Blogger “Asolf” stolpert beim Spagat, quasi grenzüberschreitend. Zuhause in Potsdam, da gibt er den wackeren Antifaschisten, zuhause in Kiew, eher den verständigen ukrainischen Nationalisten. Schwer erkennbar ist nur, aus welchem der beiden Domizile er gerade schreibt - in welche Rolle er gerade schlüpft.
Asolf wäre nicht Asolf, würde er sich nicht ständig selbst überholen, sich selbst relativieren.
Am 22. April gibt er jedenfalls den Ukrainer, erregt sich über das Echo, aus einem deutschen Magazin, auf einen Artikel des ukrainischen Journalisten Andrej Kapustin. Aus diesem Artikel zitiert er dann auch, Asolf wäre aber nicht Asolf - würde er der Geschichte nicht seinen eigenen “Spin” verpassen.
Es beginnt damit, dass er zwar auf den Artikel verlinkt (wohl in der Hoffnung man würde die Quelle nicht lesen) jedoch den Titel des Artikels weder angibt, noch übersetzt.
“Раздень Гитлера, или барбифюрер в подарок” … sinngemäß … “Entkleide Hitler, oder der Barbieführer als Geschenk”.
Asolf macht promt den gleichen Fehler wie das deutsche Magazin, das er anprangert. Dies, obwohl er anscheinend ukrainisch und russisch spricht, obwohl Kapustins Artikel in beiden Sprachen online ist.
Der Grenzländer hat den Artikel wahrscheinlich nicht vollständig gelesen, zumindest nicht am 22. April. Wahrscheinlich ist er bei der Lektüre des ”deutschen Echo” auf die Thematik gestoßen, hat dann nach dem ukrainischen Original gesucht. Daher der Schnellschuss aus der Hüfte …
“Das steht so nicht geschrieben!” - echauffiert sich der Grenzländer.
Recht hat er, der Grenzländer, so steht es nicht geschrieben. So, wie er es am 22. April beschreibt und kommentiert, allerdings auch nicht.
Es geht um die Hitler-Puppe, welche der ukrainische Journalist Andrej Kapustin (passend zum 20.April) in einem Kaufhaus, in der Abteilung für “sinnlosen Nonsens” fand. Worüber er einen witzig-intelligenten Artikel schrieb.
Lassen wir beiseite, dass Kapustin nicht “sinnlosen Nonsens” schreibt - sondern vielmehr “sinnlose Kleinigkeiten” - nicht beiseite lassen sollten wir aber, dass Asolf eine offensichtlich fiktive Geschichte seinen Lesern als “die nackte Wahrheit” verkauft, wie einst “Krusenstern” einen Sketch aus “Nascha Russia” als tatsächliche Begebenheit im russischen Straßenverkehr verkaufen wollte.
Kapustin nimmt offensichtlich nicht einen real existierenden ”Barbieführer” zum Anlass seines Artikels, sondern den 20. April, den Geburtstag des “echten Führers”. Er nimmt Stellung zu Fragen der Fremdenfeindlicheit und des Rassismus. Der “Barbieführer” dient dem Transport der Gedanken, spielt keine real existierende Rolle.
Asolf versäumt seine Leser auf den Sachverhalt hinzuweisen, dass Kapustin seinen Artikel mit einem Zitat aus Julian Semjonowitsch Semjonows “17 Augenblicke des Frühlings” beginnt, einem Roman aus einem ganzen Zyklus von Romanen über den fiktiven sowjetischen Spion Maxim Isajew, der als SS-Standartenführer Max Otto von Stierlitz im Europa zur Zeit des Zweiten Weltkriegs agierte. Ein klarer Hinweis auf die nun folgende fiktionale Geschichte mit dem “Barbieführer”.
Also nimmt die fiktive Geschichte ihren Lauf, in einem stereotypischen aber fiktiven Kaufhaus, als “Verkaufsgespräch” zwischen einer fiktiven Verkäuferin und einem ebenso fiktiven Kunden, in dessen Rolle Kapustin nun schlüpft.
“Hitler ist nicht teuer. Nur 1.200 Griwna. - Aber das ist noch nicht alles: Zu Hitler gehört auch noch ein austauschbarer Kopf mit einem etwas gutmütigeren Gesichtsausdruck, Wechselkleidung, diverse Orden und eine Sonnenbrille…”
Kapustin spinnt den Gedanken weiter … ebenso fiktiv. Er treibt die Gedanken um den “Barbieführer” bewusst auf die Spitze, einiges davon übernimmt der Grenzländer, vieles aber nicht.
Aber er schlussfolgert …
Um es klar zu sagen: Hitler-Puppen sind Scheiße. Sicher ist dies die Reportage über die Entgleisung eines profitgierigen Händlers, der - das unterstelle ich, weil ich die dortige Mentalität zu kennen glaube - Schock als Werbung zu instrumentalisieren versucht. Hauptsache über seinen Laden wird diskutiert, das schafft Kundschaft (…und gehört bestraft!) [...] Empört zu sein, ist viel zu profan.
Am 23. April, also einen Tag später, kommen dem Grenzländer Zweifel. Möglich ist, dass diese Zweifel ihm selbst kommen, vermutlich hat ihn aber jemand mit der Nase drauf gestoßen. Anscheinend kennt er “die dortige Mentalität” doch nicht so genau. Er schreibt
Ist die Geschichte von der ukrainischen Hitler-Puppe überhaupt wahr ? [...] Mit ein bisschen Nachdenken kommen die ersten Zweifel [...] Wenn man nun noch ein bisschen nachdenkt, würde man sicher auch noch andere Gründe die für ein Story-Fake sprechen. Aber ist es nicht komisch: In der Ukraine wird eine Hitler-Puppe erfunden… [...]
In sechs Punkten führt er nun an, warum er plötzlich gänzlich anderer Meinung ist als noch am Tage zuvor.
- Die Ortsangabe der Entdeckung der Puppe ist zu nebulös.
- Es fehlt das Foto von der Verkäuferin und der Puppe.
- Es fehlen die Anschlussberichte.
- Der unwahrscheinliche Zufall.
- Die Plazierung innerhalb der Zeitung
- Das Nicht-Aufgreifen der Geschichte von anderen ukrainischen Zeitungen.
Alle Punkte führt er näher aus, setzt sich damit aber nur noch tiefer in die Nesseln. Denn jetzt, oh Wunder, gestattet er einen Kommentar … eine junge Dame schreibt ihm … “Jetzt übertreibst du aber” … und nimmt die “6 Punkte” aufs Korn. Schön schreibt sie zu Punkt 6 …
Ukrainer können mit dem Thema Hitler humorvoll umgehen, Deutsche können es nicht. Deshalb ist es keine Sensation, deshalb greift keine andere Zeitung das Thema auf, deshalb wird es nicht zum Skandal. Das wäre in Deutschland natürlich ganz anders, aber du begibst dich selber grad auf das Niveau, das du am deutschen Journalismus kritisierst.
Asolf schmollt … es folgen detaillierte Antworten … Punkt 1a … 1b … 1c … 2 … 3 … 4 … 5 … 6.
In guter Erbsenzählermanier, … “15 Jahre Kiew” … “nie eine Hitlerpuppe gesehen” … ” “Mein Kampf” in den Skat gedrückt - weil dies einen deutschen Leser nur verwirrt hätte” … “es wird zuviel der Worte” … ” “Im Prinzip “ja, einverstanden” ” … “Meine liebenswerte Gattin hat es mir ebenfalls erklärt” … “Ja, aber” … “Soll man übersetzen wie es geschrieben steht, oder besser so, wie es im zu übersetzenden Text gemeint sein könnte?” … “Ich vernachlässige nun” …
… und abschließend die asolfsche Rechtfertigung für alles … wie seinerzeit Mielke mit seinem Satz “Ich liebe doch, aber ich liebe doch alle … alle Menschen … aber ich liebe Euch doch alle !” …
Ansonsten ist es nur laut gedacht, und hinter der Überschrift steht ein Fragzeichen.
Tja … die vielen Fragezeichen … zwei kann ich zumindest auflösen …
Warum heißt dieser Artikel “Na bitte … es geht doch !” und warum wurde er geschrieben ? Letzteres zuerst. Geschrieben wurde er, da die nette Geschichte, die er erzählt, in guter asolfscher Manier, bei ihm bald verschwunden sein wird, der Nachwelt aber erhalten bleiben sollte.
“Na bitte … es geht doch !” heißt er, weil er mit einem Gegenbeweis für die These endet welche die junge Dame dem Asolf ins Gedankenjournal schrieb … “Ukrainer können mit dem Thema Hitler humorvoll umgehen, Deutsche können es nicht”.
Sie können es doch !

10 Kommentare
24 04 08 um 17:31
Ja, eben ein echter Asolf…vielleicht werden in Kiev ja auch bald Asolf-Puppen verkauft, in welchen Abteilungen auch immer..die Story mit der Hitler-Puppe ist bei ihm aber noch nicht beendet, da kommt garantiert noch was nach!
24 04 08 um 17:53
..die Story mit der Hitler-Puppe ist bei ihm aber noch nicht beendet, da kommt garantiert noch was nach!
…… delete
24 04 08 um 18:14
Jürgen wird schon richtig liegen …
Ich sehe ihn in Potsdam (oder Kiew) sitzen, der Finger kreist über dem “Delete-Knopf” … soll ich ? … soll ich nicht ?
Und er überlegt sich ob er wieder Drogen- oder Alkoholkonsum unterstellen soll. Oder Grüße an “die Pfleger” ausrichten soll.
24 04 08 um 18:23
Der Admiral hat allerdings auch recht … Asölfchen hat meinen Artikel kopiert und in seinem Blog, als vermeintlichen “Kommentar” meinerseits, veröffentlicht. (Nachtrag: Und beantwortet ihn, sichtlich verwirrt, auch gleich.)
Er fälscht also auch Kommentare … ts ts ts …
24 04 08 um 19:29
ROFL
Heribert, jetzt lach ich mir nen Ast……… . Wie kannst denn den Asolf nichtstalken…… .
asolf wird halt gerne wahrgenommen…
Der eine erfindet sich Leser, ein anderer Informanten. Asolf steht halt auf Stalker. Dadurch lässt sich die asolfsche Tiefsinnigkeit doch viel besser unterstreichen….
Gruß Jürgen
24 04 08 um 19:30
Unser Asolf…er fühlt sich nun auch noch von Stalkern verfolgt…aber mal ehrlich:
Ohne ihn und sein “Grenzland” würde uns allen doch irgendetwas fehlen:
“Die Kiewer Metro wird weiter ausgebaut
Bis zum Jahr 2012 werden drei Stationen eröffnet.
Die Tiefe der Linie wird 20 bis 30 Meter betragen, die Breite wird zwischen 6 und 14 Meter liegen und die neu gebaute Streckenlänge wird 3,8 Kilometer lang sein.”
Go On Asolf-Das ist einfach definitiv Spitze!!
24 04 08 um 20:03
Jep, asolf ist in die Lücke gesprungen die der Krusenzwerg gerissen hat………. .
Gruß Jürgen
24 04 08 um 21:59
A propos “Lücke reißen” … seit einer knappen 3/4 Stunde will ich schon beim grenzgestalkten Asolf ‘reinsehen … aber bekomme nur eine Fehlermeldung.
Besichtigt er gerade die Metro in Kiew, hat er aus Versehen ein Kabel durchgebissen, oder ist er nur seinem “Barbieführer” beim Umkleiden behilflich (РОФЛ) ?
PS: Aus Zürich erreicht mich gerade folgende Eilmeldung … da kniet einer vor der Ikone der “Heiligen Mutter Gottes zu Odessa” und betet … “Heilger Sankt Floriaaan, verschon mein Blögli, zünd’s Grenzland aaan”. Aber ob’s hilft ? Das Blögli ist ja jetzt ein “Internet Magazin”
25 04 08 um 09:40
Besichtigt er gerade die Metro in Kiew, hat er aus Versehen ein Kabel durchgebissen, oder ist er nur seinem “Barbieführer” beim Umkleiden behilflich (РОФЛ) ?
Ach, bei den Stichwörtern “besichtigt” und “Barbieführer” fällt mir doch noch etwas zum Barbiethema ein
:
http://de.youtube.com/watch?v=TumRIbEoJ54
Gruß Jürgen
25 04 08 um 10:57
Jürgen, danke für den Link. Ich habe den Film auch schon mal gesehen. Das Schlimmste was man einer Ideologie antun kann, ist sie lächerlich zu machen. Das hat schon Charly Chaplin getan, umso mehr Leute diesem Beispiel folgen, umso besser. In Deutschland geht man noch viel zu verkniffen mit der Thematik um … es wird Zeit die Sache lockerer anzugehen, ohne dabei aber den traurigen Hintergrund zu vernachlässigen.
In Sankt Petersburg gibt es eine Bar, dort servieren junge Damen in Netzstrümpfen und Strapsen die Drinks. Ihre Gesichter sind dabei hinter fratzenhaften “Adolfmasken” verborgen, auf de Kopf tragen sie eine Schirmmütze à la Adolf.
Die Message ist eindeutig, der “Проституткафюрер” kellnert, serviert halbnackt Drinks, lächerlicher kann man ihn garnicht machen.
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