Wer erinnert sich noch an das Drama mit den “nachrichtenlosen Konten” ?
Zur Erinnerung …
Von Christiane Oelrich, dpa, vom Mittwoch, 23. Juli 1997 12:05 Uhr
Zürich (dpa) - Die Schweizer Bankiers gehen 52 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs erstmals aktiv und in großem Stil auf die Suche nach den Erben von Konto-Inhabern, die wahrscheinlich in der Mordmaschinerie des Nazi-Terror-Regimes ums Leben kamen.
Sie beugten sich damit internationalem Druck vor allem jüdischer Organisationen, deren Forderungen nach Auskunft sie bis zuletzt mit dem Hinweis auf halbherzige Suchaktionen in den 60er Jahren und das sakrosankte Bankgeheimnis abgewimmelt hatten.
Bankierpräsident Georg Krayer räumte ein, daß die späte Veröffentlichung ein Fehler war. Gleichwohl sei er stolz auf das Schweizer Bankensystem, das weiterhin in aller Welt als Modell diene.
Ob das angeschlagene Ansehen der Schweizer Banken mit der neuen Strategie wirklich wieder auf Hochglanz poliert werden kann, gilt Beobachtern indes als mehr als fraglich. Der Imageverlust ist durch das lange Zögern der Banken schon beträchtlich. Deshalb sehen viele Beobachter in dem Vorpreschen der Bankiers vor allem eine Maßnahme zur Schadensbegrenzung.
Die Kehrtwende im Umgang mit den Holocaust-Opfern kam nicht freiwillig. Während die Schweizer Regierung - wenn auch langsam und ebenfalls erst unter Druck - damit begann, Fonds aufzulegen und Historiker mit der Geschichtsforschung zu beauftragen, beharrten die Banken bis zuletzt auf ihrer Linie.
Erst der immense Druck jüdischer Organisationen, die im Raum stehende Drohung eines Boykotts der Schweizer Banken, hat das Umdenken bewirkt.
Für verarmte Nachfahren von Juden, die in den Konzentrationslagern der Nazis ums Leben kamen, kommt die Geste reichlich spät. Vergeblich haben unzählige von ihnen jahrelang an die Türen der reichen Schweizer Geldinstitute geklopft, um den Schweizer Banken das Geld ihrer Vorfahren zu entlocken.“Ohne Totenschein kein Zugang zum Konto” wurde vielen lapidar erklärt. Anträge, die nicht durch gut sortierte Unterlagen belegt waren, blieben chancenlos. Für die Suche verlangten die Banken zudem eine Unkostenbeteiligung von 300 Franken - das war für Nachfahren etwa im osteuropäischen Raum unbezahlbar.
Wenn die Akten über diesen sogenannten nachrichtenlosen Konten endlich geschlossen werden, dürften die Bankiers aufatmen. Von der Anklagebank sind sie damit noch lange nicht. Im Raum stehen weiterhin schwere Vorwürfe im Zusammenhang mit dem Geschäftsgebahren während des Zweiten Weltkriegs.
Nazigrößen hätten ihre aus geplündertem jüdischen Besitz zusammengerafften Vermögen bei Schweizer Banken ungestört anlegen können, heißt es. Gold, das Flüchtenden und Gefangenen geklaut worden war, sei in der Schweiz problemlos deponiert worden worden. Die Schweizer Nationalbank habe für die Nazis tonnenweise Gold gewaschen, das aus den Nationalbanken überrannter Staaten geplündert worden war.
Inwieweit die Schweizer Bankiers Vermögen schützten, die von Nazigrößen in die Schweiz geschafft worden waren, ist noch nicht einmal in Ansätzen untersucht worden.
Das Simon Wiesenthal-Zentrum in Los Angeles hatte Anfang des Jahres eine Liste mit den Namen von 334 Nazi-Größen und deren Ehepartnern an Regierungen in aller Welt verschickt, um eine systematische Suche nach solchen Konten zu erleichtern.
Na ? Wem gehörts ?

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