Meine Vermutungen, wie in “Warschau Redux ?” angedeutet, scheinen sich zu konkretisieren. RIA Novosti brachte heute, am 16. August, folgende Meldung:
Westen befürchtet eurasischen Militärblock - „RBC Daily“
Nach Ansicht vieler Beobachter ist Russland bestrebt, die Schanghaier Organisation für Zusammenarbeit (SOZ) durch neue Mitglieder zu erweitern und diese Vereinigung in einen Militärblock zu verwandeln, der ein Gegengewicht zur NATO bilden soll, schreibt die Wirtschaftszeitung „RBC Daily“ am Donnerstag.
Parallel zum Gipfel finden groß angelegte Militärübungen statt, an denen alle SOZ-Mitgliedsländer teilnehmen. Diese Demonstration der Stärke soll dem Westen Angst einjagen. Der Westen ist aber nach Ansicht vieler Experten bereits ohnehin besorgt. Die Besorgnis ist nicht nur mit der Gefahr der Entstehung eines eurasischen Militärblocks und einer Verdrängung der NATO aus Zentralasien verbunden. Die Unzufriedenheit des Westens ruft auch das Interesse der Mitgliedsländer der Organisation an Iran, Pakistan und Afghanistan hervor. Iran, das einen Beobachterstatus in der Organisation hat, beantragte in diesem Jahr seine Vollmitgliedschaft. Auch Indien, Pakistan, Turkmenien und Afghanistan bekunden ihr Interesse an der Organisation.
Pjotr Topytschkanow, Experte des Moskauer Carnegie-Zentrums, hält allerdings eine „radikale SOZ-Erweiterung in nächster Zeit für wenig wahrscheinlich“. Iran sei nach seiner Auffassung der zweifelhafteste aller Anwärter.
Turkmenien dagegen könnte schon im nächsten Jahr ein SOZ-Vollmitglied werden. „Dies ist eines der letzten Kettenglieder, das noch fehlt und damit einen SOZ-Einfluss auf das gesamte Zentralasien vorerst nicht möglich macht“, stellt Alexander Pikajew, Experte des Zentrums für internationale Sicherheit des Instituts für Weltwirtschaft und internationale Beziehungen der Russischen Wissenschaftsakademie, fest. „Sollte also Turkmenien seinen Beitritt beantragen, wird es sofort aufgenommen“, meint er. China rechne schon seit langem mit turkmenischen Energieressourcen. Turkmeniens Staatschef wurde bereits als Gast zum heutigen SOZ-Gipfel nach Bischkek eingeladen. Diese Einladung wird bereits als der Beginn der Aufnahme betrachtet.
All die Länder, die in die SOZ aufgenommen werden könnten, haben Interessen im Brennstoff- und Energiebereich, die mit anderen Organisationsteilnehmern verbunden sind. Es gibt Pläne für den Bau einer Pipeline Iran-Afghanistan-Pakistan-China. Deshalb ist die SOZ an einer Beilegung der Konflikte in diesen Ländern interessiert. Danach könnten sie einen gemeinsamen militärpolitischen Block bilden.

1 Kommentar
06 04 08 um 21:27
[...] Warschau Redux … Teil 2 … [...]
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