Российская Федерация

06 05 08

Das “Vereinigte Königreich” für Anfänger

Gespeichert unter: Die Blogosphäre, Groß Britannien, Literaturtipp, Russland — Heribert Schindler @ 18:09

UK для Начинающих - das Vereinigte Königreich für Anfänger - heißt ein Buch, welches bereits seit Monaten den Inselbewohnern die Zornesröte ins Gesicht treibt.

Olga Freer hat ihre Sicht auf das “Vereinigte Königreich”  veröffentlicht - und die Insel tobt. Und mit ihr auch die englischsprachige Blogosphäre. Wen wundert es ? Na ? Keinen.

Da hat es doch tatsächlich eine Russin gewagt ein Buch zu schreiben, in dem die Insel der Briten, nebst ihren Bewohnern, wenig schmeichelhaft portraitiert wird. Olga Freer, die seit ihren frühen Jugendjahren ein erklärter Fan der Briten und ihrer Insel war, die in Moskau Englisch studierte und mit 18 Jahren eigentlich nur nach London zog um ihren Akzent zu verbessern, gibt den Angelsachsen nun eine große Dosis ihrer eigenen Medizin zu schlucken. Sie schmeckt ihnen aber nicht.

Binnen kürzester Zeit hat sich “UK для Начинающих”,  so schreibt die The St. Petersburg Times, zu einem Bestseller in Russland entwickelt.

Olga Freer, heute 23 Jahre alt und britische Staatsbürgerin, Mutter eines kleinen Sohnes und Ex-Frau eines Briten, baut ihr Buch in Form einer autobiographischen Novelle auf. Nein, so sagt sie, trotz des Titels sei es kein Reiseführer sondern vielmehr eine Schilderung ihres täglichen Lebens auf der Insel.

Entstanden sei es aus der Zusammenfassung von eMails an Freunde und Familie, der Niederschrift der Erfahrungen und Eindrücke  - ständig wachsend - Monat für Monat entstand so ein neues Kapitel.

Freer studierte zuerst Englisch, jobbte dann als Verkäuferin und Kellnerin, studiert heute Jura an der University of Westminster. Ihre Erzählungen drehen sich um Erlebnisse beim Einkaufen, jedoch nicht ausschließlich.

Sie berichtet vom Kauf eines Druckers, den man ihr im Preis reduziert überließ weil ein Kabel fehlte, ohne ihr aber zu sagen, dass das Ersatzkabel sie ein kleines Vermögen kosten würde. Sie berichtet über ihr Erstaunen, während eines morgendlichen Einkaufsbummels alle Geschäfte geschlossen zu finden, da in London die Geschäfte erst mittags öffnen.

Sie ärgert sich über die zu kleinen Waggons der Londoner U-Bahn, die kein Vergleich zur Moskauer Metro sei, beschreibt die Insulaner als gierig, schmuddlig und unfreundlich. Ihre britischen Geschlechtsgenossinnen watscht sie besonders gerne ab. Sie seien, in der überwiegenden Mehrheit, rotgesichtig, “breitärschig” und fett, wüssten sich nicht angemessen zu kleiden und schämten sich auch nicht mit ihren ausladenden Hinterteilen - bevorzugt in Miniröcke gezwängt - in Londoner Diskos “herum zu wedeln”. Es fiele ihr schwer mit Insulanerinnen Freundschaft zu schließen.

Die Männerwelt bekommt auch Dresche. Es gäbe keinen Zeitpunkt und keinen Ort, an denen sich die Insulaner nicht permanent am Hintern kratzen würden. Ebenso gäbe es keinen Zeitpunkt oder Ort, den ein Insulaner nicht zum Pinkeln mißbrauchen würde.

Alles in Allem, sie zeichnet ein wenig schmeichelhaftes Bild derjenigen, die sich so gerne als Krönung der Schöpfung und Stolz des Empires präsentieren.

Besonders Kleinigkeiten fallen Olga auf, so z.B. die Angewohnheit der Insulaner überall die Preisschilder zu belassen, auch an den Sohlen ihrer Schuhe. Insulaner liefen bevorzugt in ungebügelten Klamotten herum, hätten kein Herz und keine Seele, würden ihren Freunden Pfundnoten - per Post - zum Geburtstag überreichen und hätten wenig, bis keinen, Familiensinn. Die generelle Bildung sei mangelhaft, die Gesundheitsversorgung schlecht, die zahlreichen Museen in London überfüllt … mit chinesischen Touristen. Die Insel hätte eine reiche Kultur zu bieten - importiert aus den Kolonien - die aber weitestgehend an den Insulanern vorbei gehe. Man interessiere sich ausschließlich für Fußball, sei aber auch darin grottenschlecht.

Hätte ein Insulaner die Wahl, zwischen Ausbildung und Beruf auf der einen und Faulenzen und amtlicher Arbeitslosenunterstützung auf der anderen Seite, er würde sich stets für “Faulheit und Stütze” entscheiden. Bei ihren Schwiegereltern seien ständig irgendwelche Leute, mit Bierdosen in der Hand, ein- und ausgegangen, jeder drittklassige Einwanderer würde mehr aus seinem Leben machen als die “erstklassigen Insulaner”. Einzig positiv an der Insel sei das üppige Frühstück - mit gebratenen Eiern, Speck, Würstchen und Porridge. Wenigstens etwas.

Klatsch, da haben sie es, die Insulaner. Als das Buch erstmalig in der britischen Presse besprochen wurde, obwohl es bisher nur in der russischen Ausgabe vorliegt, kochte der Volkszorn hoch.

“Hau’ doch ab” … “Geh’ zurück nach Russland” … “Wir haben jedenfalls Redefreiheit,  freie und faire Wahlen” …  ”Gib’ Deinen britischen Pass zurück, Du Schlampe” … “Geh’ heim, stelle Dich in die Schlange und steh’ nach Brot an” … lauten die höflicheren Kommentare.

Man mag über Olga Freers Buch denken wie man will, man mag es mögen oder hassen, man kommt jedoch nicht umhin zu bemerken, dass die tagtäglichen Erzeugnisse der (überwiegend) englischsprachigen Blogosphäre - über Russland -  von genau dem selben Kaliber sind wie Freers Verallgemeinerungen und überzogenen Darstellungen der “Insel”  - und der sie bewohnenden ”Insulaner”.

Der kleine aber feine Unterschied liegt in dem nicht ganz unwichtigen Detail, dass Olga Freer über die Insel schreibt auf der sie seit nunmehr 4 Jahren lebt. Sie spricht auch die Sprache der “Insulaner”. Von den “Russlandkritikern” der Blogosphäre können nur die Wenigsten behaupten die Sprache ihrer “Zielgruppe” zu sprechen … und die Wenigsten habe jemals länger in Russland gelebt. Aber wenn zwei das Selbe tun, dann ist es noch lange nicht das Gleiche.

By George, it’s shocking, isn’t it ?

Iwans Krieg

Gespeichert unter: Literaturtipp — Heribert Schindler @ 13:45

Amazon.de

  • Catherine Merridale (Autor)
  • Gebundene Ausgabe: 500 Seiten
  • Verlag: Fischer (S.), Frankfurt; Auflage: 2., Aufl. (Oktober 2006)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3100484509
  • ISBN-13: 978-3100484505
  • Es nähert sich der 9. Mai, der Tag des Sieges (День Победы) der Sowjetunion über das faschistische Deutschland im Großen Vaterländischen Krieg von 1941-45. Dieser Tag wurde im Jahre 1965 ein gesetzlicher Feiertag der Sowjetunion, der bis heute von einigen ihrer Nachfolgestaaten, wie Russland, beibehalten wurde.

     

    Bisher war wenig bekannt über das Leben des gewöhnlichen russischen Soldaten. Catherine Merridale ist es gelungen, mittels Briefen, Tagebüchern, Polizeiakten und zahlreichen Interviews aus der anonymen Masse der Rotarmisten das unvorstellbar harte Leben der einzelnen Soldaten sichtbar zu machen. So wie es durch keine Siegesfeier vermittelt werden kann. Absolut lesenswert.

    Willkommen in Abchasien !

    Gespeichert unter: Humor — Heribert Schindler @ 12:58

    Reuters

    “Zürich, Ihre nächsten Anschlüsse …” Der Podcast ist in Abchasien eingetroffen.

    Credits: Herzlichen Dank den Friedenstruppen der Russischen Föderation für die reibungslose Abwicklung der Einreiseformalitäten, der Russisch-Baltischen Waggonfabrik RBWS * Русско-Балтийский вагонный завод РБВЗ  für den Know-how-Transfer bei der Herstellung des Gefährtes, den abchasischen Tontechnikern für den fehlenden Sound, Reuters für das Photo  – und dem Maulesel Wolodja für seine Geduld.

    Gibst Du mir, gebe ich Dir …

    Gespeichert unter: Polen, USA — Heribert Schindler @ 11:52

    MOSKAU, 06. Mai (RIA Novosti). US-Vertreter kommen am Dienstag nach Warschau mit einem offiziellen Vorschlag zur Modernisierung der polnischen Armee im Austausch gegen die Stationierung einer Raketenabwehrbasis in Polen. [...] Laut polnischen Massenmedien stelle die zuvor von den USA bekannt gegebene Summe der Finanzhilfe für Modernisierung der polnischen Armee in Höhe von 20 Millionen Dollar Polen nicht zufrieden. Aber es sei zu weiteren Verhandlungen bereit.

    Hmmm … ich dachte immer, es ginge bei dem “Raketenschild” um den Schutz der “freien Welt” vor den bösen Iranern und Nord-Koreanern.

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