Российская Федерация

Webseite: “Engines of the Red Army in WW II”

Veröffentlicht in Die ehemalige Sowjetunion, Linktipp by Heribert Schindler am August 9th, 2007

Heute gibts einmal einen “Linktipp”, sozusagen eine Webseite als “Literaturtipp”. Eine Webseite, die der Betreiber mit viel Liebe zum Detail und großem handwerklichen Geschick auf die Beine gestellt hat.

Ich kenne diese Seite schon eine ganze Weile, besuche sie immer wieder gerne,  kann daher auch etwas zur Historie dieser Seite sagen.

Ursprüngliches Thema waren die über 450.000 Fahrzeuge, welche die UdSSR im Zeitraum 1941 bis 1945 im Rahmen der sogenannten “Leih- und Pachtverträge” von den USA, Kanada und Groß Britannien erhielten und welche von der Sowjet Union im Kampf gegen Nazi-Deutschland eingesetzt wurden.

Kurz zum Hintergrund:

Die “Leih- und Pachtverträge” (Englisch: “Lend & Lease”) entstanden aus einem (so sehe ich es jedenfalls) “juristischen Trick”, fast unmittelbar nach Ausbruch des 2. Weltkrieges, in den USA.

Groß Britannien hatte, in der Schlacht bei Dünkirchen im Jahr 1940,  erhebliche Mengen an Kriegsmaterial eingebüßt und litt unter Versorgungsengpässen. Die deutsche Uboot-Waffe fügte der britischen Handelsmarine große Verluste zu und Groß Britannien benötigte dringend militärischen, sowie auch zivilen, Nachschub.

In den USA rangen zwei “politische Fraktionen” um die Frage des US-Amerikanischen Kriegseintritts auf Seiten Groß Britanniens. Die “Isolationisten” strebten die strikte Neutralität der USA in diesem Krieg an, die “Befürworter” wollten die sofortige Kriegserklärung.

Als sich Groß Britannien an die USA wandte, mit der Bitte um Kredite zum Ankauf von Kriegsmaterial, stieß dies auf Ablehnung der “Isolationisten”. Diese beriefen sich auf die “Cash & Carry” - Klausel in der Gesetzgebung bezüglich des Verkaufs von Kriegsmaterial (wonach ein Einkäufer von Kriegsmaterial dieses bar zu bezahlen und mit eigenen Mittel zu transportieren hatte) sowie auf die Tatsache, dass die US-Amerikanische Gesetzgebung die Vergabe von Krediten an “Schuldner” verbot.

Groß Britannien hatte in den USA noch erhebliche Kriegsschulden aus dem 1. Weltkrieg und die Gesetzgebung verbot “neue” Kredite solange die “Altschulden” nicht komplett beglichen waren.

Die “Befürworter”, zu denen auch President Roosevelt gehörte, fanden hierfür eine einfache, aber nicht unumstrittene, Lösung. Man durfte nach der geltenden Rechtsprechung zwar keine Kredite mehr vergeben, niemand verbot aber Kriegsgerät “zu verleihen oder zu verpachten”.

Als Groß Britannien über keine Mittel mehr verfügte um das Kriegsmaterial in den USA mit Barmitteln zu bezahlen bekam es das Material “verliehen und verpachtet”, mit der Auflage es zu einem späteren Zeitpunkt entweder zurück zu geben oder zu ersetzten. Abnutzung und Verschleiß war zu ersetzen, ahnlich einem “modernen” Leasing-Vertrag.

Als nach 1941 die Sowjet Union ebenfalls zum Kriegsteilnehmer gegen Nazi-Deutschland wurde, wurden die “Leih- und Pachtverträge” auch auf die UdSSR ausgedehnt. Die Sowjet Union drängte ständig auf die Eröffnung einer zweiten Front in Europa, die USA “erkaufte” sich das Wohlwollen Stalins (übergangsweise) mit Materiallieferungen.

So kamen, neben millionen von Tonnen an Hilfsgütern, Nahrungsmitteln und Munition auch die oben genannten 450.000 Fahrzeuge in die Sowiet Union.

Zurück zur Webseite:

Ursprünglich trug die Webseite daher den Namen “Trucks Lend-Leased To Russia In WW II” und beschäftigte sich ausschließlich mit eben jenen 450.000 Fahrzeugen aus den “Leih- und Pacht Verträgen”. Mit großer Liebe zum Detail wurden, in großer Zahl, Grafiken von diesen Fahrzeugtypen veröffentlicht, jeweils mit einer ausführlichen Beschreibung und Erklärung der technischen Details und weiterer wissenswerter Fakten.

Vor nicht zu langer Zeit wurde die Webseite jedoch um Fahrzeuge aus sowjetischer Produktion erweitert und zeigt seitdem auch Grafiken von LKW’s, Panzern und anderen Fahrzeugen welche nicht über “Lend & Lease” in die Sowjet Union kamen.

Der Name der Webseite änderte sich in den heutigen, der übersetzt (in etwa) lautet “Maschinen der Roten Armee im Zweiten Weltkrieg”.

Neben den, in meinen Augen hervorragenden, Grafiken werden auf der Webseite auch umfassende Informationen zu “Lend & Lease” (unter: Sources & Links), detaillierte Statistiken und Erklärungen gegeben, so z.B. über welche “Korridore” die Materiallieferungen die UdSSR erreichten.

Die Webseiten sind in Englisch geschrieben um ein möglichst großes Publikum zu erreichen. Trotz der hervorragenden Leistung bleibt der Betreiber bescheiden und anonym (mir ist er namentlich bekannt) , obwohl er sich sicherlich nicht verstecken muss.

Also Leute, schaut euch diese Seite an und schreibt dem Betreiber ein paar nette Worte ins Gästebuch. Ich, als “Nostalgiker” und Liebhaber alter Fahrzeuge, schaue regelmäßig dort vorbei und freue mich über jede neue Grafik. Viel Spaß beim Lesen !

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