Oder doch nicht ? [Update]
Die Party geht anscheinend weiter, heute ist Московский корреспондент wieder online. Per Präsidialerlass begnadigt ?
Update: Russland - Aktuell weiß anscheinend mehr.
Der Verlag soll mitgeteilt haben:
Das Zeitungsprojekt werde „vorübergehend eingestellt“, weil es nicht rentabel sei und die fünf Mal pro Woche erscheinende Zeitung ihre Auflage von 30.000 Exemplaren auch nur zu 45 Prozent absetzen könne, so Artjom Artjomow, der Geschäftsleiter von Lebedews Medienholding. Auf den Konten der Zeitung seien noch 4 Mio. Rubel (ca. 108.000 Euro), was ausreiche, um mit den Mitarbeitern abzurechnen.
Allerdings scheint die Zeitung selbst nichts davon zu wissen:
„Ich leite derzeit den Zeitungsbetrieb“, erklärte der bisherige Vize Igor Dudinski am 21. April gegenüber Russland-Aktuell. „Ich gehe zu 80 Prozent davon aus, dass unsere Ausgabe morgen erscheint“, sagte Dudinski.
Einen kleinen Widerspruch gibt es im Artikel von Russland - Aktuell aber schon. Einleitend wird geschrieben
Am 11. April hatte die erst vor einem halben Jahr gegründete Zeitung mit einem Artikel international Furore gemacht …
und
Der Schließungsgrund sei rein wirtschaftlicher Natur, der Unterhalt des hochgradig defizitären Blattes hätte ihn (Anm.: dem Eigentümer Alexander Lebedew) fünf bis sechs Millionen Dollar im Jahr gekostet.
Entweder hat die Zeitung ihren Eigentümer bisher fünf bis sechs Millionen Dollar gekostet, oder aber zehn bis 12 Millionen, wenn man man vom heutigen Tage 6 Monate zurückrechnet und die Jahreswende berücksichtigt. Bezieht sich dann “im Jahr angefallene Kosten” auf jeweils, also jeweils in 2007 und 2008 ?
Interessant sind auch die im Artikel genannten Schuldzuweisungen. Alexander Lebedew dementiert eine Einflußnahme des Kremls, der Kreml auch, Lebedew beschuldigt aber die Moskauer Stadverwaltung “Mit Aufkäufen der Auflage, Verkaufsverboten und Anzeigenboykotts habe die Hauptstadtverwaltung den „Korrespondenten“ behindert, was Grund für dessen Unrentabilität gewesen sei.” Die Stadtverwaltung aber schießt zurück, es habe “einfach nur niemand diese Zeitung gekauft, weil sie auf Lügen aufgebaut war und die Moskauer das bestens durchschauen“.
Igor Jakowenko, der Generalsekretär des russischen Journalistenverbands, hat auch eine Meinung …
„Es ist schwer, sich einen anderen Grund für die Schließung der Zeitung vorzustellen.“ (Anm: Als die Einflußnahme “von oben”)
Laut Jakowenko habe Lebedew als Bankier schließlich die Risiken der Herausgabe einer solchen Zeitung gekannt und sie von Anfang an nicht als Mittel zur Gewinnerzielung betrachtet. Nach Jakowenkos Meinung habe man Lebedew einfach klar gemacht, dass er ja auch noch andere Business-Bereiche habe und sich doch besser nicht von seinen Bankgeschäften ablenken lassen sollte.
Auch sei klar, dass ein solches Zeitungsprojekt mindestens anderthalb bis zwei Jahre brauche, um finanziell in den grünen Bereich zu kommen, so der Chefredakteur des in der russischen Yellow Press etablierten „Moskowski Komsomolez“, Wladimir Sungorkin.
Das bisher einzige und allseits bestätigte “Opfer” der Aktion scheint demnach also Ex-Chefredakteur Grigori Nechoroschew zu sein. Spannend, das Ganze. Oder ?
