Das große Geheimnis der Blogosphäre …
… ist gelüftet, ihr müsst es nur noch entschlüsseln
Teile :1 - Zeichen: 348
QWER - TZUI
RFWB ATFO ZVDJ HOUP YCHX
KMLN TXBX NCEB SALN QUMV
DUBU DUSZ QTMD XKDC JASG
TABM MZJZ GNID BVPP BXLX
JEMY CJQG EGKV MXHF OZPF
XISV VTPY SAAC YKYE SDLH
NAXN GKPP VZRC VXNX JEHH
IVKO CAXA JJXI RINE LQGI
ORCZ PEQH TEZT KNAC OQZF
VGVC AAAF IFZV OTQE WVIO
HLSI MIRD VTQO TGIH AMDO
KXDI UKGO TIFC WSIA BPKU
TVFQ WMNM YMRY GMAM MHTO
HKDD XESD JWWV QEDK QPYH
MRAF DGWT UGRX JUTY BYIO
WFKP PYYT XVEV GXFO ADUT
LBTE AHXH UGBE VNVF ZXHV
GUAV AIMP
Kleine Tipps gebe ich gerne, mal sehen wer es schafft. ![]()
Wo liegt eigentlich Panama ?
Als ich letztens einen Blick auf die Weltkarte warf, da lag Panama noch in Zentralamerika – grenzte im Westen an Costa Rica, im Osten an Kolumbien, im Norden an die Karibische See und im Süden an den Pazifischen Ozean.
Jedenfalls war Panama keine Insel - lag nicht 1000 Km südwestlich von Lissabon und 700 Km westlich der marokkanischen Küste im Atlantik – und versteckte sich nicht hinter dem Tarnnamen „Madeira“.
Panama war auch kein Teil der USA, lag nicht im Bundesstaat Utah, und auf seinem Territorium fand sich weder eine Stadt namens Orem, noch eine namens Funchal.
Ich wage auch die Aussage, dass ich – sollte ich auf den Gedanken kommen die Telefonnummer 1-902-749-5331 anzuwählen – bei einem Teilnehmer in Yarmouth / Nova Scotia – Kanada landen würde, nicht bei einem Anschluss in Panama. Denn für Panama müsste ich die Länderkennung +507 vorwählen, nicht +1 (für USA und Kanada) und auch nicht +351 291 (für Madeira).
Ferner wage ich die Aussage, dass Briefe an die Adressen
1215 N. Research Way Q-3500
84097 Orem UT – USA
und
Avenida do Infante 50
Funchal, Madeira 9004-521
keinen Empfänger in Panama erreichen würden. Jedenfalls nicht auf dem direkten Postweg.
Und, last but not least, käme ich auf den Gedanken dem Server mit der IP-Adresse 68.89.31.248 einen „Ping“ zu senden, dann bekäme ich eine Rückmeldung, die lautet:
Server Type: Apache/2.2.9 (Unix) mod_ssl/2.2.9 OpenSSL/0.9.8g DAV/2 mod_auth_passthrough/2.1 mod_bwlimited/1.4 FrontPage/5.0.2.2635
IP-Location: USA
Website Status: Active
Domain: http://exiledonline.com/
Jetzt nehmen wir einmal an, nur für einen Moment, dass ich dem Link zu der Website folgen würde – wen würde ich dort lesen können ? Wer schreibt so unverkennbar stilsicher und eloquent …
Wir haben unsere Server [sic!] aus Russland an einen sicheren Standort verlegt, der angemessener ist. Was in unserem Fall bedeutet, dass wir unsere Operationen [sic!] nach Panama verlegt haben.
Ja, Panama. Nur weil wir den Klang [des Namens] mögen. Fakt ist, Russland macht keinen Spaß mehr. Wir sind von dem überteuerten, qualitativ niedrigen Nonsens – der jeden Aspekt dieses mit Birken verseuchten Sumpf beherrscht – gelangweilt. Wir sind an einen irgendwie netteren Ort umgezogen, an dem wir unsere schlammbefleckten Anoraks und Stiefel gegen locker sitzende, kurzärmlige Hawaiihemden eintauschen können und wir uns nicht länger an die Einheimischen, über ihren Bauernrauschgift-Alkohol, binden müssen. Jetzt können wir uns an Pedro und Manuel binden, über ihr sauberes, reines und weißes Kokain – einer weit überlegeneren und nobeleren Substanz.
Genau, ich würde dort unseren alten Freund Mark Ames finden, der uns wieder einmal gehörig verarschen will.
Ok, lieber Mark, ich tue jetzt mal so, als würde ich meine Hose mit der Kneifzange anziehen, und glaube Dir, dass Deine neue Webseite „ExiledOnline“ auf einem Server in Panama beheimatet ist. Du glaubst mir sicherlich auch, dass ich diesen Artikel auf einem Computer geschrieben habe, der im Kommandoraum einer geheimen Ubootbasis in der Antarktis steht. Und das unheimliche Geräusch, das Du vernehmen könntest – würdest Du neben mir stehen – von einer Herz-Lungen-Maschine verursacht wird, die seit Mai 1945 versucht Adolf Hitler für die Nachwelt und das Auferstehen des 3. Reiches zu erhalten.
Spaß beiseite, Ernst komm her. Was ich Dir glaube, ohne „wenn“ und „aber“, ist dass Du tatsächlich wieder Deine Nase mit dieser „weit überlegenen und noblen Substanz“ gepudert hast. Und wie andere uns an einen Schneesturm auf der Krim glauben lassen wollen, da willst Du uns eben an einen Server in Panama glauben lassen – auch wenn dieser tatsächlich in den USA steht, der „administrative Kontakt“ über eine Telefonnummer in Nova Scotia abgewickelt wird und Deine neue Domain bei „Domain Discreet“ in Funchal / Madeira registriert ist.
Es “schneit” halt nicht nur in Moskau, sondern auch an allen anderen Orten an denen Du Dich aufhältst … und sei es auch in der Sahara. Oh Mark, wärst Du doch nur beim Wodka geblieben.
Da war doch noch was …
… genau.
Man nehme eine erfolglose und bankrotte Zeitung, konstruiere eine Mantel-und-Degen-Geschichte , inszeniere eine Bilderbuchflucht ins Ausland und bringe sich damit ins Gerede. Dann starte man einen zwielichtigen Spendenaufruf (na, ob der wohl echt war ?) und kehre publikumswirksam mit einem Internet-Spin-Off aus dem Reich der Toten zurück.
Was bringts ? Eine Menge Publicity bestimmt - aber viel Geld bestimmt nicht. Daher stinkt durch diese Rettungsmeldung die Sache nur noch mehr zum Himmel.
Aber ok … vielleicht sollten wir so einen Stunt auch mal probieren. Wer macht mit ?
Von einem der auszog die Welt zu verarschen
Seit etwas weniger als 3 Wochen geht eine Story durch den Blätterwald und findet im Internet Resonanz.
Namhafte, international gelesene Zeitungen und Nachrichtenagenturen haben die Story aufgegriffen und verbreitet, darunter die englischsprachigen Blätter The Moscow Times und The St.-Petersburg Times in Russland, aber auch The London Telegraph, The International Herald Tribune und das Wall Street Journal. In den USA waren es UI, Reuters und Fox News. In Deutschland war es Der Spiegel.
Seit sie am 09. Juni 2008 erstmals veröffentlicht wurde, hat sich an ihrem Inhalt nichts verändert. Egal wer sie aufgriff, verarbeitete, verbreitete oder kommentierte – alle blieben beim gleichen Tenor. Dieser lautet:
Eine russische Behörde fühlt sich durch eine krude und nicht sonderlich gut gemachte, von der Auflagenzahl her unbedeutende und 14-tägig erscheinende englischsprachige „Zeitung“ genötigt ein „ungeplantes Audit“ durchzuführen um damit den Ruin herbeizuführen.
Alle Berichte gleichen sich im Vorwurf, das Einschreiten der Behörde hätte Investoren, Geldgeber und Werbekunden eingeschüchtert und vertrieben, damit der Zeitung den finanziellen Boden unter den Füßen weggezogen und damit den Kollaps der Zeitung herbeigeführt.
Nur zwei der Berichte stellen die These auf, dass die Zeitung unter einen fingierten Extremismusverdacht gekommen sei, weil ein unliebsamer Kolumnist dort seine politischen und gesellschaftlichen Ansichten habe äußern dürfen. Diese Ansichten seien jedoch gegen die in Russland vorherrschende politische Meinung der Mächtigen, daher habe man die Zeitung vernichtet - um die Meinung des Kolumnisten und damit auch die Meinungsfreiheit der Zeitung zu unterdrücken.
Man verstoße damit gegen das allgemein gültige und anerkannte Grundrecht der Meinungsfreiheit, wie es in wahren und aufrechten Demokratien praktiziert und gewürdigt würde.
Diese beiden Berichte stammen aus der Feder des Inhabers der Zeitung, bzw. der seines Kolumnisten, das „E-Wort“ (Extremismus) wird nur von diesen verwendet - die Behauptung, die Zeitung stünde unter „Extremismusverdacht“, wird von keiner anderen Partei aufgestellt.
Die Entscheidung der anderen Medien, die Extremismusthese nicht aufzugreifen, ist vernünftig, da sich – trotz intensiver Recherche – keinerseits Beweise für sie finden lassen.
Viele Betrachter, so auch ich, reiben sich an folgenden Tatsachen.
Die prüfende Behörde hat zwischenzeitlich das Ergebnis des Audits veröffentlicht. Im Ergebnisprotokoll taucht das Wort „Extremismus“ in keiner Zeile auf, weder als „Verdacht“ noch als „Anschuldigung“. Festgestellt wurden lediglich marginale Verstöße gegen das Mediengesetz, wie z.B. die fehlende Angabe der Lizenznummer und falsche Adressangaben im Impressum, die zu einer Geldbuße von 500 Rubel (22 USD / 13,60 Euro) führten.
Keiner dieser Verstöße hätte zu einer schwerwiegenden staatlichen Sanktion gegen die Zeitung führen können, selbst im Wiederholungsfall nicht.
Selbst wenn sich ein „Extremismusverdacht“ ergeben hätte, oder ein solcher konstruiert worden wäre, hätte auch dieser keineswegs zur sofortigen Schließung der Zeitung führen können. Gemäß dem geltenden Mediengesetz wäre auch in diesem Falle zuerst ein Bußgeld erhoben worden, der dokumentierte Vorwurf hätte an ein zuständiges Gericht übermittelt und dort verhandelt werden müssen. Aber nichts dergleichen ist passiert.
Ein weiterer Reibungspunkt ist das „ungeplante Audit“ selbst. Wer das Potential der russischen Behörden kennt, oder auch nur eine grobe Vermutung anstellt, der kann sich leicht vorstellen, dass der Besuch eine Dame und dreier Herren – die dann ein 3-stündiges Gespräch mit dem Betroffenen in seinen Geschäftsräumen führen – nicht zu den schärfsten Schwertern im Arsenal der russischen Behörde gehört.
Wenn man auch berücksichtigt, dass selbst im „demokratischen“ Deutschland ein Trupp Steuerfahnder anrückt, verstärkt durch einen Zug Bereitschaftspolizei, die Geschäftsräume durchforstet und kistenweise Geschäftsunterlagen abtransportiert wenn man auch nur in den Verdacht der Steuerhinterziehung kommt – und berücksichtigt, dass in Deutschland das SEK anrückt um bei Extremismusverdacht die Beweissicherung durchzuführen - dann hatte das Verhalten der russischen Behörden weder bedrohliche noch einschüchternde Ausmaße.
Auch die Bezeichnung „ungeplantes Audit“ ist irreführend. Was nun genau unter diesem Begriff zu verstehen ist bleibt fragwürdig, „ungeplant“ bedeutet vielerorts jedoch „unvorbereitet“, „unerwartet“ oder „unangekündigt“. Dies war aber keineswegs der Fall.
Eine Behörde, die hofft durch eine unerwartete Aktion Beweismaterial für einen Extremismusvorwurf beim Beschuldigten zu finden, wird sicherlich vorab kein Fax schicken und ihren „Besuch“ ankündigen. Sie wird dem Beschuldigten sicherlich nicht mehrere Tag gewähren, die dieser dann nutzen könnte um belastendes Material zu entfernen oder zu vernichten.
Betrachten wir ferner die Investoren, Geldgeber und Werbekunden der betroffenen Zeitung, dann wird bereits aus der Berichterstattung deutlich, dass es sich hier keineswegs um betuchte Russen handelt.
Betuchte Russen haben es nicht nötig, per Inserat in einer fremdsprachigen Zeitung, eine „Katalogfrau“ zu suchen. Betuchte Russen benötigen auch keine fremdsprachige Zeitung um „Geheimtipps“ bezüglich bestimmter Lokalitäten, Bordelle, Striplokale oder sonstiger Szenetreffs zu finden. Wer in Moskau Geld hat, der weiß wo er es ausgeben kann. Der braucht keine „Exilantenzeitung“.
Auch leben wir nicht mehr in den 90ern. Die Zeiten, in denen betuchte Ausländer nach Moskau reisten um dort den Bär steppen oder die Sau fliegen zu lassen, sind lange und endgültig vorbei. Selbst die Moskauer Mittelschicht verfügt heute über mehr Mittel als der durchschnittliche Tourist und Geschäftsreisende aus dem Ausland. Wer sich in Moskau auskennt, sich nach den einschlägigen Etablissements umhört oder diese besucht, der merkt sehr schnell, dass den Betreibern dieser Etablissements der russische Besucher (mit Geld) viel lieber und willkommener ist als der Ausländer. Wer einmal gesehen hat wie wohlhabende Russen feiern, der versteht sehr schnell, dass Russen viel spendabler, freizügiger und beim Geldausgeben weniger zurückhaltend sind als durchschnittliche Touristen und Geschäftsreisende.
Bei den Investoren handelt es sich also vielmehr um Ausländer, die ihrerseits andere Ausländer erreichen wollen, diese in typische ExPat-Lokale holen wollen. Oder aber den Touristen und Geschäftsreisenden Lokale und / oder Dienstleistungen anbieten wollen, die sie zuhause auch bekämen, im Moskau aber nicht missen wollen. Wer aber reist nach Moskau nur um Hamburger zu essen ?
Ich habe mit Leuten gesprochen, die als ExPats bereits lange und wohl dauerhaft in Moskau leben. Alle sind zwischenzeitlich fest etabliert und integriert, sprechen annähernd perfekt Russisch und gehen in die Kneipen, Restaurants und Lokale in welche ihre russischen Freunde gehen. In der zwischenzeitlich schmuddeligen, unattraktiven und langweiligen ExPat-Szene fühlt sich keiner mehr wohl.
Die Zeiten, in denen auch der größte ausländische Loser in Moskau eine „große Nummer“ war, nur weil er Ausländer und für den „Homo Sovieticus“ etwas neues und faszinierendes war, sind vorbei. Als sich die Sowjetunion unter Gorbatschows öffnete, Russland in der Yeltsin-Aera der „Kapitalismus“ ausbreitete, da sahen viele dieser Loser Russland als das Land der unbegrenzten Möglichkeiten. Viele, denen in ihren Heimatländern (verdient) der berufliche und gesellschaftliche Erfolg versagt blieb, meinten in Russland der 90er zur großen Nummer werden zu können. Von dieser Spezies trifft man aber heute nur noch wenige an, meistens genauso arm und unbedeutend wie zuvor – und ebenso frustriert.
Und genau hier liegt der Hase im Pfeffer. Für „die großen Macker“ – vornehmlich aus USA – ist die Uhr in Russland abgelaufen. Die Bewunderung, die es unbestreitbar einmal für sie gegeben hat – als junge Russen den Übergang der Sowjetunion zum neuen Russland erlebten, und glaubten alles was glänzt sei Gold und damit anbetungswürdig oder nachahmungswürdig – gehört der Vergangenheit an.
Eine „Exilantenzeitung“ hat daher in Moskau keine Existenzberechtigung mehr, geschweige denn eine Existenzgrundlage. Mit einer wenige tausend Ausgaben starken Printausgabe, dazu auch noch 14-tägig, gewinnt man in einer 10-Millionen-Stadt wie Moskau keinen Blumentopf mehr. Und mit 250000 Onlinelesern pro Monat, die obendrein auch zum überwältigend großen Teil auch noch in den USA ansässig sind, gewinnt man auch keinen.
Im Fall des „Exilanten“ ist es so. Mark Ames ist in Moskau keine große Nummer mehr, so er denn jemals eine gewesen ist. Er dürfte hoch verschuldet sein, dies überwiegend bei russischen Partnern und Freunden - nicht bei seinen Landsleuten – und hat als Mittvierziger keine nennenswerten Erfolge / Errungenschaften vorzuweisen.
Was ist also naheliegender, als in der ohnehin russophoben, von Vorurteilen und Nichtwissen geprägten angelsächsischen Medienwelt den Märtyrer zu geben und sich als Opfer des repressiven russischen Staates zu präsentieren. Ich glaube Mr. Ames orientiert sich hier an den „großen Russen“, die fluchtartig das Land verließen um in London, New York oder Los Angeles ihre Heldensage zu spinnen. Ich denke er hofft, gegen Honorar, von Talkshow zu Talkshow tingeln zu können, in Zeitungen und Radiosendungen bezahlte Interviews geben zu können, um wenigstens damit noch Geld aus seinem beruflichen Scheitern in Russland ziehen zu können. Vielleicht erscheint er auch bald in einer der Alpenrepubliken und heimst dort einen „Journalistenpreis“. Oder vielleicht doch den Pulitzer ?
Da man in der Medienwelt heute anscheinend alles glaubt, Hauptsache es handelt vom diktatorisch regierten Russland, von raffgierigen bösen Oligarchen, von ermordeten Heldenjournalisten … ohne weitere Worte.
Ein bekannter bayrischer Politiker, und ehemaliger Landesvater, soll angeblich den Papst gefragt haben wann er denn mit seiner Heiligsprechung rechnen können. Der heilige Vater habe ihm geantwortet, dass nur Tote heilig gesprochen werden könnten … wenn er sich aber scheintot stellen würde, könnte der Vatikan ihn scheinheilig sprechen - sobald es ihm genehm wäre.
Ames wird wohl nicht scheinheilig gesprochen werden … einem Amerikaner glaubt man eh alles. Auch wenn er sagt:
„Paul Klebnikow ist tot … Anna Politkowskaya ist tot … und mir ist auch schon ganz übel !“
So – und jetzt heben bitte alle, die sich fürchterlich verarscht fühlen, die Hand. Gerne darf es auch nur ein Mittelfinger sein.
Ames vs Schlegel - Korrektur
Zum Rededuell Ames vs Schlegel ist auf den Webseiten von “Govorit Moskva” ein Gesprächsprotokoll (in Russisch) einsehbar.
Nach diesem Protokoll ist eine Aussage Schlegels von Ames falsch wiedergegeben worden. Zum “Extremismusvorwurf” sagte Schlegel tatsächlich, er sei mit den Ansichten einiger zum Inhalt des eXile beitragender Personen vertraut und die Extremismusvorwürfe könnten möglicherweise zutreffend sein. Dies müsse aber das / ein Gericht entscheiden. Vermutlich bezog sich Schlegel hier auf die eXile-Kolumnen von Eduard Limonov.
Schlegel sagte nicht, dass er Ames und den eXile für extremistisch halte. Hier hat Ames entweder falsch übersetzt oder schlichtweg gelogen. Man sollte sich wohl besser nicht auf englischsprachige Übersetzungen verlassen, besonders wenn der Übersetzer (hier: Ames) parteiisch ist.
Schlegels Aussage, zu den “extremistischen Ansichten” bestimmter Personen, entbehren nicht einer gewissen Logik bzw. Wahrheit. In diesem Zusammenhang sollte man auch den heutigen “Saftanschlag” auf den lettischen Botschafter Tejkmanis in Moskau sehen.
Kaum hatte der Diplomat auf einer RIA-Novosti-Pressekonferenz seinen Platz eingenommen, warfen ein junger Mann und ein Mädchen Verpackungen mit rotem Saft auf ihn. Die beiden Attentäter, Sergej Baranow und Ksenia Firsowa, wurden vorübergehend festgenommen. Sie leisteten keinen Widerstand und erklärten, sie seien Mitglieder der gerichtlich verbotenen Nationalbolschewistischen Partei Eduard Limonovs.
Weiteres hierzu findet sich hier.
Boris, rat mal wer zur “Tea Time” kommt !
Dies dürfte nun das letzte Kapitel der „Ames Saga“ sein, jedenfalls in Form einer „journalistische Tätigkeit“ in Moskau. Ames hat die Koffer gepackt und fliegt nach London.
Was ist passiert ?
Am vergangenen Donnerstag hat Ames, wie angekündigt, seine Reihe von Interviews fortgesetzt - diesmal beim Radiosender „Gorovit Moskva“.
Ames hatte angekündigt „Gorovit Moskva“ habe ihn eine Talkrunde vorgeschlagen, wolle ihn Valery Komissarov gegenüber setzen, dem Vorsitzenden des Duma-Komitees für „Informationspolitik“. Doch statt auf Komissarov traf Ames auf Robert Schlegel, zwar nicht persönlich, aber via call-in übers Telefon.
Wer ist Robert Schlegel ?
Schlegel, früher Sprecher der Kremljugend „Naschi“, ist Duma-Abgeordneter der Partei „Einiges Russland“. Erst 23 Jahre alt, zeichnet er verantwortlich für den Entwurf zur Verschärfung des Mediengesetzes, welchen er nach der Presseente um die vermeintlich anstehende Hochzeit Vladimir Putins mit einer jungen Sportlerin einbrachte. Der Entwurf wurde jedoch auf Initiative des neuen russischen Präsidenten Dmitri Medwedew in der Duma abgeschmettert.
Mit seiner wolgadeutschen Abstammung, seinem jugendlichen Aussehen und den rötlichen Haaren bietet Schlegel dem um 20 Jahre älteren Ames ein vorhersehbares Ziel. Ames wäre nicht Ames, würde er sich nicht über Schlegels deutsche Wurzeln mokieren, dessen früherer Tätigkeit für „Naschi“ mit der Bezeichnung „Putinjugend“ einen Spin geben wollen. Auch die Begriffe „Heil-Putin-Politik“ und „Aussehen wie ein Perversling aus einem B-Porno-Movie“, mit denen Ames Schlegel bedenkt, sind typische Kennzeichen der Ames’schen Rhetorik.
So locker, wie Ames sich gibt, ist er aber keineswegs. Wie immer geht er völlig unvorbereitet an das Interviews heran, erfährt erst einige Stunden vorher auf wen er treffen wird. Anscheinend ist ihm zwar Schlegels Name geläufig, er muss sich aber dennoch erst bei Eduard Limonov einen Rat, bzw. eine „Expertise“, bezüglich Schlegel einholen.
Und Limonovs „Expertise“ lautet:
Schlegel sei zwar jung und intelligent, aber auch sehr arrogant und ein „echter Faschist“. Er sei obendrein ein „Verräter am Mutterland“ und ein abstoßendes Kind. Und Ames solle blos nicht versäumen Schlegel dies auch genau so mitzuteilen.
Ames wird es nicht tun, so mutig und tapfer ist er nun wirklich nicht. Einen Duma-Abgeordneten über das Radio als „Faschisten“ und „Verräter“ zu beschimpfen traut sich selbst ein Mark Ames nicht.
Ames geht „gehandicapped“ in das bevorstehende Rededuell mit Schlegel. Am Vorabend schmiss Ames eine Party im Violete, wie immer auf Kosten anderer, und veranstaltete eine „Trauerfeier“ für den eXile. Nach eigener Erklärung flossen zahlreiche Cocktails durch die durstigen Kehlen, gefolgt von mehreren Flaschen Premium-Vodka. Ein überschwerer Kater , sowie eine mächtige Fahne, sind die Folge.
Ames kommt zu dem Termin fast zu spät, sitzt abgehetzt und verschwitzt auf seinem Stuhl. Auch erschreckt ihn die angesetzte Dauer des Dialoges, eine Stunde muss er gegen Schlegel durchstehen, ist nun aufrichtig dankbar, dass er ihm nicht persönlich gegenüber sitzt und dieser seinen erbärmlichen Zustand nicht sehen kann. Schlegel ist irgendwo in der Provinz unterwegs, ist telefonisch mit dem Studio verbunden.
Schlegel geht direkt auf Ames Vorwurf ein, das Audit der russischen Behörden habe seine Zeitung vernichtet, habe die Finanziers und Investoren eingeschüchtert und somit dem eXile den finanziellen Boden unter den Füßen weggezogen.
Schlegel sieht in dem Audit keineswegs eine gezielte Einschüchterung der Geldgeber, findet an dem Vorgehen der Behörden nichts einschüchterndes oder ungewöhnliches. Er hält das Vorgehen der Behörden für legitim.
Ames’ fehlendes Unrechtsbewusstsein führt zum ersten Eklat. Audits, so Ames, kämen nur in Drittweltländern und Diktaturen, nicht aber in „ernsthaften Ländern“ vor.
Schlegel kontert mit der Aussage, dass es in Russland keine Zensur und Einschüchterungen der Medien gäbe. Die russischen Medien seien frei und unabhängig, die Regierung übe keinen Druck auf sie aus, das präsidiale Veto gegen den eigenen Gesetzesentwurf sei zwar nicht nach seinem persönlichen Geschmack – aber ein Zeichen für die liberale Haltung Präsident Medwedews gegenüber der Presse.
Nun kann sich Ames nicht mehr zurückhalten, er ist Schlegel rhetorisch deutlich unterlegen, der Alkoholdunst im Hirn erledigt den Rest. Ames redet sich um Kopf und Kragen.
Ames teilt Schlegel mit, dass dieser in einer bizarren Parallelwelt lebe – losgelöst von der Welt in der alle anderen lebten. Schlegel lebe in einer formalistischen Phantasiewelt, nicht in der Realität in der ein grausames und bösartiges Russland seine Finger nach einer „Zeitung“ ausstrecke – und damit Investoren und Geldgeber in die Flucht schlage.
Schlegel kontert mit einem Gegenangriff, teilt Ames mit deutlichen Worten mit, dass er ihn für einen Extremisten hält. Er habe dessen „Zeitung“ zwar nie gelesen, spätestens nach Ames’ Worten sei er nun aber gänzlich von dessen Extremismus, und dem seiner „Zeitung“, überzeugt.
Damit hat Ames sich einen Bärendienst erwiesen, ist sich dieser Tatsache augenblicklich bewusst. Der Dialog endet mit einem klaren Punktsieg für Schlegel.
Ames bezeichnet das Rededuell mit Schlegel als „die längste Stunde seines bisherigen Lebens“, als eine „wütend machende und erschöpfende Erfahrung“. Er denkt an Schopenhauer, nach dessen Meinung die Welt die Hölle sei, Menschen nur in „Folterteufel“ und „Verdammte“ zu unterteilen seien. Und selbstverständlich ist Schlegel der personifizierte Folterteufel und er der Verdammte.
Ames ist sich bewusst, dass ihn gerade ein Duma-Abgeordneter, öffentlich und medienwirksam, einen Extremisten genannt hat, etwas das Ames eigentlich hatte entkräften und verhindern wollen.
Wenig beruhigend wirkt auch die „Warnung“, welche das „New Yorker Komitee zum Schutze von Journalisten“ auf ihren Webseiten ausgesprochen hat, über die Ames per eMail informiert wird. Laut deren Meinung gehört Ames zu einer gefährdeten Spezies.
Die besagte eMail dringt durch den immer noch vorhandenen Alkoholnebel in Ames’ Hirn und bringt ihn zu folgender Erkenntnis:
In fünf Stunden mache ich mich auf den Weg zum Flughafen Sheremetyevo. Der Urlaub, von dem ich bereits sprach, ist längst überfällig. Entweder schaffe ich es raus aus Moskau, nach London, oder in den Verhörraum der Grenzschutzorgane.
Irgendwie kling die Story schwer nach „der letzte Flug“, dem Film über das letzte Flugzeug, das vor dem Einmarsch der Nordvietnamesen von Saigon abfliegt – um den Protagonisten in „die Freiheit“ zu fliegen. Aber der Flieger geht nicht in die „Freiheit“, er geht nach London.
Dort wohnt Boris Beresowski, vielleicht hat der ja einen Job für Ames. Nach Aleksandr Litvinenkos Abgang ist schließlich eine Stelle vakant - nur Tee würde ich, an Ames’ Stelle, dort keinen trinken.
Ein 500-Rubel-Bußgeldbescheid
Wie angesägt muss man sein, damit man sich über einen Bußgeldbescheid über 13 Euro und 60 Cents aufregen kann ? Mark Ames muss unglaublich angesägt sein, jedenfalls klingt er so auf Radar Online.
Nach dem Audit der russischen Behörden flatterte ihm nun ein „Strafzettel“ ins Haus, ausgestellt auf den lächerlichen Betrag von 500 Rubel – nach dem heutigen offiziellen Wechselkurs entspricht dies den oben genannten € 13,60 – für die während des Audits festgestellten Mängel bzw. Verstöße (der Printausgabe) gegen geltendes russisches Medienrecht.
Prinzipiell kann festgehalten werden, dass „the eXile“ - laut dem Audit - in drei Punkten gegen geltendes Recht verstoßen hat. Im Einzelnen handelt es sich um
a) einen Fehler im Impressum, da dort nicht die aktuelle Redaktionsdresse angegeben wurde.
b) die fehlende Angabe der „Lizenznummer“ und
c) das Fehlen von Angaben in russischer Sprache, die auch bei fremdsprachlichen Zeitungen im Kopfteil enthalten sein müssen.
Nun, man mag vielleicht darüber diskutieren können (oder wollen), ob die genannten Fehler bzw. Verstöße mit einem Bußgeld zu ahnende Ordnungswidrigkeiten darstellen, ob die Höhe des verhängten Bußgeldes nicht lächerlich gering ist, aber die Bürokratie schlägt nicht nur in Russland Kapriolen. Und geltendes Recht ist eben geltendes Recht, ob es einem nun gefällt - oder eben nicht.
In Düsseldorf sei es niemandem geraten, z.B. nach einem feucht-fröhlichen Altstadtbesuch und mangels einer öffentlichen Toilette, sich in eine Hecke zu verziehen. „Öffentliches Urinieren“, und sei es auch „unsichtbar hinter der Hecke“, wird vom Düsseldorfer Ordnungsamt mit einem Bußgeldbescheid in Höhe von 60 Euro – nebst Gebühren für den „Verwaltungsakt“ - geahndet.
Das achtlose Wegwerfen einer Zigarettenkippe, so einen das Ordnungsamt dabei erwischt, resultiert in einem Bußgeldbescheid in Höhe von 20 Euro. Selbiges kostet ein ausgespuckter Kaugummi oder dessen weggeworfene Verpackung.
Ich möchte daher nicht wirklich wissen, was ein Verstoß gegen die genannten Punkte der „Impressumspflicht“ in Deutschland kosten würde. So wie ich die deutsche Bürokratie kenne, wären hier € 13,60 sicherlich nicht zu erwarten – vielmehr ein Vielfaches.
Natürlich kann man Mr Ames verstehen. Da migriert er nach Russland und kämpft, auf dem ihm eigenen Wege und mit den ihm eigenen Mitteln , 11 Jahre lang gegen die böse, korrupte und menschenfeindliche Demokratur an - setzt sich, unter enormer Gefahr für Leib, Leben und persönliche Freiheit, für Russland und die Russen ein – und wird nun von der geballten Härte des neosowjetischen Systems getroffen.
Nein, er muss sich nicht mit Khodorkowski die Zelle teilen, er muss auch nicht in Magadan Bäume fällen oder gar in die Uranminen, nein – er muss sich ganze 30 Minuten in eine Schlange stellen, vor einem Schalter einer Sberbank-Filiale. Mein Gott, wie erniedrigend muss es für einen „ExPat-Journalisten“ sein, eine halbe Stunde seines Lebens, in Moskau, mit gewöhnlichen Russen in einer Schlange stehen und damit vergeuden zu müssen. Der Gulag ist sicherlich ein Dreck dagegen.
Ich glaube Mr Ames sollte sich über andere Dinge Gedanken machen, so z.B. über die Vorwürfe, die in dem 500-Rubel-Bußgeldbescheid nicht genannt wurden. Und diese lauten: Verunglimpfung des russischen Staates, seiner Würdenträger und Traditionen, Aufruf zum Drogenkonsum und Verbindungen zu einer wegen offenem Extremismus verbotenen Partei (NatsBols) und derem „Woschd“.
Mark Ames sollte den lächerlich niedrigen Bußgeldbescheid als das annehmen was er ist, als einen freundschaftlichen Klaps auf die Finger. Sollten die anderen Vorwürfe vorgebracht und geahndet werden, und Ames ist in allen diesen Punkten so schuldig wie man nur sein kann, dann dürfte es sehr viel teurer für ihn werden. Und dies nicht nur in finanzieller Hinsicht.
Aber Ames zieht stattdessen lieber von Interview zu Interview, wiederholt seinen Vorwurf – die bösen Behörden hätten „ihm seine Zeitung weggenommen“ - und lässt keine Gelegenheit aus der Liste der Verunglimpfungen weitere hinzuzufügen.
Ich vermute er möchte partout zum Märtyrer werden … denn er scheint sich dem Risiko bewusst zu sein.
Seine abschließende Bemerkung - er wisse nicht ob die Interviews ihm mehr Zeit in Moskau erkaufen würden, oder eher die Behörden noch mehr gegen ihn aufbringen – zeugt davon, dass er noch nicht ganz den Kontakt zur Realität verloren hat. Vielleicht war er aber am Tage des Ausspruchs nur einfach einmal ein paar Stunden nüchtern – oder clean.
Öffentliche Bekanntmachung [Update vom 19 06 08]
Hier stand ursprünglich ein am 17.06.08 geschriebener Artikel gleichen Titels, den ich zum Zeitpunkt seiner Veröffentlichung witzig und humorvoll fand. Nach reiflicher Überlegung, und nach Diskussion im Freundeskreis, sehe ich den Ursprungsartikel jetzt jedoch in einem anderen Licht. Diese “Einsicht” kam ohne auswärtigen Druck, ohne Zwang und aus eigener Erkenntnis. Dies nur um möglichen Spekulationen vorzubeugen.
Niemand ist vor Fehlern gefeit, aber nicht viele sind bereit Fehler einzuräumen. Ich tue es hiermit.
Ich ziehe den Ursprungsartikel zurück, entschuldige mich für den vermeintlichen “Schlag unter die Gürtellinie” bei allen die sich von besagtem Artikel eventuell - eingebildet oder real - gestört fühlen konnten oder wollten. Dies schließt den guten Andreas aus Potsdam mit ein.
Zur “Merkbefreiung” gibt es einen Eintrag in der Wikipedia. Hieraus ein kurzes Zitat:
Durch das Veröffentlichen einer Merkbefreiung im Usenet will der Aussteller zum Ausdruck bringen, dass sich der Empfänger nicht an die geltenden sozialen Konventionen (die Netiquette) gehalten hat bzw. Beiträge veröffentlicht, die darauf schließen lassen, dass der Nutzer das Thema nicht versteht oder dissozial und ignorant agiert. Häufig soll damit auch der Empfänger der Lächerlichkeit preisgegeben werden.
Die von mir für Andreas ausgestellte “Merkbefreiung” bezog sich auf die Punkte “das Thema nicht verstanden” und “verhält sich ignorant”. Ich habe sie lediglich aus alten Usenet-Tagen in die heutige Blogosphäre übertragen. Die Gründe hierfür sind zwischenzeitlich ausreichend bekannt, werden von vielen geteilt, müssen aber nicht unbedingt hier und jetzt wiederholt werden.
Ich habe mir auch zu Andreas weiterführende Gedanken gemacht und bin zu folgendem Schluss gekommen.
Andreas versteht sich als großen Literaten - quasi als Autorität - , als Gottes Geschenk an die Menschheit. Hierbei ist er unfähig sich jeglicher Form von Kritik zu stellen. Er verwechselt “Literaturkritik” mit “Stalking”, dies obwohl beide Begriffe in seinem Fall nicht zutreffen. Er ist weder “Literart” noch “Stalkingopfer”.
Ich habe aber Andreas zwischenzeitlich dahingehend verstanden, dass er in einer Zeit und einem Raum aufgewachsen ist, in dem Autoritäten nicht angezweifelt oder kritisiert werden durften. Diese Phase muss so prägend gewesen sein, er hat immerhin drei Jahrzehnte in ihr gelebt, dass Andreas sie auch nach fast 20 Jahren “Freiheit und Demokratie” mit sich herumträgt. Andreas kann bis heute nicht verstehen, warum der Kritiker nicht vom “real existierenden (Sozialismus-)Blitz” erschlagen wird, wenn die “Autorität” kritisiert wird. Da er dieser Kritik sachlich nicht entgegentreten kann, muss eben der “Opferkult” her.
Jemand, von dem ich annehme, dass er Andreas’ Entwicklung maßgeblich geprägt hat, versuchte sich ebenfalls in der vergeblichen Transformation … von der “Autorität” zum “Opfer” … und beglückte die Menschheit mit dem berühmten Satz:
“Ich liebe – Ich liebe doch alle – alle Menschen – Na ich liebe doch – Ich setzte mich doch dafür ein !”
Gegen einen solchen (Alters-)Starrsinn kommt man nicht an. Ich habe daher für mich entschlossen, dass ich den Andreas zukünftig weniger beachten werden. Lesen werde ich ihn dennoch, bei Bedarf auch kritisieren.
Mögest Du in interessanten Zeiten leben …
… so lautet ein alter chinesischer Fluch.
Interessanten Zeiten will jetzt auch Mark Ames entgegensehen, die Frage lautet nun: Werden diese interessanten Zeiten sich als Fluch für ihn erweisen ?
Wovon spreche ich ? Ich spreche vom Ames’ letzten Äußerungen auf Radar Online. Wie in den letzten Artikeln auf diesem Blog berichtet, Ames’ Zeitung „The eXile“ hat sich ins Aus manövriert. Wie es sich heute darstellt, war nicht das berühmte Audit der russischen Behörde der ausschlaggebende Faktor, sondern vielmehr die rasante und überstürzte Flucht seiner Fördermittelgeber, Werbekunden und Investoren. Resultat: „The eXile“ stellt seine Printausgabe ein.
Die finanzielle Situation des „eXile“ ist so prekär, dass anscheinend auch die Mittel für die Fortführung der Onlineausgabe fehlen. Trotz Onlineaufruf, die treuen Leser des „eXile“ mögen doch bitte kräftig spenden, damit der „eXile“ zumindest im Web weiterbestehen und auf einen Server außerhalb Russlands umziehen kann, scheinen alle Bemühungen und Rettungsversuche ins Leere zu laufen. Aus „gut unterrichteten Kreisen“ verlautete, dass der bisherige Spendeneingang nicht einmal die Kosten für Ames’ nächstes Frühstück decken kann. Soviel also dazu.
Da zukünftig Online- und Printausgabe des „eXile“ als Ames’sches Sprachrohr fehlen, überlegt unser Held nun ob er nicht vielleicht in die Politik gehen sollte, um quasi die Cindy Sheehan der russischen Opposition zu werden.
Ames rückt sich selbst bereits in die Nähe von Natalia Morar, der moldawischen Journalistin, die im vergangenen Dezember aus der Russischen Föderation ausgewiesen wurde, nachdem sie einen vermeintlichen Skandal um Geldwäsche an die Öffentlichkeit brachte. In diesem Skandal versuchte Morar Verbindungen zwischen der österreichischen Raiffeisen-Zentralbank und einigen Offiziellen der Putin-Administration herzustellen, darunter auch der heutige FSB-Chef Aleksandr Bortnikov.
Ames zitiert auch Eduard Limonov, seinen alten Spezi und Kolumnisten beim „eXile“, aus dessen Interview für Ekho Moskvy. Er greift dessen These auf, der „ Angriff auf den ‘eXile’ “ sei tatsächlich ein Angriff auf ihn selbst (Limonov) gewesen. Man wolle den „eXile“ als Medium für Limonov und dessen verbotene Nationalbolschewisten ausschalten. Deshalb unterstelle man dem „eXile“ extremistische Tendenzen.
Ames schreibt bei Radar Online, jeder wüsste, dass es eine „knappe Null-Prozent-Chance“ gäbe gegen „den Mann“ (gemeint ist Medwedew) zu gewinnen – die Niederlage der Opposition käme aber in unterschiedlichen Formen daher, vom „glorreichen Untergang“ bis hin zur „totalen Vernichtung“. Deshalb müsse sich die politische Opposition in Russland diversifizieren, Werbung und Selbstdarstellung „verbreitern“.
Nachtigall ick hör’ dir trappsen … steht hier die Geburt einer Troika bevor ? Bestehend aus Garri Kasparov, Eduard Limonov und Mark Ames ?
Ames schreibt, er sei nun Teil einer sich entwickelnden Geschichte – würde in eine „größere Schlacht“ hineingezogen. Unrecht scheint es ihm nicht zu sein.
Der Radiosender „Govorit Moskva“ und das Magazin „New Times“ hätten bei ihm angefragt, ob er für Interviews bereitstünde. „Govorit Moskva“ wolle ihn sogar für eine Talkrunde gewinnen, wolle ihn Valery Komissarov gegenüber setzen, dem Vorsitzenden des Duma-Komitees für „Informationspolitik“ (Ames schreibt: „Politische Information“, Freud’scher Fehler oder Absicht ?)
Scheinheilig stellt Ames die (rhetorische) Frage, ob er nun Helm und Splitterschutzweste tragen solle ? Ob es unter seinen Lesern einen Anwalt gäbe, der ihm hierzu einen Rat erteilen könne. Oder ob er lieber einen Rabbi bemühen solle.
Ames hat in Russland keine berufliche Perspektive mehr, der „eXile“ ist Geschichte und generiert keine Einkünfte mehr, so er dies jemals tat. Ob, oder wie lange, Einkünfte aus Ames’ Tätigkeit für Russia Today, wo er den „Wayfarer“ mit-moderiert(e), noch fließen, ist ebenfalls fragwürdig. Russia Today gehört RIA Novosti.
Die Schuldenlast scheint erdrückend, die Gläubiger sind auch keine Zauderer.
Verlagert Ames den Server seines „Online-eXile“ ins Ausland, so er denn genug Mittel für einen weiteren Betrieb auftreiben kann, kann er damit zwar einen möglichen Zugriff der russischen Behörden auf den Inhalt seiner Seiten verhindern, er selbst müsste aber in Russland verbleiben um glaubwürdig aus dem „Reich des Bösen“ berichten zu können. Seine Person wäre dem „Zugriff“ damit nicht entzogen, denn eine „politische Russland-Berichterstattung“ aus dem Ausland würde ihn noch unglaubwürdiger machen als er heute bereits ist. Er würde damit zu einem weiteren „Russlandchasperli“, wie Admiral Golowko einen anderen „Russia-Pundit by Proxy“ treffend bezeichnet.
Bekanntlich kommen aber beruflich gescheiterte „Fördermittelsucher“ auf die komischsten Gedanken, wenn sie sich eine neue Plattform für ihre „Weisheiten“ schaffen müssen. Der eine beantragt brandenburgische Fördergelder, der andere schaltet Werbebanner und bittet um Spenden. Egal. Beide sind bisher wenig erfolgreich. Einer der beiden will jetzt in die Politik, der andere kommt vielleicht auch noch auf diesen Gedanken. Ob sich die „Opposition“ in ihren Gastländern über die „ausländische Unterstützung“ freuen wird ? Warten wir es ab.
Vielleicht sehen wir bald Mark Ames, als neues „Pin-Up-Girl“, auf den Plakaten der „russischen Opposition“, neben Eduard Limonov und Garri Kasparov. Oder „Fördermittelasolf“ neben Viktor Juschtschenko und Julia Timoschenko auf Plakaten in der Ukraine ? Letzterer ist wenigstens mit einer Landestochter verheiratet, Ames müsste erst noch in Russland einheiraten. Wer käme da in die nähere Auswahl ? La Russophobe ist keine Russin, nicht einmal weiblich. Vorschläge ?
Da ich den Artikel mit einem chinesischen Bonmot begonnen habe, soll er auch mit einem solchen enden. Es lautet …
Sitzt man lange genug am Ufer eines Flusses, sieht man irgendwann die Leiche seines Feindes vorbei treiben.
Da sitzen unsere beiden „Fördermittelsucher“ nun an ihren Flüssen - der eine an der Moskwa, der andere am Dnjepr (oder ist es doch nur die Havel ?). Beide fischen im Trüben und warten auf ihren „Erfolg“. Ihre „Feinde“ werden sie nicht vorbeitreiben sehen, beide werden eher „baden gehen“. Aber bei Ames gibt es vielleicht noch Hoffnung, obwohl ich diese Politsatire sehr unterhaltsam fände.
Kasparov kann seine “Nichteinverstandenen” auf die Straße schicken, Limonov seine “NatsBols”. Wen könnte Ames wohl schicken ? Böse Zungen behaupten Ames’ einzig wahren “Anhänger” wären seine damaligen Leningrader Filzläuse gewesen, die wurden aber (anscheinend) ausgerottet.
Genickschuss
Mark Ames meldet sich wieder auf Radar Online und berichtet, er habe dem eXile nun den Genickschuss verpasst. Damit sei “der Tod des Exilanten” amtlich.
Ames schreibt, er habe sich mit seinem russischen Publizisten getroffen um ihm (dem eXile) “eine (Kugel) ins Hirn zu geben”. Zwischen den Zeilen erliest sich, dass nicht das Eingreifen der russischen Behörden ausschlaggebend für das Ende des Exilanten war. Es war die Flucht der Finanziers.
Wörtlich zitiert schreibt Ames:
“Unsere finanzierenden Partner sind in die Berge geflüchtet, lassen meinen Publizisten und mich, mit der Schuldenbombe in unseren Händen, zurück.”
Seinen russischen Publizisten beschreibt Ames als “großen und einschüchternden Mann”, vergleicht ihn mit Abwehrspielern im American Football. Und weist darauf hin, dass er eine “große Nummer” im Sexbusiness in Moskau ist - mit einer Menge guter Kontakte in der Branche. Jetzt dürfte klar sein wer den eXile in der Vergangenheit finanzierte und beherbergte - Ames nennt den “Rasputin Gentlemen’s Club” seines Herausgebers auch als “Redaktionsadresse”. Zumindest für den Zeitraum 2002 - 2007.
Nun, wenn dieser “Publizist” nun, unter Aufbietung seiner körperlichen Attribute, mitteilt “so wie ich die Sache sehe, lieber Mark, sind die Schulden des eXile auch die Deinigen”, dann dürfte Ames nun langsam wirklich schwitzen. Wörtlich schreibt Ames:
Meine kleine Saga nahm (damit) eine unvorhergesehene und unangenehme Wendung
Ames scheint den eXile nicht nur mit dem Geld seines Publizisten finanziert zu haben, sondern auch mit dem Geld dessen Freunde. Freunde die Ames mit “gute Freunde, wenn man sie hat, und schlechte Feinde, wenn man sie sich zu solchen macht” charakterisiert. Bei Geld hört die Freundschaft eben auf. Oooops !
Ames ist gegenwärtig damit beschäftigt Anrufe und eMails russischer Medien zu beantworten, die Beileidsbekundungen von Eduard Limonow und Garry Kasparow entgegen zu nehmen (bei der Auswahl seiner “Freunde” war Ames anscheinend nicht besonders begabt) und - last but not least - seinen “Mitarbeitern” die frohe Botschaft zu verkünden. Jene rennen ihm auch gerade die Tür ein.
Ames ist nun endgültig zum Paria geworden, ist sich dessen auch bewusst. Im Umgang mit ihm behandeln ihn seine (früheren) Bekannte und Freunde nun, so Ames, “als würde Polonium von ihm tropfen”. Und er bemüht sich redlich diese “Poloniumspur” quer durch Moskau zu ziehen.
FHM feierte gestern wohl eine Party, in irgend einem der trendigen Hochhäuser in Moskau, und Ames kündigte an auf dieser Party erscheinen zu wollen. Dies obwohl er derzeit gemieden wird wie die Pest. Aber er wolle hingehen, Hände schütteln, sich mit den Gästen photopraphieren lassen und sich für die “entscheidende Unterstützung” bedanken. Was immer er auch damit meint.
Mit einem kläglichen Anflug von schwarzem Humor schreibt Ames (sinngemäß):
Seit meiner Kindheit habe ich mir geschworen, sollte ich jemals gelähmt im Rollstuhl landen, so soll mich meine Pflegerin an die Restaurantfenster rollen um mich dort geifern zu lassen - um die herumwandelnden Typen sich winden zu lassen.
Nun, Ames bezeichnet seine Situation als “nicht fatal”, sie sei aber sehr nahe dran. Jedenfalls sollte er sich schleunigst überlegen wie er seine “Finanziers” befriedigen kann … der Rollstuhl wäre sonst sein geringstes Problem. Aber er wusste hoffentlich auf was er sich mit dem eXile, und dessen Finanzierung, eingelassen hat. Diese Suppe soll er schön alleine auslöffeln.
Und natürlich hat auch Der Spiegel dazu eine Meinung.
Der Tod des “Exilanten”
Wer die englischsprachige ExPat-Szene in Moskau kennt, der kennt auch den “Exilanten”, zumindest unter seinem englischen Namen “The eXile”. Für diejenigen, die ihn nicht kennen, hier ein kurzer Überblick.
“The eXile”, gegründet im Jahre 1997 durch Mark Ames und gegenwärtig verlegt durch Konstantin Boukarev, ist eine (2x pro Woche Monat) [Korrektur am 11.06.08] in Moskau erscheinende Zeitschrift. Zielgruppe: Die (angelsächsische) moskauer ExPat-Gemeinde.
Neben einer Auflage von ca 25.000 Printausgaben pro Auflage ist “The eXile” auch online, hat nach eigener Angabe bis zu 125.000 Onlineleser. Seine Redakteure sind gegenwärtig Mark Ames und Yasha Levine.
Mitherausgeber Jake Rudnitsky fasste im Jahre 2006 für die englische Tageszeitung “The Independent” das Credo des Exilanten zusammen: Wir scheißen auf alle gleichermaßen. Eine Aussage, die den Exilanten treffend beschriebt und der Wahrheit entspricht. Die englischsprachige Wikipedia hat mehr dazu : The eXile.
Zu Mark Ames sei kurz folgendes gesagt. Geboren am 03. Oktober 1965 in Saratoga, USA (Bundesstaat Kalifornien) besuchte Ames eine episkopale Privatschule und anschließend die Universität in Berkley. Seine Hauptaktivitäten an der Universität beschreibt Ames mit “dem Einwurf allerhand schwerer Drogen und dem Besuch von Underground-Shows”.
Seine “Erleuchtung” ereilte Ames im Jahre 1992, dem Ende der Präsidentschaft George Bushs (dem Älteren), als er für sich feststellte:
Das Ende der Bush-Regierung markierte auch das Ende meiner Traumwelt, obwohl Bush sen. und ich vieles gemeinsam hatten. Doch als Bush sen. in die Geschichtsbucher einzog , stellte ich einen kleinen aber feinen Unterschied zwischen uns fest. Er war damals ein golfspielender Multimillionär, ich nur ein arbeitsloser und kaum veröffentlichter “Journalist” … eine alternde Null.
Was tun nun arbeitslose, alternde amerikanischen Journalisten-Nullen ? Sie gehen nach Russland. So auch Ames, allerdings mit Umwegen über New York, Boston, San Francisco und Prag - wo Ames wenig erfolgreich in einer Punkband spielte. Nicht zu vergessen sei auch der längere Aufenthalt in einem Obdachlosenasyl in Kalifornien, wo er zusammen mit seiner damaligen tschechischen Freundin logierte.
Aber letzendlich führen alle Wege nach Rom Leningrad (wie Sankt Petersburg damals noch hieß), wo Ames sich auf eine 14-tägige Odyssee durch die Straßen der Millionenstadt begab. Um einige Erfahrungen reicher, sowie mit einer satten Geschlechtskrankheit (*), kehrte er wenig später in die USA zurück.
(*) Bei dieser Geschlechtskrankheit handeltete es sich um eine besonders schwere Form der Acarodermatitis, einer durch Filzläuse verursachten Krätze. Ames gelangte damit zu einer gewissen Berühmtheit, da sich die Krankheit bei ihm als so hartnäckig erwies, dass sie (oder besser er) als Fallstudie Eingang in das New England Journal of Medicine fand.
Lange Rede, kurzer Sinn … Ames bekam Russland nicht mehr aus dem Kopf. Da er in den USA (Selbstbeschreibung) ein Leben in Armut und Boshaftigkeit führte (sein russischer Publizist beschreibt diese Phase als: жил в бедности и злобе) sah er für sich den möglichen Durchbruch nur in Moskau.
Wieder mit einem Umweg über Prag (Mitte 1992 bis Anfang 1993) zog Ames schließlich nach Moskau, veröffentlichte dort 1995 einen Artikel in der Moscow Times (”Der Aufstieg und Fall der moskauer ExPat-Aristokratie”) und wechselte schließlich zum Wettbewerb, dem Magazin “Living Here”. 1997 machte Ames aber auch dort die Biege und gründete den Exilanten.
Bemerkenswert sind auch Ames’ Versuche als Buchautor zu Rang und Namen zu gelangen.
The Exile: Sex, Drugs, and Libel in the New Russia (deutsch / Der Exilant: Sex, Drogen und üble Nachrede im neuen Russland), ein Gemeinschaftswerk mit Mark Taibbi (heute beim Rolling Stone Magazine) und mit einem Vorwort von Eduard Limonow, erschien im Jahr 2000.
Es folgte В Россию с любовью (Записки американского изгоя) / Für Russland in Liebe (Notizen eines amerikanischen Parias) im Jahre 2002 und schließlich
Going Postal: Rage, Murder, and Rebellion: From Reagan’s Workplaces to Clinton’s Columbine and Beyond / Postalisch: Wut, Mord und Rebellion: Von Reagans Arbeitsplätzen zu Clintons Columbine und darüber hinaus … aus dem Jahr 2005.
Mit seinen ”Werken” schaffte es Ames sich, in kürzester Zeit, sowohl in Russland wie auch in den USA, unbeliebt zu machen. Als Beispiel hierfür sei nur sein Artikel “Gas Middle America” (”Vergast das Mittlere Amerika”) genannt, den Ames nach den US-Präsidentschaftswahlen 2004 schrieb und der den ehemaligen US-Kongressabgeordneten Henry Bonilla (R-TX) dazu verleitete, die russischen Behörden um Ames’ Festnahme zu ersuchen.
Auch in Russland hat Ames einige derbe Dinge vom Stapel gelassen. In einer Ausgabe des Exilanten erschien z.B. eine Photomontage mit Vladimir Putin und Bill Clinton, beide halbnackt, in eindeutiger Pose. Auch der letzte Artikel des Exilanten, mit dem Titel “Fucking for Medwedew”, kam nicht sonderlich gut an. Hier schritt erstmals die “Zensurbehörde” ein.
Ames’ Perversitäten und Entgleisungen scheinen nun ein Ende gefunden zu haben, wenn nicht, dann aber zumindest einen gewaltigen Warnschuss vor den Bug erhalten zu haben. Ames schrieb darüber in Radar Online einen Artikel: A Troublesome Visitor - Ein ärgerbereitender Besucher.
Ames wurde besucht, von einer Behörde die sich “Föderaler Inspektionsdienst für Massenmedien, Telekommunikation und den Schutz des kulturellen Erbes” nennt. Zweck des Besuches war ein “unangekündigtes Audit”, unangekündigt genug um Ames die Schweißperlen auf die Stirn zu bringen. Die Achselhöhlen werden auch nicht trocken geblieben sein.
Als der “Besuch” angekündigt wurde, befand Ames sich gerade auf Familienbesuch in USA. Die Nachricht erreichte ihn im Haus seiner Mutter, deren Medizinschränkchen er daraufhin nach “etwas einwerfbarem” durchsuchte und über die Frage nachdachte “Kann ich als US-Bürger in den USA politisches Asyl beantragen ?” Dann kam ihm aber der Kongressabgeordnete Bonilla in den Sinn und er verwarf den Gedanken wieder. Jetzt weilt er wieder in Moskau.
Er versucht zwar sich seine Besorgnis nicht anmerken zu lassen, kommentiert / beschreibt die Besucher als “drei Herren in Anzügen im Bolschewistenstil und eine dickliche Dame”, spurlos geht das “Audit” jedenfalls nicht an ihm vorbei.
Die Beteuerung seines russischen Anwaltes … “Sorge Dich nicht, alles kein Problem” … scheint ihn nicht zu beruhigen, besonders da das Audit von anderen Seiten als “merkwürdig”, “sowas gab’s noch nie” und “sowas ist bisher nur im Fernen Osten passiert” kommentiert wird.
Ames Kumpel Limonow schlug vor : “Bereite Dich darauf vor in ein Stadion geschleppt zu werden, so wie es zu Pinochets Zeiten immer geschah”. Radar Online fordert Ames auf von dem Besuch zu berichten, solange er noch kann, d.h. “bevor die Behörden Dich verhaften”.
Derzeit scheint in Moskau niemand Wetten auf Ames und seinen Exilanten abschließen zu wollen, höchstens gegen ihn. Das merkt auch Ames, sein Spruch “Nirgends ist es so schön wie zuhause” scheint von plötzlich eintretendem Heimweh zu künden. Ob er sich wohl schon in einem Güterwagen nach Kolyma sitzen sieht, gefüttert mit salzigem Fisch und ohne Trinkwasser ?
Besonders schwer scheint ihm das Protokoll des 3-stündigen “Audits” im Magen zu liegen, kommentiert er es doch mit den Worten “Habe ich da gerade ein Geständnis unterschrieben ?”. Von seiner hochnäsigen Attitüde ist nicht mehr viel übrig.
Egal, sollte der Exilant keine Geschichten mehr veröffentlichen, sondern Teil der Geschichte werden, einige positive Aspekte hatte er. Er hat Mark Taibbi und Gary Brecher zu einigem Ruhm verholfen, Taibbi sogar zu einem Job beim Rolling Stone . Für Ames sieht es düster aus, der Nebenjob bei Russia Today dürfte auch gefährdet sein. Dort moderierte Ames (zumindest eine) Reisereportagen … letzmalig über Karelien.
“De mortuis nil nisi bene” - “Über Tote nichts sagen, es sei denn Gutes.” - Nun, eine “gute Aktion” hat Ames mit seinem Exilanten gebracht. Vor einigen Monaten bot er ein “Kopfgeld” an, bot demjenigen, der die wahre Identität von La Russophobe (aka “Kim Zigfeld”) enthüllt, eine Nacht in einem Luxusbordell an. Auf Kosten des Exilanten. Auch das “breitärschige Fahndungsphoto”, welches Zigfeld darstellen sollte, war ein Brüller.
Dies war bisher die einzige Gelegenheit bei der man La Russophobe sprachlos sah.
Redaktionskommentar “Московский Корреспондент”
Hier der gestern veröffentliche “Redaktionskommentar” (Редакционный комментарий) des Московский Корреспондент. Die Übersetzung ist von mir, ist daher wahrscheinlich nicht 100%-ig korrekt. Für Hinweise auf Übersetzungsfehler bin ich dankbar.
In den letzten Tagen bemühen sich einige Massenmedien, sich bei der Beleuchtung der Ereignisse um Московский Корреспондент gegenseitig zu übertreffen. Dabei wird ein Märchen nach dem anderen erdacht.
So hat, zum Beispiel, die “Комсомольская Правда”, deren Korrespondent unsere Redaktion am heutigen Morgen besuchte, mehr als zweifelhaftes Material veröffentlicht.
Anfangs bat mich der Korrespondent seine Fragen zu beantworten. Ich sagte, dass es gegenwärtig nichts zu sagen gäbe, da die Ausgabe unserer Zeitung zeitweilig eingestellt ist, da wir gegenwärtig über neue Konzeptionen nachdenken.
Nichtsdestoweniger hat der Korrespondent der “Комсомольская Правда” mir eine Äußerung zugeschrieben, die er angeblich im Gespräch zwischen mir und einer dritten Person aufgeschnappt haben will.
Wir haben den Eindruck, dass einige Kollegen die schwierige Situation unserer Zeitung ausnutzen. Wir halten das für “Aasgeierei”.
Комсомольская Правда hat mit dieser Veröffentlichung wieder einmal die Worte einer russischen Dichterin bestätigt, die unseren “Komsomol Journalismus” als “kühne, tapfere und ausgelassene Sklaverei” bezeichnete.
Igor Dudinsky , Interim-Chefredakteur, Московский Корреспондент
Oder doch nicht ? [Update]
Die Party geht anscheinend weiter, heute ist Московский корреспондент wieder online. Per Präsidialerlass begnadigt ?
Update: Russland - Aktuell weiß anscheinend mehr.
Der Verlag soll mitgeteilt haben:
Das Zeitungsprojekt werde „vorübergehend eingestellt“, weil es nicht rentabel sei und die fünf Mal pro Woche erscheinende Zeitung ihre Auflage von 30.000 Exemplaren auch nur zu 45 Prozent absetzen könne, so Artjom Artjomow, der Geschäftsleiter von Lebedews Medienholding. Auf den Konten der Zeitung seien noch 4 Mio. Rubel (ca. 108.000 Euro), was ausreiche, um mit den Mitarbeitern abzurechnen.
Allerdings scheint die Zeitung selbst nichts davon zu wissen:
„Ich leite derzeit den Zeitungsbetrieb“, erklärte der bisherige Vize Igor Dudinski am 21. April gegenüber Russland-Aktuell. „Ich gehe zu 80 Prozent davon aus, dass unsere Ausgabe morgen erscheint“, sagte Dudinski.
Einen kleinen Widerspruch gibt es im Artikel von Russland - Aktuell aber schon. Einleitend wird geschrieben
Am 11. April hatte die erst vor einem halben Jahr gegründete Zeitung mit einem Artikel international Furore gemacht …
und
Der Schließungsgrund sei rein wirtschaftlicher Natur, der Unterhalt des hochgradig defizitären Blattes hätte ihn (Anm.: dem Eigentümer Alexander Lebedew) fünf bis sechs Millionen Dollar im Jahr gekostet.
Entweder hat die Zeitung ihren Eigentümer bisher fünf bis sechs Millionen Dollar gekostet, oder aber zehn bis 12 Millionen, wenn man man vom heutigen Tage 6 Monate zurückrechnet und die Jahreswende berücksichtigt. Bezieht sich dann “im Jahr angefallene Kosten” auf jeweils, also jeweils in 2007 und 2008 ?
Interessant sind auch die im Artikel genannten Schuldzuweisungen. Alexander Lebedew dementiert eine Einflußnahme des Kremls, der Kreml auch, Lebedew beschuldigt aber die Moskauer Stadverwaltung “Mit Aufkäufen der Auflage, Verkaufsverboten und Anzeigenboykotts habe die Hauptstadtverwaltung den „Korrespondenten“ behindert, was Grund für dessen Unrentabilität gewesen sei.” Die Stadtverwaltung aber schießt zurück, es habe “einfach nur niemand diese Zeitung gekauft, weil sie auf Lügen aufgebaut war und die Moskauer das bestens durchschauen“.
Igor Jakowenko, der Generalsekretär des russischen Journalistenverbands, hat auch eine Meinung …
„Es ist schwer, sich einen anderen Grund für die Schließung der Zeitung vorzustellen.“ (Anm: Als die Einflußnahme “von oben”)
Laut Jakowenko habe Lebedew als Bankier schließlich die Risiken der Herausgabe einer solchen Zeitung gekannt und sie von Anfang an nicht als Mittel zur Gewinnerzielung betrachtet. Nach Jakowenkos Meinung habe man Lebedew einfach klar gemacht, dass er ja auch noch andere Business-Bereiche habe und sich doch besser nicht von seinen Bankgeschäften ablenken lassen sollte.
Auch sei klar, dass ein solches Zeitungsprojekt mindestens anderthalb bis zwei Jahre brauche, um finanziell in den grünen Bereich zu kommen, so der Chefredakteur des in der russischen Yellow Press etablierten „Moskowski Komsomolez“, Wladimir Sungorkin.
Das bisher einzige und allseits bestätigte “Opfer” der Aktion scheint demnach also Ex-Chefredakteur Grigori Nechoroschew zu sein. Spannend, das Ganze. Oder ?
Die Party ist vorbei !
Wer heute die Webseiten von Московский корреспондент aufrufen will, erhält folgende Meldung …
Сайт
www.moscor.ru
отключен администратором и в данный момент недоступен
Die Webseite wurde vom Administrator abgeschaltet und ist gegenwärtig unzugänglich. Das ging flott !
Auch Du, mein Sohn Brutus …
soll Julius Cäsar gesprochen haben, als man ihn meuchelte. Auch Du, Vladimir Vladimirovich ? … fragt sich jetzt die Regenbogenpresse. Bei dieser Frage geht es aber nicht ums Abstechen, hier geht’s ums Abschieben.
Abgeschoben worden sein soll Ludmilla Putina, die (Ex - ?) Ehefrau des amtierenden Präsidenten Vladimir Vladimirovich Putin. So berichtet jedenfalls Московский корреспондент in einem Artikel vom vergangenen Samstag.
Präsident Putin soll sich bereits im Februar klammheimlich von seiner langjährigen Ehefrau Ludmilla scheiden lassen haben, um sich, quasi sub rosa, mit der 24-jährigen Alina Kabajewa zu verloben.
Kabajewa ist in Russland keine Unbekannte. Sie ist Sportgymnastin, gewann als Bodenturnerin im Jahre 2004 die Goldmedaille bei den Olympischen Spielen, nachdem sie vier Jahre zuvor in Sydney bereits Bronze geholt hatte. Kabajewas Vater ist einer der bekanntesten Fussballspieler Usbekistans, ihre Mutter spielte einst in der Basketball-Nationalmannschaft. Im Dezember zog sie als Abgeordnete der Partei “Einiges Russland” in die Duma ein. Im Januar kündigte sie an, sie wolle die Sportkarriere an den Nagel hängen, weil sie eine Sportverletzung nicht erfolgreich habe auskurieren können. Außerdem trage sie sich mit dem Gedanken an eine Heirat, wolle auch gerne Mutter werden.
Lange Rede, kurzer Sinn … Gerüchte besagen, Kabajewa und Putin trügen sich mit Hochzeitsplänen, die Trauung wäre für kommenden Juni geplant, geheiratet werden solle im Petersburger Konstantins-Palast und alles sei in trockenen Tüchern. Auch das Buffet sei bereits geordert. Московский корреспондент kam jedenfalls mit der Story, man habe “eine Quelle” des Catering-Services angezapft, der mit der Ausrichtung der Feierlichkeiten beauftragt worden sein soll.
Die “üblichen Verdächtigen”, soll heißen “die üblichen Klatschreporter” im In- und Ausland, stürzten sich wie die Geier auf die Story. Nur der Schweizer Internetmagazinist “Krusenstern”, der sonst jede Ente veröffentlicht, ist erstaunlich schweigsam. Hat wohl noch niemanden gefunden bei dem er abschreiben kann.
Aus den vermeintlich “Kremltreuen Nachrichtenagenturen” ist über die Story nichts zu erfahren, glaubt man den “Kritikern” ist dies aber nicht ungewöhnlich, da die “komplette russische Presse gleichgeschaltet ist”. Und Putin hält bestimmt “den Deckel ‘drauf”.
Bei Московский корреспондент wirds im Moment “a bisserl eng”. Besagter Catering-Service, “Carnivale-Style”, will von einer Hochzeitsfeier Kabajewa-Putin im Juni nichts wissen, Frau Kabajewas Presesprecherin soll auf Anfrage folgendes geantwortet haben
Wir kommentieren nicht. Московский корреспондент hat bis zum Ablauf des 16. April Zeit die Meldung per Veröffentlichung zu widerrufen, oder aber sich zu erklären, dass kein Widerruf geplant ist. Hören wir nichts, oder aber die Erklärung das kein Widerruf erfolgen wird, werden wir rechtliche Schritte einleiten.
Oooops !
Bei Московский корреспондент wird man langsam hektisch. Der Eigentümer, Alexander Lebedev, der auch Anteilseigner bei Novaya Gazeta ist, kommt mächtig ins Schwitzen, scheint zurück zu rudern. Er behauptet zum Zeitpunkt der Veröffentlichung im Angelurlaub gewesen zu sein, sei telefonisch nicht erreichbar gewesen und habe von der Meldung erst nach seiner Rückkehr erfahren. Er wollte nicht bestätigen, dass seine Voice-Mailbox auf dem Handy voller freundlicher Anrufe aus dem Kreml gewesen sein soll. Nochmal “oooops”.
Московский корреспондент versucht nun krampfhaft die “Meldung” anderweitig bestätigt zu bekommen, kündigt an “alles und jeden” zu veröffentlichen, der hierzu etwas zu sagen / schreiben hat. Natürlich auch alle Stellungnahmen seitens Frau Kabajewas. Aus der Redaktion verlautet nun der vielsagende Satz
Wir finden es derzeit nicht angebracht einen Widerruf zu veröffentlich, obwohl es auch uns schwerfällt an die Richtigkeit der Meldung “Olympiasiegerin heiratet Russischen Präsidenten” zu glauben.
Aha !
Krampfhaft versucht man nun aus der Geschichte wieder heraus zu kommen, bemüht sogar die auch in Russland bekannte Tradition des “Aprilscherzes” . Die vermeintliche Urheberin des “Aprilscherzes” scheint man auch schon ausgemacht zu haben … Svetlana Medwedewa, die Frau des zukünftigen russischen Präsidenten Dmitri Medwedew. Erneut … Oooops !
Mal sehen wie das weitergeht. Man muss wohl nicht erwähnen, dass sich die Lästermäuler in der English Language Russia Blogosphere kräftig das Maul zerreißen, wie sonst auch. Dort heißt es
… Putin macht den Sarkozy.


