Vom brüllenden Löwen und dem lächelnden Bär …
Russlands Präsident Vladimir Putin bringt es auf den Punkt. Gegenüber RIA Novosti nennt er das Kind beim Namen, und lächelt dabei. Sei Beschreibung der gegenwärtigen Spannungen zwischen Moskau und London reduziert die “Affäre” auf einen Begriff und trifft ins Schwarze … die “Mini-Krise”.
Уверен, что с этим мини-кризисом мы справимся. Я думаю, что российско-британские отношения будут развиваться нормально
Er ist überzeugt, dass man die Mini-Krise überwinden werde und das sich die russisch-britischen Beziehungen normal entwickeln werden.
«око за око» - Auge um Auge - sei Russlands Reaktion auf die Ausweisung russischer Diplomaten ausgefallen, nicht übertrieben, wie die britische Regenbogenpresse vorhergesagt hatte.
Mit der Ausweisung von bis zu 80 britischen Diplomaten, Sanktionen gegen die britische Wirtschaft sowie “einem Feuerwerk an Strafmaßnahmen” wurde gerechnet.
Der russische Außenminister Sergej Lawrow führt die Zuspitzung der russisch-britischen Beziehungen im Zusammenhang mit dem “Fall Litwinenko” auf den Regierungswechsel in Großbritannien zurück. Er ist davon überzeugt, dass die neue britische Regierung, sobald sie sicher im Sattel sitzt und zu sich selbst findet, im Interesse des britischen Volkes und der russisch-britischen Beziehungen handeln wird.
Bis dahin sieht Moskau das Verhalten Londons gelassen, sieht auch gerne über das Säbelrasseln der Briten hinweg. So auch über den “Alarmstart” zweier britischer Jagdflugzeuge am vergangenen Dienstag, um “möglicherweise” zwei russische Langstreckenbomber abzufangen, die bei einer üblichen Patrouille an Norwegens Küste nach britischen Angaben von ihren Kurs abgewichen waren und Kurs auf Großbritannien genommen hatten.
Den britischen Luftraum verletzten die russischen Flugzeuge vom Typ Tu-95 jedoch nicht. Generaloberst Alexander Selin, Chef der russischen Luftstreitkräfte, zeigte sich über das angebliche Abfangen der russischen Tu-95-Bombenflugzeuge irritiert.
Präziser äußerte sich hierzu Luftwaffensprecher Alexander Drobyschewski, nach seinen Worten ging es um “planmäßige Übungsflüge” der russischen Langstreckenbomber über internationalem Gewässer, nicht um unsinnige Mutmaßungen, dass die Flüge der Bomber mit dem diplomatischen Skandal zwischen Moskau und London verbunden sind.
“Wir planen die Flüge der Bombenflugzeuge im internationalen Luftraum mindestens sechs Monate vorher und benachrichtigen im Voraus alle interessierten Staaten”, sagte er.
Die “Luftschlacht um England” findet also nicht statt, so sehr die britische Regenbogenpresse sie sich auch wünschen mag. Deshalb zieht sie auch das zweite Ass aus dem Ärmel. Wenn der “Luftangriff” schon nicht stattfindet, dann doch wenigstens bitte ein erneutes Mordkomplott.
Wie das britische Massenblatt “The Sun” mitteilte, sei im Londoner Hilton-Hotel an der Park Lane nun ein russischer Killer festgenommen worden, der den russischen Unternehmer Boris Beresowski, der im Londoner Exil lebt, töten sollte.
Das britische Innenministerium kommentierte die Meldung über die vermeintliche Festnahme des Killers nicht. Wie “The Times” am Mittwoch berichtete, sei der Killer bereits ausgewiesen worden - was extrem fragwürdig wäre, wenn man berücksichtigt, mit welcher Hartnäckigkeit London die Auslieferung von Andrej Lugowoi verlangt.
Die “Mini-Krise” nimmt die Züge einer Zirkusnummer an, einer “Raubtiernummer” die unglaubwürdig wäre wenn der (britische) Löwe nicht brüllte. Aber die Zeiten des “Empire” sind vorbei, der Löwe kann zwar brüllen, hat aber keine Zähne mehr.
Einige Zuschauer des “Spektakels” meinen jedoch, dass es sich bei den Londoner Eskapaden lediglich um weitere Provokationen handelt, deren Ziel in einer weiteren Zuspitzung der Beziehungen zwischen der EU und Russland besteht.
Daran könnten die USA interessiert sein, weil ein neuer Konflikt die Verhandlungen über den Partnerschaftsvertrag EU-Russland blockieren, die Stationierung von Raketenschild-Segmenten in Tschechien und Polen beschleunigen sowie Moskau bei den Verhandlungen über den Kosovo-Status isolieren würde.
Die USA, die über die Fortschritte in den Beziehungen Russlands mit Deutschland und Frankreich beunruhigt sind, greifen Russland vom britischen diplomatischen Aufmarschraum an, sagte der Staatsduma-Abgeordnete Iwan Melnikow.
Das Kosovo wird seine Unabhängigkeit von Serbien “auf die eine oder andere Weise” trotz Russlands Einwänden bekommen, erklärte, laut Reuter, US-Außenministerin Condolizza Rice.
George Bush habe klar zu verstehen gegeben, dass das Kosovo unabhängig werde:
“Die USA haben die feste Absicht, dies zu erreichen”.
Und so muss / kann / darf der zahnlose Löwe brüllen, oder, je nach Perspektive, der Schoßhund den Mond ankläffen. Der Bär wird weiter lächeln.
