Achtung: Einleitend weise ich ausdrücklich darauf hin, dass es sich bei der Formulierung dieses Artikels nicht um die Veröffentlichung eines Vorwurfes oder um eine Behauptung handelt, es handelt sich vielmehr ausdrücklich um eine Frage. Eine Frage die ich an die Gemeinschaft der deutschsprachigen Blogger richte, mit der Bitte und der Aufforderung eigene Recherchen anzustellen. Recherchen die, unter Umständen, zu einem ernüchternden Ergebnis führen könnten … oder aber zur Beantwortung der gestellten Frage im negativen Sinne.
Was ist Krusensterns “Kleines Weblog-Handbuch” ?
Am 10. April des abgelaufenen Jahres erschien auf dem Krusenstern-Weblog der Artikel “Das kleine Weblog-Handbuch - ein Ratgeber für Blogger“. Jürg Vollmer schreibt dazu:
Ein Weblog ist die einfachste Sache der Welt: Ein paar Mausklicks – und schon kann man drauflos schreiben und die ganze Welt liest mit. Ähm, na ja… ganz so einfach ist es doch nicht. “Das kleine Weblog-Handbuch” hilft bei den ersten Schritten - und darüber hinaus auf dem Weg zum erfolgreichen Blogger.
Seit diesem Tage wurde der Artikel mehrfach aktualisiert, fand letztendlich als “Version 1.1″ sein vorerst wohl endgültiges Zuhause auf dem Blog.
Wie bekannt ist zwischenzeitlich “Das kleine Weblog-Handbuch” ?
Eine Suchanfrage bei Google, mit dem Suchbegriff ”Das kleine Weblog-Handbuch”, liefert 1.560 Treffer. Nicht nur Blogger haben das “Das kleine Weblog-Handbuch” aufgegriffen und positiv besprochen, auch in diversen anderen Medien fand das “Das kleine Weblog-Handbuch” große Resonnanz. In unzähligen Kommentaren auf dem Krusenstern-Weblog wird das Werk gepriesen, in der Blogosphäre wird Jürg Vollmer, seit dem Erscheinen seines Werkes, aus- und nachdrücklich gelobt. Zurecht ?
Die Überraschung ?
Am heutigen Morgen habe ich seit langer Zeit einmal wieder einen Streifzug durch die anglophone Blogosphäre unternommen. Neben Andy Young (”Siberian Light”) habe ich auch Sean Guillory mal wieder besucht, mir seinen Blog “Sean’s Russia Blog” mal genauer angesehen. Grund dafür war sein Wechsel von Blogger.com zu WordPress, keine Ahnung wann er diesen Schritt vollzogen hat, sowie das neue Layout und Design.
Mit dem neuen Design, Blue Zinfandel 2.0 von Brian Gardner, hat Sean jetzt ein ansprechendes 3-Spalten-Design, überaus übersichtlich. Dank dieser Übersichtlichkeit habe ich dann auch den Auslöser für diesen meinen Artikel gefunden.
Das Gegenstück zum “Kleinen Weblog-Handbuch” ?
In der äußerst rechten Spalte auf Seans Blog, dort wo sich auch Blogroll und Linkliste befinden, an der vorletzten Position und über dem Verweis auf den bisher abgewehrten Spam, fand ich ein Icon.

Das Icon ist verlinkt mit “Reporters without Borders”, einer Organisation die man wohl niemandem vorzustellen braucht, eine Organistaion die bestens bekannt sein dürfte, sei es unter diesem Namen oder unter “Reporter ohne Grenzen” oder unter “Reporters sans Frontieres”, dem französichen Namen.
Der Link hinter dem Icon verweist auf folgende Seite bei RSF.Org :
Handbook for Bloggers and Cyber-Dissidents
Das “Handbuch für Blogger und Cyber-Dissidenten” von RSF.Org erschien bereits im Jahre 2005, also — über den dicken Daumen gepeilt — zwei Jahre vor Krusensterns “Kleinem Weblog-Handbuch” und steht seit dem Erscheinungstag zum Download bereit.
RSF.Org bietet neben dem Download in zwei Versionen, ein 1,6 MB PDF-Dokument zum Lesen und eine 3,4 MB “druckerfreundliche” PDF-Version zum Ausdrucken, auch eine Erklärung zum “Handbook” an.
Do something good by creating your blog with us
Blogs get people excited. Or else they disturb and worry them. Some people distrust them. Others see them as the vanguard of a new information revolution. Because they allow and encourage ordinary people to speak up, they’re tremendous tools of freedom of expression. Bloggers are often the only real journalists in countries where the mainstream media is censored or under pressure. Only they provide independent news, at the risk of displeasing the government and sometimes courting arrest. Reporters Without Borders has produced this handbook to help them, with handy tips and technical advice on how to to remain anonymous and to get round censorship, by choosing the most suitable method for each situation. It also explains how to set up and make the most of a blog, to publicise it (getting it picked up efficiently by search-engines) and to establish its credibility through observing basic ethical and journalistic principles.
Was ist ein Plagiat ?
Es gibt sicherlich eine Vielzahl an Erklärungen für den Begriff “Plagiat”, ich bemühe daher die am einfachsten zugängliche Erklärung aus der Wikipedia: “Plagiat” .
Plagiat (von lat. plagium, „Menschenraub“ abgeleitet) ist die Vorlage fremden geistigen Eigentums bzw. eines fremden Werkes als eigenes oder Teil eines eigenen Werkes. Dieses kann sowohl eine exakte Kopie, eine Bearbeitung (Umstellung von Wörtern oder Sätzen), eine Nacherzählung (Strukturübernahme) oder eine Übersetzung sein. Manche Quellen klassifizieren auch erfundene Daten und unzureichend gekennzeichnete Zitate als Plagiate.
Interessant sind auch folgende Aussagen, abenfalls aus der Wikipedia:
Die freie Benutzung eines urheberrechtlich geschützten Werkes ist zulässig, um ein neues selbständiges Werk hervorzubringen. Das neue Werk muss aber selbst alle Voraussetzungen eines geistigen Werkes aufweisen und die schöpferische Leistung des benutzten Werks zu einem gewissen Maße verdrängen.
und
In der Wissenschaft wird – anders als in der Literatur bereits die Paraphrasierung eines Textes oder die nicht gekennzeichnete Übernahme einer Argumentation ohne Quellenangabe als Plagiat verstanden. Man unterscheidet zwischen Totalplagiat, bei dem ein kompletter Text übernommen wird, und Teilplagiat, sowie zwischen dem Verbalplagiat, das Formulierungen exakt übernimmt, und dem schwieriger aufzudeckenden Ideenplagiat, das lediglich Gedanken übernimmt, ohne deren Urheber zu zitieren. Außerdem gibt es Sonderformen wie das Autoplagiat (Selbstplagiat), bei dem eigene Arbeiten mehrfach verwertet werden. Oft gibt man zu, den zugrundeliegenden Text zwar “irgendwann” gelesen, die Quelle dann aber vergessen zu haben - und versucht Plagiate so zu rechtfertigen.
Warum stelle ich die Frage: “Ist Krusensterns “Kleines Weblog-Handbuch” ein Plagiat ?”
Ich habe das “Handbuch für Blogger und Cyber-Dissidenten” von RSF.Org heruntergeladen und mit Jürg Vollmers “Das kleine Weblog-Handbuch - ein Ratgeber für Blogger” verglichen. Kurzum: Die Ähnlichkeit ist frappierend.
Das Werk von RSF.Org ist weitaus umfangreicher als Vollmers Werk, behandelt auch Fragen zur Ethik, gibt einen “regionalen Überblick” durch Stellungnahmen von Bloggern aus Deutschland, Bahrain, USA, Hong Kong, Iran und Nepal, gibt Hinweise und Ratschläge zur Thematik “Anonymes Bloggen” , “Der Sicherheit im E-Mail-Verkehr” und spricht in deutlichen Worten auch die Zensur an.
Aber … andere Schwerpunkte und Themen sind in ihrer Gliederung, ihrer Reihenfolge, ihrer Aufarbeitung, ihrem Inhalt … kurzum … in ihrem gänzlichen Erscheinungsbild dem “kleinen Weblog-Handbuch” zu ähnlich um die Frage “Plagiat oder nicht” gänzlich ignorieren oder von der Hand weisen zu können.
Stutzig macht mich auch der Abschnitt “Bloggers, the new heralds of free expression” aus dem Werk von RSF.Org. Er ist dem Artikel Vollmers “Machen Blogger Journalisten überflüssig” erstaunlich ähnlich, auch dieser erschien lange nach der Veröffentlichung des “Handbook” von RSF.Org. Auch die kürzlich bei Krusenstern erschienenen “10 Tipps für bessere Weblogbeiträge” finden sich, in ähnlicher Form, in dem “Handbook”.
Abschließende Bemerkung
Beide “Handbücher” in diesem Artikel vollumfänglich und ausführlich gegenüber zu stellen würde den Rahmen eines einzigen Artikels sprengen. Ich möchte hier auch nicht zu einer Vorverurteilung aufrufen, indem ich selektiv Beispiele aus beiden Werken anführe und vergleiche. Ich schließe mich Jürg Vollmer an, indem ich einen oftmals von ihm wiederholten Ausspruch aufgreife und Leser zur “Meinungsbildung” aufrufe.
Ich schließe daher diesen Artikel, indem ich zu dessen Anfang zurückkehre, und wiederhole, dass es sich bei der Formulierung dieses Artikels nicht um die Veröffentlichung eines Vorwurfes oder um eine Behauptung handelt, es handelt sich ausdrücklich um eine Frage.
Eine Frage die ich an die Gemeinschaft der deutschsprachigen Blogger richte, mit der Bitte und der Aufforderung eigene Recherchen anzustellen. Bildet euch eure Meinung und lasst sie mich wissen … die Kommentarsektion ist geöffnet.
Das letzte Wort gehört jetzt Wilhelm von Ockham und seinem berühmten Rasiermesser.
„Entia non sunt multiplicanda sine necessitate“
– „Entitäten dürfen nicht über das Notwendige hinaus vermehrt werden“ –
Von mehreren Theorien, die die gleichen Sachverhalte erklären, ist die einfachste allen anderen vorzuziehen. Und die einfachste Theorie, die bei der Beantwortung der von mir gestellten Frage entstehen könnte, könnte tatsächlich “Plagiat” lauten.