Ist Kasparow nun Kasparow, oder Kasparow ?
Diese Frage ließ sich heute in Moskau, vor Gericht, nicht abschließend klären. Wer für die bösen Flyer im Präsidentschaftswahlkampf 2008 verantwortlich ist auch nicht.
Garri Kasparow, der “nichteinverstandene Marschierer”, versuchte die kremlnahe Jugendorganisation “Наши” (”Die Unseren”) in Moskau auf 30 Millionen Rubel (1,28 Millionen Dollar / 805.000 Euro) zu verklagen. Man habe ihn auf den Flyern als “Verräter” und “Dieb” beschimpft. Obendrein habe man ihn als “Amerikaner” bezeichnet. Laut eigener Erklärung sei er aber kein “verräterischer amerikanischer Dieb” sondern ein “russischer Patriot”. Darum klagte er auf Ehrverletzung und Schadensersatz in genannter Höhe.
Als Beiweis, dass er kein Amerikaner sei, habe er eine “Bescheinigung der US-Behörden” vorgelegt die beweise, dass er nie US-Amerikanischer Staatsbürger gewesen sei. Ob die Amerikaner Kasparow auch einen “Persilschein” ausstellten, der ihn von jeglichem Vorwurf des Verrates und des Diebstahls reinwäscht, ist nicht bekannt.
Das Gericht wies mit folgender Urteilsbegründung (von heute) die Klage ab:
Kasparow habe nicht zweifelsfrei nachgewiesen, dass er tatsächlich der auf den Flyern bezogene Kasparow sei. Da die Flyer sich gegen “Kasparow den Amerikaner” richteten, der Kläger aber “Kasparow der Russe” sei, wäre nicht bewiesen, dass es sich bei den beiden Kasparows um ein-und-denselben Kasparow handele.
“Наши” streitet auch ab für die Flyer verantwortlich zu sein, die Gruppe wies alle Anschuldigungen zurück. Es gebe keine Beweise dafür, dass die Flyer von ihnen stammen. Zeugen hatten vor Gericht ausgesagt, dass “Наши”-Anhänger ihnen die Flugblätter gegeben hätten. Eine Journalistin sprach von einem Interview mit einem “Наши”-Jugendlichen, in dem dieser zugegeben habe, dass der Flyer von seiner Bewegung stamme.
Kasparow hat nun 10 Tage Zeit in Berufung zu gehen, und zu beweisen, dass Kasparow Kasparow und nicht Kasparow ist. Vielleicht hätte er seinen richtigen Namen (Weinstein) für den Wahlkampf hernehmen sollen, dann hätte es dieses Namenschaos nicht gegeben. Oder ?
