Ins wilde Kurdistan …
… will die Türkei. Der türkische Regierungschef Tayyip Erdogan hat eine deutliche Botschaft an die USA übermittelt. Sie lautet: “Steht uns nicht im Wege”.
Recht hat er, der Herr Erdogan. Die USA haben sich auch nicht, weder durch Vernunft noch durch gute Worte, von ihrem Irak-Abenteuer abhalten lassen. Die “Einzige Supermacht der Welt” erlebt nun ein Debakel nach dem anderen und die “unbesiegbare US-Armee” lernt gerade das “besiegt werden”. Eine Erfahrung die nach Vietnam fast vergessen war. Da ist man in Washington froh über jede Region im Irak in der es nicht brodelt.
Im “Sunnitischen Dreieck” hat die US-Armee längst die Initiative an die “Aufständigen” verloren, kann nur noch reagieren. Im schiitischen Süden siehts nicht anders aus, obwohl hier überwiegend die britischen Verbündeten in der Defensive sind.
Einzig ruhig ist derzeit der kurdische Norden. Warum ?
Ähnlich den Stammesregionen in Afghanistan lässt man hier die “Warlords” und “Stammesfürsten” schalten und walten, nach eigenem Gutdünken. Hier wird die “ethnische Karte” stärker gespielt als die “religiöse”. Kein Wunder das die “Kurdistan-Frage” hier ganz oben auf der Agenda steht.
Betroffen von der “Kurdistan-Frage” ist nicht nur der Nord-Irak, betroffen sind auch Syrien, Iran und die Türkei, erstreckt sich doch das kurdische Siedlungsgebiet über die Landesgrenzen dieser Staaten hinweg.
Die Türkei gerät durch die Aktionen der PKK immer mehr in Zugzwang, da die “Aktivisten” der PKK vom vermeintlich sicheren Nord-Irak aus operieren. Wen wundert es das die Türkei gegen das Rückzugsgebiet der PKK nun militärisch vorgehen will, nachdem diplomatische Bemühungen, gerichtet an die “irakische Regierung”, wenig fruchten und die USA keinerlei Interesse zeigen sich mit ihren kurdischen “Verbündeten” wegen der PKK zu überwerfen.
Den USA dürften bereits die Schweißperlen auf der Stirn stehen, kommen der Bush-Administration die türkischen Pläne doch wenig entgegen, könnten diese doch ein kompliziertes Szenario aufbauen.
Die Türkei, langjähriger NATO-Partner und “Freund” der USA liegt an strategisch günstiger Stelle, auch wenn die Türkei den Bosporus und die Dardanellen nicht mehr gegen die bösen Sowjets verteidigen muss. In den Aufmarschplänen der USA, zum Irakkrieg von 2003, spielte die Türkei ebenfalls eine wichtige Rolle. Auch wenn Ankara nicht wie gewünscht agierte und die Pläne Washingtons durchkreuzte.
Dennoch, können die USA es sich leisten den “Bündnisverpflichtungen” gegenüber ihren “kurdischen Verbündeten” im Nord-Irak nachzukommen und sie gegen die (einmarschierenden) Türken schützen ? Können die USA es sich leisten ihre “kurdischen Verbündete” militärisch gegen die Türkei zu unterstützen ?
Können die USA es sich leisten die “kurdischen Verbündeten” nicht vor den Türken zu schützen, sich militärisch passiv verhalten weil man dem NATO-Partner Türkei nicht brüskieren will ?
Können die USA es sich leisten militärisch gegen türkische Truppen im Nord-Irak vorzugehen um die Kurden zu schützen ?
Das türkische Militär ist nicht zu unterschätzen, weder in Fragen der Ausrüstung noch der Führung. Kampfkraft haben die Türken immer wieder bewiesen, das wissen auch die Kurden.
Kämpfe im Nord-Irak, egal “wer gegen wen”, dürften den “Aufständischen” im restlichen Irak gelegen kommen, bänden sie doch amerikanische Truppen, amerikanische Aufmerksamkeit oder sogar beides. Ein weiteres Krisenzentrum mehr, mit dem die Amerikaner fertig werden müssten.
Am türkischen Willen gegen die Kurden vorzugehen sollte nicht gezweifelt werden (Quelle).
Erdogan spricht:
“Die USA können uns empfehlen, dass wir diese Operation nicht durchführen. Aber wir haben selber beschlossen, was zu tun ist. Wir werden die erforderlichen Schritte unternehmen, die für die Bekämpfung des internationalen Terrorismus in unseren Gesetzen und vom Völkerrecht vorgesehen sind.”
Was hat dieses Problem mit Russland zu tun ? Ganz einfach … mich interessiert brennend wie sich Russland an amerikanischer Stelle verhalten würde, mal abgesehen von der Tatsache, dass Russland das “Irak-Abenteuer” nicht veranstaltet hätte. Die Lehren aus dem sowjetischen Afghanistankrieg wurden gelernt.

Und ich begreife nicht wieso die Bush-Regierung (Administration ist nicht Administration) offensichtlich Seppuku begehen will und sich nicht nur standhaft weigert mit dem Iran zusammenzuarbeiten (ohne dessen Hilfe weder das Irak- noch das Kurdenproblem zu lösen ist) sondern offen aggressiv gegen ihn agitiert.
Nicht nur dass man nicht versucht die Brände zu löschen man gießt immer weiter Öl ins Feuer. Wem soll das nützen? Das ist doch in diesem Falle keine gescheite römische oder britische “Teile und Herrsche Strategie” Das ist schlicht Wahnsinn.
Oder ich bin zu naiv für solch geopolitischen Entscheidungen.
Die Zeit wirds zeigen.
Pax