Andava einen schweren Schlag. Auch wenn die Rolle des FSB bei diesem Skandal nicht geklärt wurde, gelangte Beresowski zu der Auffassung, dass Kowaljow eine Gefahr war(… ;) Kowaljows Laufbahn endete, als der FSB- Chef selbst in einen Skandal verwickelt wurde. Im April 1998 erklärten der Oberstleutnant Aleksandr Litvinenko aus der FSB- Abteilung zum Kampf gegen das organisierte Verbrechen und mehrere seiner Kollegen, dass ihnen befohlen worden sei, Beresowski zu ermorden. Diese Enthüllung befremdete. Litvinenko hatte sich während seiner KGB- Zeit nebenher als Beresowskis Leibwächter dazuverdient. Seine FSB- Abteilung hatte bei den unzähligen tschetschenischen Geiseldramen mit Beresowski zusammengearbeitet. Gut unterrichtete Beobachter kamen zum Schluss, dass diese angebliche FSB- Verschwörung eine Flinte war. (Ein Jahr später wurde Litvinenko unter der Anklage illegaler Haussuchungen und anderer Pflichtverletzungen verhaftet)…

  5. Heribert Schindler said, on Juli 16th, 2007 at 10:10

    Ich habe Khlebnikovs Buch (noch) nicht gelesen. Es steht aber auf meiner “Leseliste” und ich hoffe bald dazu zu kommen. Danke für den Hinweis.

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