Feindbilder im Lauf der Zeit
Seit heute ist er wieder unterwegs, zumindest auf den Leinwänden der deutschen Lichtspielhäuser. Der smarteste, tougheste und draufgängerischste Archäologe aller Zeiten schwingt wieder seine Peitsche und bekämpft politically correct die Feinde der Freiheit und der Demokratie. Indiana Jones ist wieder da, zum 4ten Male seit 1981.
Dr. Henry Jones jr. , der sich seinen Spitznamen “Indiana” (Kurzform: “Indy”) vom Familienhund aus Kindertagen borgte, ist nach “Jäger des verlorenen Schatzes” (1981), “Indiana Jones und der Tempel des Todes” (1984) und “Indiana Jones und der letzte Kreuzzug” (1989) nun mit “Indiana Jones und das Königreich des Kristallschädels” ( 2008 ) wieder unterwegs.
Im Jahre 1981 erfuhren wir, dass die bösen Nazis die geheimnisvolle und verschollene Bundeslade der Bibel mopsen wollten um stets siegreich zu sein. Drei Jahre später gaben die Nazis die “Rolle der Bösen” kurz an dubiose Religionsfanatiker weiter, die als organisierte Verbrecher (in Indien) hinterhältig morden und rauben, um dann 1989 das Zepter wieder an die Nazis zurück zu geben. Diese versuchten sich den Heiligen Gral anzueignen, wohl um dem braunen Adolf Aloisowitsch die Unsterblichkeit zu verschaffen.
Im Jahre 2008, die Nazis sind kurzfristig nicht politisch opportun (und Harrison Ford wohl auch zu alt, um glaubwürdig die Zeitlinie retten zu können), geht der Staffelstab an … na ? … richtig ! … die bösen Sowjets über. Die gottlosen Roten jagen, wie auch Dr. Jones jr., dem kristallenen Schädel einer Mayagottheit hinterher.
Die ersten Filmkritiken zu “Indiana Jones und das Königreich des Kristallschädels” sind wenig schmeichelhaft, ich möchte mich aber zurückhalten und keinem den Spaß bzw. die Vorfreude verderben. Ein paar Gedanken möchte ich mir aber dennoch machen … zu den Feindbildern in Hollywoodproduktionen und Werken amerikanischer Erfolgsautoren.
Ich weiß nicht ob es dem geneigten Leser ebenfalls auffällt, ich glaube jedoch, dass sich Hollywood und die Autoren am jeweiligen politischen Klima in den USA orientieren, dem vorwiegend amerikanischen Konsumenten genau das vorsetzten, was politisch opportun ist. Besonders auffällig ist es, so meine ich, bei Tom Clancy. Hier eine kurze Chronologie seiner Werke, die auch zur Vorlage mehrerer Hollywoodproduktionen wurden.
Im Erstlingswerk, Jagd auf Roter Oktober (1984), befasst sich Clancy mit den Sowjets. Die USA befinden sich im Kalten Krieg und der Feind ist die UdSSR, demnach kann sich das Feindbild nur auf diese beziehen. Die UdSSR ist böse, aggressiv, kriegslüstern und menschenfeindlich, konstruiert ein geräuschloses Uboot um mit diesem, als Erstschlagswaffe, die USA zu vernichten. Nur dank eines aufrechten Kapitäns der Roten Flotte, der kein Russe sondern Littauer ist, gelingt es den USA diese Waffe in die eigenen Hände zu bekommen und den III. Weltkrieg zu verhindern. Besonders witzig finde ich die unbeabsichtigte Namensgleichheit des linientreuen Politoffiziers der “Roter Oktober” mit einer Persönlichkeit des heutigen Russlands … Putin.
Der Politoffizier, das personifizierte Böse und Schlechte der UdSSR, musste bereits auf den ersten Seiten des Buches, sowie auch in den ersten Minuten der späteren (gleichnamigen) Verfilmung, sterben. Per Genickbruch durch den aufrechten Littauer ermordet.
Im Sturm, dem zweiten Buch aus dem Jahre 1986, und immer noch im Kalten Krieg, brechen die Sowjets den III. Weltkrieg vom Zaun. Sie erobern Island und marschieren in West Deutschland ein. Natürlich scheitern sie am heldenhaften Widerstand der Amerikaner, die erneut in Europa kämpfen um Freiheit und Demokratie gegen eine abscheuliche Diktatur zu verteidigen.
Die Stunde der Patrioten, erschienen im Jahre 1987, widmet sich dann ganz der amerikanisch-britischen Freundschaft. Es herrscht gerade politisches Tauwetter, Ronald Reagan und Michail Gorbatschow kommen sich näher, die UdSSR eigenet sich vorübergehend nicht als Feindbild. Daher müssen, vertreten durch die IRA, erstmals Terroristen als Bösewichter herhalten.
Der Kardinal im Kreml, aus dem Jahre 1988, rückt dann aber schnell das in Schieflage geratene Weltbild wieder gerade. UdSSR und USA liefern sich wieder den üblichen Wettlauf um die Weltherrschaft, natürlich gewinnen die USA und zwingen sogar den Chef des KGB das politische Lager zu wechseln. Witzig ist hier, und auch dieses konnte Clancy nicht ahnen, dass es heute ebenfalls einen “Namensvetter” des bösen KGB Chefs gibt, der allerdings nicht “ans Überlaufen” denkt. Seine Name … Golowko.
Der Schattenkrieg aus dem Jahre 1989 ignoriert dann kurzfristig die Rivalität der Supermächte und wendet sich dem neuen “US-Staatsfeind Nr. 1″ zu, den Drogen. Die USA erklären den “War on Drugs” zur Chefsache, gehen militärisch gegen ihren früheren Liebling Noriega in Panama vor, engagieren sich geheimdienstlich in Nicaragua und Kolumbien. Ganz politically incorrect kann Clancy aber dennoch nicht werden, der Chefstratege und Sicherheitschef der Drogenbarone ist Félix Cortez … ein Kubaner.
Mit Das Echo aller Furcht aus dem Jahre 1991 wendet sich Clancy, in den USA ist die UdSSR jetzt zweitrangig geworden und der Krieg gegen die Drogen gescheitert, nun erstmals dem Nahen und Mittleren Osten zu. Den Israelis ist im Laufe des Jom-Kippur-Krieges von 1973 eine Atombombe abhanden gekommen, wird aber Jahre später wieder aufgefunden und fällt in die falschen Hände. Extremisten benutzen sie dazu die USA und die UdSSR in einen Krieg zu stürzen. Interessant ist hier, wie sich Buch und Verfilmung von einander unterscheiden. Im Jahre 1991 befinden sich die USA in einem Hoch der pro-Israel Stimmung, daher sind die Bösewichte Islamisten. Als “das Echo aller Furcht” aber im Jahre 2002 verfilmt wird, ganz unter dem Eindruck des 11. September 2001 (neudeutsch: 9/11), sind zwar die Islamisten die erklärten Feinde der USA, man braucht aber dringend die Unterstützung der muslimischen Golfstaaten im “War on Terror”. Die USA marschieren in Afghanistan ein, der Golfkrieg von 2003 befindet sich in Vorbereitung. Man darf also den wenigen muslimischen Verbündeten nicht vor den Koffer scheißen den Kopf stoßen und ersetzt, im Film, die Bösewichte kurzerhand durch (mal wieder) die Nazis. Diesmal aber durch österreichische Neonazis und den perfiden Sohn eines in Nürnberg hingerichteten Kriegsverbrechers.
Allerdings kann man die Russen nicht ganz vom Haken lassen, daher sind es auch unzufriedene, unterbezahlte und frustrierte russische Wissenschaftler die in der Ukraine die Atombombe einsatzbereit machen. Natürlich spielt auch ein geldgeiler russischer Luftwaffengeneral den Nazis in die Hände, indem er seine Bomberbestzungen auf einen amerikanischen Flugzeuträger hetzt.
Im Jahre 1993 muss Clancy mit Gnadenlos nun allerdings Erklärungsarbeit leisten, da er in Schattenkrieg und Das Echo aller Furcht plötzlich einen Helden aus dem Hut gezaubert hatte, den er erst einmal erklären muss. Im Gegensatz zu Jack Ryan, dem Überhelden der nun bereits hinlänglich bekannt ist, muss der neue Supermann John Clark erst erläutert und in die Zeitlinie eingebaut werden. Dies geschieht außerhalb der Zeitlinie und mit dem Rückgriff auf den Vietnamkrieg. Vielleicht will man aber auch nur die amerikanische Nation wieder mit ihren ungeliebten Veteranen versöhnen. Amerika liebt eben keine Verlierer, daher waren die Veteranen des Vietnamkrieges jahrzehntelang die Stiefkinder der Nation.
1994 ist die Welt aber wieder halbwegs in Ordnung gebracht. Die UdSSR ist Geschichte, Wladimir Wladimirowitsch Putin ist noch nicht da, mit Boris Yeltsin ist man befreundet, Russland eignet sich vorübergehend nicht als Feindbild. Der amerikanische Präsident heißt Bill Clinton, Monika Lewinski ist noch nicht aktuell. In Ehrenschuld müssen daher alte Feinde aus der Vergangenheit herhalten … die Japaner.
Japanische Großindustrielle verschwören sich gegen die USA, greifen die US-Börsen an und nehmen Pazifik-Inseln ein. Es droht ein Krieg … der reale US-Wirtschaftskrieg gegen Japan, dem man seinen wirtschaftlichen Erfolg und die Einkaufstouren in USA neidet und übelnimmt, wird kurzerhand zum fiktiven militärischen Konflikt umgemünzt, in dessen Verlauf man es den Schlitzaugen so richtig zeigen kann. Die rächen sich aber mit einem Kamikazeangriff einer japanischen Airline - Boeing 747 auf den US-Kongress … und Clancys Überheld wird endlich Präsident. Jetzt passt es wieder.
In 1996 hat man sich mit den Japanern wieder versöhnt, man hat sie schließlich auf die richtige Größe zurechtgestutzt und wieder gefügig gemacht, einen Kriegsverlierer (hier: II. Weltkrieg) darf man ja nie wohlwollend gegenüber stehen, braucht aber wieder einen Feind. In Befehl von Oben müssen also wieder die Islamisten herhalten, diesmal personifiziert durch den Iran, der quasi im zeitlichen Vorausgriff Saddam Hussein ermordet und sich mit dem Irak zur Vereinigten Islamischen Republik vereinigt. Kurze Gastspiele im “Reich des Bösen” geben auch China und Indien (beide bereits in Ehrenschuld im Lager des Bösen). Hauptakteure sind allerdings die bösen Islamisten, die einen Angriff mit Biowaffen auf die USA starten um jene daran zu hindern in den geplanten Krieg gegen Kuwait und Saudi Arabien einzugreifen. Aber natürlich überleben und gewinnen die Amerikaner. Anders darf es schließlich nicht sein.
1998 ist ein besonders schweres Jahr für Clancy und die USA, Russland eignet sich immer noch nicht als Feindbild, die Schlitzaugen und die Islamisten (letztere vorübergehend) sind ja schließlich abgefertigt. Also widmet man sich in Operation Rainbow den Umweltfreunden und Baumliebhabern, indem man kurzerhand eine elitäre Anti-Terror-Einheit gründet, baskische Separatisten erledigt und die menschliche Rasse vor der Ausrottung durch ein tödliches Virus bewahrt. Da Donald Rumsfeld “Old Europe” noch nicht neu erfunden hat, dürfen auch einige “unruly Europeans” bei Rainbow mitspielen … auch Deutsche. Danke !
Aber 2001 ist, Gott sei Dank, die Welt ja fast wieder heile. Putin ist zwar schon russischer Präsident, man hat aber seine Hörner und seinen Pferdefuß noch nicht entdeckt und Anna Politkowskaja lebt auch noch. Kim Ziegfeld kennt auch noch keiner, die taucht erst 2006 in der Blogosphäre auf. Aber China ist noch da, also werden die Essstäbchen gezückt und die Reisfresser vernascht. Im Zeichen des Drachen greift die Volksrepublik China Russland an, um an Öl und Gold zu gelangen. Präsident Ryan erkennt Taiwan als unabhängig an und die US-Streitkräfte helfen Russland sich gegen die Chinesen zu verteidigen. Außerdem wird Russland, zur Abschreckung der Gegner, in die NATO aufgenommen.
Wegen dieser literarisch-fiktiven Hilfe beißen sich Clancy und das Pentagon noch heute in den Arsch Teppich, hätte man damals doch blos die Reisfresser Chinesen und das neo-sowjetische Russland sich gegenseitig fertigmachen lassen. Das Weltbild wäre heute einfacher. Und Russland in der NATO ? Igittigittigit !
2002 wird wieder einfacher. Politkowskaya lebt zwar immer noch, Ziegfeld ist immer noch nicht da, aber den perfiden Putin hat man endlich durchschaut. Die Neo-Sowjetunion taugt endlich wieder als Feindbild. Hurra ! Die Lösung heißt Red Rabbit, der “rote Hase”. Ein Überläufer aus der (auferstandenen) Sowjetunion liefert Hinweise auf ein geplantes Attentat auf den Papst (den man Karol nennt). Die Bösen sind, neben den Russen Sowjets, nun auch mal die Bulgaren.
Als sich im Jahre 2003 die Möglichkeit bietet Saddam Hussein vom Sockel zu stoßen, schwenkt auch Clancy um und widmet Im Auge des Tigers seine Aufmerksamkeit wieder den Muslimen Islamisten. Jack Ryan geht in Pension, sein Sohn Jack Junior übernimmt die Rolle als Weltenretter, man stellt sich wieder an die Seite Israels und jagt islamistische Terroristen. Ganz im Geiste des 9/11 werden die USA Ziel terroristischer Anschläge, die man aber weitestgehend verhindert, und man spielt “ermordet die Mörder” in einem globalen Spiel. Die Welt ist wieder sicher, die USA werden ihrer Rolle als Weltpolizist gerecht.
— Schnitt —
Seit 2003 ist es ruhig um Clancy geworden, er ist schließlich nicht mehr der Jüngste. Außerdem hat er sich, als Teileigentümer der Baltimore Orioles, ganz dem Major League Baseball gewidmet. Hier betreibt er als Vizepräsident die Öffentlichkeitsarbeit und die “Gemeindeaktivitäten”. Ob er auch als “Chefkommunikator” und “Fundraiser” aktiv ist, ist nicht bekannt.
Zurück zu Dr. Jones jr. Die Frage lautet nun … Д́октор Генри «Индиана» Джонс, младший … nur schlechtes Kino oder politisches Statement Hollywoods ? Wer weiß es ?
Gedanken zum 8. Mai
Gestern tauschte ich wieder rege eMails mit einem meiner Freunde in Moskau aus. Er ist Chemiker von Beruf, aber auch ein engagierter Historiker. Der Große Vaterländische Krieg hat für ihn, wie für viele seiner Landsleute, eine besondere Bedeutung.
Neben seinen Recherchen in den Archiven ist er auch als “копатель” bzw. “поисковик” unterwegs, was sich wohl am Ehesten als “Ausgräber” und “Sucher” bzw. “Erkunder” übersetzen ließe. Als Mitglied einer staatlich lizensierten - und somit legalen - Gruppe beteiligt er sich an Suchaktionen und Grabungen auf den Schlachtfeldern des großen Krieges, übergibt Grabungsfunde an Museen und Behörden, meldet Fundmunition dem Räumdienst.
Wichtiger für ihn ist jedoch, dass seine Gruppe in den letzten Jahren die sterblichen Überreste dutzender gefallener Soldaten auffinden und identifizieren konnte. So konnten diese Vermissten des Krieges, Freund wie auch Feind, eine würdige Grabstätte finden und dem Vergessen entzogen werden.
Wir sprachen auch über das Kriegsende, in dessen Gedenken auch dieses Jahr wieder Paraden und Feierlichkeiten abgehalten werden.
In der Russischen Föderation begeht man den День Победы - den Tag des Sieges - am 9ten Mai. In der Deutschen Demokratischen Republik gedachte man am 8ten Mai, dem offiziellen “Tag der Befreiung des deutschen Volkes vom Hitlerfaschismus” , der 1950 auf Beschluss der Volkskammer als Feiertag eingeführt wurde.
In der Bundesrepublik Deutschland ist der 8. Mai, weder vor noch nach der Wiedervereinigung der beiden deutschen Staaten, nie ein offizieller Feiertag gewesen.
Die Gründe hierfür sind wohl vielschichtig, denn trotz einer Rede des deutschen Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker - am 8. Mai 1985 - in der er diesen Tag als „Tag der Befreiung vom menschenverachtenden System der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft“ bezeichnete, hat der 8. Mai in einigen Schichten der deutschen Gesellschaft noch den Charakter des “Tages der bedingungslosen Kapitulation”.
Seit der Rede Weizsäckers, verstärkt noch ab 1995, wird in der Bundesrepublik von diversen Historikern im Vorfeld des 8. Mai stets öffentlich diskutiert, ob an diesem Tag der Aspekt der Befreiung oder eher ein Aspekt der Niederlage im Vordergrund stehen sollte.
Die Debatte zu diesem Punkt dauert bis in die Gegenwart an. Nach der Ansicht einiger Historiker ist der Begriff “Tag der Befreiung” auch deshalb umstritten, da nach deren Auffassung die Sowjetunion für die Bürger der neuen Bundesländer nicht als Befreier kam, sondern den Grundstein für eine neue Diktatur gelegt habe.
So fand 2005 in Berlin, zum 60. Jahrestag, zwar ein „Tag der Demokratie“ statt, aber lediglich das Bundesland Mecklenburg-Vorpommern erkennt den 8. Mai - seit dem 8. März 2002 - als staatlichen Gedenktag an, begeht ihn als “Tag der Befreiung vom Nationalsozialismus und der Beendigung des 2. Weltkrieges”.
Strittig ist auch, ob man diesen Tag - wenn überhaupt - am 8. oder am 9. Mai begehen sollte. Ursächlich hierfür sind weniger die 2 Stunden Zeitdifferenz zwischen Moskau und Berlin, sondern eine “militärische Formalität”.
Nachdem sich Adolf Hitler am 30. April 1945 durch Selbstmord feige aus der Verantwortung stahl , erklärte sein Nachfolger als “Reichspräsident und Oberbefehlshaber” - Karl Dönitz - in einer Rundfunkansprache an das deutsche Volk
„Meine erste Aufgabe ist es, deutsche Menschen vor der Vernichtung durch den vordrängenden bolschewistischen Feind zu retten. Nur für dieses Ziel geht der militärische Kampf weiter.“
In diesem Sinne versuchte Dönitz einen Waffenstillstand mit den Westalliierten zu erreichen, nachdem große Teile der deutschen Streitkräfte bereits in den Niederlanden, Italien, Dänemark und sogar im “Reichsgebiet” kapituliert hatten.
Dieser Versuch, den Krieg quasi in einen östlichen und einen westlichen zu teilen, scheiterte jedoch am 06. Mai 1945 im französischen Reims, wo der alliierte Oberbefehlshaber “West” - General Dwight D. Eisenhower - sein operatives Hauptquartier aufgeschlagen hatte.
Eisenhower lehnte den einseitigen Waffenstillstand ab, woraufhin Dönitz Generaloberst Jodl, den Chef des Wehrmachtführungsstabes, der ursprünglich nur zum „Abschluss eines Waffenstillstandsabkommens mit dem Hauptquartier des Generals Eisenhower“ befugt war, über Funk zur Unterzeichnung einer bedingungslosen Kapitulation aller deutschen Truppen ermächtigte. Dies geschah am 7. Mai 1945, in der Zeit von 2:39 bis 2:41 Uhr. Das Ende der Kampfhandlungen, und somit die Kapitulation, sollte am 8. Mai um 23:01 Uhr Mitteleuropäischer Zeit eintreten, somit um 01:01 Uhr Moskauer Zeit.
Der Reichssender Flensburg verkündete daher am 7. Mai um 12:45 Uhr, zum ersten Mal von deutscher Seite her, das Ende des Zweiten Weltkriegs in Europa.
Da die militärische Kapitulation lediglich von Jodl, nicht aber von den Oberbefehlshabern der einzelnen Teilstreitkräfte der deutschen Wehrmacht unterzeichnet werden konnte, wurde ein weiteres Dokument unterzeichnet, das die Ratifizierung dieser Kapitulation durch das Oberkommando der Wehrmacht sowie die Oberbefehlshaber von Heer, Luftwaffe und Marine beinhaltete.
Dies erfolgte durch Unterzeichnung einer weiteren Kapitulationsurkunde im sowjetischen Hauptquartier in Berlin-Karlshorst um 0:16 Uhr in der Nacht vom 8. zum 9. Mai durch Generalfeldmarschall Keitel für das Oberkommando der Wehrmacht und das Heer, Generaladmiral von Friedeburg für die Kriegsmarine und Generaloberst Stumpff für die Luftwaffe, alle drei bevollmächtigt durch Dönitz.
Da in der Sowjetunion die deutsche Kapitulation erst nach diesem Akt akzeptiert und bekanntgegeben wurde, gilt in Russland der 9. Mai als offizielles Kriegsende, während in Deutschland der 8. Mai allgemein akzeptiert wird.
Man könnte ebenfalls darüber diskutieren, ob am 8. Mai der 2. Weltkrieg endete, am 9. Mai aber der Große Vaterländischen Krieg. Für westliche Historiker begann der 2. Weltkrieg mit dem deutschen Angriff auf Polen - am 1. September 1939.
Zu diesem Zeitpunkt waren sich die Sowjetunion und das faschistische Deutschland noch - per Hitler-Stalin Pakt, Molotow-Ribbentrop-Pakt oder Deutsch-Sowjetischem Nichtangriffspakt , je nach Lesart - “freundschaftlich verbunden”. Dies änderte sich erst am 22. Juni 1941, als Deutschland diesen Pakt brach, in der Sowjetunion einmarschierte und damit den Großen Vaterländischen Krieg vom Zaun brach.
Wenn man sich also nicht einigen kann, ob es sich beim Großen Vaterländischen Krieg und dem 2. Weltkrieg überhaupt um den selben Krieg handelt - beide haben schließlich unterschiedliche Anfangsdaten und sind daher vielleicht “nur” zwei Kriege die “zufällig” zeitweise parallel wüteten - dann darf man sich ruhig auch über den “Tag des Sieges”, den “Tag der Kapitulation” und den “Tag der Befreiung” uneinig sein.
Sollen wir nun auch diejenigen befragen, die der Auffassung sind, dass eine Kapitulation Deutschlands, d. h. des Deutschen Reichs 1945, nach “herrschender Meinung in der Rechtswissenschaft” nie stattgefunden hat ? Das Deutschland zwar besiegt oder befreit wurde, aber nie kapitulierte ?
Glaubt man der vorherrschenden Meinung der Amerikaner, dann haben diese “den Krieg” sowieso im Alleingang gewonnen, wobei sie sich mit den Engländern uneins sind, die selbiges für sich in Anspruch nehmen. Ohnehin scheinen beide Nationen “ihren Krieg” immernoch zu kämpfen, so wie sie auch den kalten Krieg gegen die Sowjetunion - heute gegen Russland - immernoch kämpfen. Ihre fortgesetzte und omnipräsente Phobie - ihre Russophobie wie auch ihre Germanophobie - vermittelt jedenfalls diesen Eindruck.
Wiedemauchsei - einzig sicher ist für mich, dass ich auch morgen wieder eMails aus Russland bekommen werde, in denen mir meine dortigen Freunde zum 9. Mai gratulieren werden, wir gemeinsam an unsere Freundschaft denken werden. Und wir werden feststellen, dass es zwischen Russen und Deutschen unserer Generation keine offenen Rechnungen gibt - wir auch keine neuen Rechnungen aufmachen wollen - und uns gemeinsam über diejenigen ärgern werden, die nicht begriffen haben, dass wir uns auch nicht aufeinander hetzen lassen wollen.
Teurer Denkmalstreit
Vor etwas über einem Jahr schrieb ich zwei Artikel über den “Bronzesoldaten von Tallinn”, das Denkmal für die gefallenen Sowjetsoldaten welches früher in der Stadtmitte der estnischen Hauptstadt stand.
Nach heftigen Protesten, Demonstrationen, wiederholten mehrtägigen Randalen (mit einem Todesopfer) und politischem Tauziehen mit Russland wurde das Denkmal aus dem Stadtzentrum entfernt und auf einem außerhalb Tallinns liegenden Militärfriedhof wieder aufgestellt.
Bis heute verstummen die Stimmen nicht, die behaupten, dass die Wiedererrichtung des Denkmals nur dem Widerstand der in Estland ansässigen Russen, dem politischen Druck Russlands sowie den aufsehenerregenden Aktionen der Jugendorganisation “Наши” zu verdanken sei. Estland wird bis heute in manchen Kreisen unterstellt, dass es damals das Denkmal stillschweigend demontieren und einschmelzen wollte. Dies nicht, wie behauptet, aus verkehrstechnischen Gründen, sondern aus purem Nationalismus und als Provokation gegen Russland.
Wie dem auch sei, welche Gründe damals nun tatsächlich zum Denkmalstreit und der Verlegung des Denkmals führten, für Estland ist diese Aktion laut einem Artikel von Russland-Aktuell nicht ohne wirtschaftliche Folgen geblieben.
Emotionen kochten hoch, als Estland vor einem Jahr das Denkmal für den Sowjetsoldaten aus der Tallinner Innenstadt verbannte. Nun haben kühle Köpfe errechnet: Die Aktion kostete Estland 450 Millionen Euro.
Laut Russland-Aktuell sollen seit Mai 2007 13 Prozent weniger Waren und 16 Prozent weniger Öl in Estland umgeschlagen worden sein. Nutznießer des Denkmalstreits soll das benachbarte Litauen sein, der Umschlag von Waren aus bzw. nach Russland über den Hafen von Kleipeda soll sich im genannten Zeitraum verdoppelt haben. Dies, obwohl Moskau zu keiner Zeit zu einem Boykott Estlands aufgerufen haben soll (Quelle).
Georgien beschuldigt Russland
… im Luftraum über Abchasien eine georgische Drohne (UAV = Unmanned Aerial Vehicle / Unbemanntes Luftfahrzeug) abgeschossen zu haben. Jetzt wird erstmals Videomaterial präsentiert, welches den Angriff einer vermeintlich russischen Mig 29 auf die Drohne beweisen soll.
Hier die “Türkische Variante”, weil sie mit so schönen Soundeffekten unterlegt ist. Richtig dramatisch, oder ? Eine ausführlichere Version gibt es bei Reuters, mit reichlich Kommentaren und Erklärungen der Georgier.
Zusammenfassend, Georgien besteht darauf, dass es sich bei dem Flugzeug um eine russische Mig 29 handeln muss, weil a) das Doppelleitwerk für eine Mig 29 typisch sei und b) Georgien keine Flugzeuge diesen Typs im Arsenal habe. Dies, obwohl die Maschine keine erkennbaren Hoheitskennzeichen trägt.
Es lägen auch Radarbilder vor, die bestätigen würden, dass die Maschine in Abchasien aufgestiegen sei um die Drohne abzuschießen. Danach habe sie sich schnell entfernt und sei auf russischem Territorium gelandet.
Georgien nutzt das Videomaterial um seine Behauptung zu untermauern, dass Russland als “Peacekeeper” in der Region ungeeignet sei, sogar zu Gunsten der “abchasischen Separatisten” in den Konflikt um die “abtrünnige georgische Provinz” eingreife.
Georgien habe die Drohne gestartet um Truppenbewegungen der “abchasischen Separatisten” im Grenzgebiet zu beobachten.
In jeder Propaganda …
… steckt ein Fünkchen Wahrheit … aber wo wir uns doch alle so lieb haben … können wir das aushalten. Wie war das doch gleich ? Frei nach Vladimir Vladimirovich …
Wer den Untergang der Sowjetunion nicht bedauert, hat kein Herz. Wer sie zurück haben will, ist ein Amerikaner.
Ok … entspannt euch wieder … das war ein Scherz.
Die fünf besten englischsprachigen Russland-Blogs ?
Eigentlich wollte ich ja nicht mehr … aber irgendwie ist mir heute so danach.
Andy Young von “Siberian Light” nimmt einen neuen Anlauf, … “The Top 5 Russia Blogs” … deshalb hier mein unmaßgeblicher Kommentar.
Platz 1: Sean’s Russia Blog
Kommentar: Volle Zustimmung.
Platz 2: La Russophobe
Kommentar: Fehlgriff ! Gehört bestenfalls auf Platz 1 der schlimmsten Brechmittel der Blogosphäre.
Platz 3: Russia Blog
Kommentar: Fehlgriff ! Wer irgendwo dranhängt wo “Intelligent Design” drauf steht, der eignet sich nicht zur Meinungsbildung.
Platz 4: Robert Amsterdam
Kommentar: Fehlgriff ! Ein Oligarchenanwalt als wasauchimmer ? Hmmm … schlimmer gehts nimmer.
Platz 5: English Russia
Kommentar: Neutral. Vielleicht verdient … vielleicht auch unverdient. Habe also keine explizite Meinung dazu.
Anmerkungen:
In einem eigenen Kommentar zu seinem Artikel schreibt Andy, als Antwort auf den Vorschlag sich selbst in seine “Top 5″ aufzunehmen, unter anderem folgendes …
[...] Maybe what I should do is write an anonymous Top 5 list with Siberian Light at the top and see if I can get it published somewhere else […]
Übersetzung: “Was ich vielleicht tun sollte, ist eine anomyme Top-5-Liste, mit “Siberian Light” ganz oben, zu schreiben und zusehen ob ich das Ding anderswo publiziert kriege.”
Ok Andy, schieb das Teil rüber, ich veröffentliche es für Dich. Aber nur wenn Du Sean mit aufs Podest holst und Platz 2 leer bleibt. Wenn Du aber auf La Russophobe in Deiner Liste bestehst, dann musst Du auch meinen erklärten Liebling der “English Language Russia Blogosphere” zu etwas Publicity verhelfen.
Auf den “Amerikanischen Krusenstern” … Averko’s Russia Report … darf keinesfalls verzichtet werden. Fastfood … außen appetitlich, innen geschmacklos, ohne erkennbaren Nährwert, bei längerem Genuß gesundheitsschädlich und bereits jahrelang im Geschäft. “Krusenstern” auf Englisch eben.
Andy ? “Deal” or “No Deal” ?
Aber mal ohne Jux und Dollerei … bei dem was man von der “English Language Russia Blogosphere” erwarten kann und muss, da setzen “Siberian Light” und “Sean’s Russia Blog” positive Akzente.
Schlechte Verlierer …
… sind mal wieder unsere “Amerikanischen Brüder” von der CIA.
Wie RIA Novosti berichtet, echauffieren sich die “Spooks” (englischer Spitzname für “Spione”) gerade gewaltig über das Buch “Legacy of Ashes” (Das Erbe der Niederlagen) von Tim Weiner.
Weiner listet ausführlich die Schlappen der US-Geheimdienste auf und kommt zu dem Schluss, die CIA habe in der Schlacht gegen die sowjetische Aufklärung den Kürzeren gezogen.
Die Kommentare der CIA lauten wie folgt:
Das Buch ‚Legacy of Ashes’ von Tim Weiner, welches vor kurzem herausgegeben worden ist, malt ein ziemlich düsteres Bild von der Vergangenheit der CIA. Gestützt auf ziemlich umfangreiche Zitate, die aus dem Zusammenhang herausgerissen worden sind, und begeistert von allem Negativen, bemerkt Weiner nicht, dass er die Erfolge der Verwaltung auf ein Minimum reduziert oder entstellt.
und
Weiner berichtet korrekt über die sowjetischen Quellen, die aufgrund des Verrats von Aldrich Ames ermordet worden sind. Doch nirgends werden das Können und die Erfahrungen erwähnt, der es bedurfte, um diese Quellen zu werben und die Geheimdienstinformationen zu beschaffen, die sie den USA übergeben haben.
Auch nett ist …
Tim Weiner hatte die Chance, die Geschichte eines komplizierten und wichtigen Themas ausgewogen zu behandeln, doch er hat es nicht getan. Seine Vorurteile haben die Oberhand über die Kompetenz des Forschers gewonnen. Die wahre Geschichte der CIA kann man aus “Das Erbe der Niederlagen” nicht erfahren
Im Vorwort seines Buches weist Weiner daraufhin, dass er sich auf mehr als 50 000 Dokumente gestützt habe, vor allem aus den Archiven der CIA, des Weißen Hauses und des US-Außenministeriums. Mehr als 2 000 Offiziere der amerikanischen Nachrichtendienste, Soldaten und Diplomaten habe er befragt. In mehr als 300 Interviews aus der Zeit seit 1987 seien Offiziere und Veteranen der CIA zu Wort gekommen, darunter auch zehn CIA-Direktoren.
Auf über 700 Seiten schildert Weiner verschiedene Aspekte aus der Tätigkeit der CIA, welche, wie er überzeugt ist, zu Fehlschlägen und Niederlagen geführt haben. Seine Hauptschlussfolgerung besteht indes darin, dass die amerikanischen Präsidenten die Hauptschuld an dem Fiasko der CIA haben.
Sein wir doch mal ehrlich zueinander … die Amerikaner haben doch erst gemerkt, dass die deutsche Wiedervereinigung anstand, als ihnen die Brocken von der Berliner Mauer auf den Kopf gefallen sind. Fürs Ego ist es jedoch besonders schlimm, dass sich ein Journalist dieses Themas annimmt und die “Spooks” öffentlich vorführt.
Weiner schreibt treffend …
Um ihr institutionelles Überleben in Washington zu sichern, braucht die CIA ganz unmittelbar das Ohr des Präsidenten. Doch die Verwaltung hat sehr schnell begriffen, dass es gefährlich ist, dem Präsident das zu sagen, was er nicht hören will. Die Analytiker haben gelernt, im Trott mitzumarschieren. Die CIA hat die Kraft des Kommunismus überschätzt und die Bedrohung durch den Terrorismus falsch eingeschätzt.
Quelle: RIA Novosti
Webseite: “Engines of the Red Army in WW II”
Heute gibts einmal einen “Linktipp”, sozusagen eine Webseite als “Literaturtipp”. Eine Webseite, die der Betreiber mit viel Liebe zum Detail und großem handwerklichen Geschick auf die Beine gestellt hat.
Ich kenne diese Seite schon eine ganze Weile, besuche sie immer wieder gerne, kann daher auch etwas zur Historie dieser Seite sagen.
Ursprüngliches Thema waren die über 450.000 Fahrzeuge, welche die UdSSR im Zeitraum 1941 bis 1945 im Rahmen der sogenannten “Leih- und Pachtverträge” von den USA, Kanada und Groß Britannien erhielten und welche von der Sowjet Union im Kampf gegen Nazi-Deutschland eingesetzt wurden.
Kurz zum Hintergrund:
Die “Leih- und Pachtverträge” (Englisch: “Lend & Lease”) entstanden aus einem (so sehe ich es jedenfalls) “juristischen Trick”, fast unmittelbar nach Ausbruch des 2. Weltkrieges, in den USA.
Groß Britannien hatte, in der Schlacht bei Dünkirchen im Jahr 1940, erhebliche Mengen an Kriegsmaterial eingebüßt und litt unter Versorgungsengpässen. Die deutsche Uboot-Waffe fügte der britischen Handelsmarine große Verluste zu und Groß Britannien benötigte dringend militärischen, sowie auch zivilen, Nachschub.
In den USA rangen zwei “politische Fraktionen” um die Frage des US-Amerikanischen Kriegseintritts auf Seiten Groß Britanniens. Die “Isolationisten” strebten die strikte Neutralität der USA in diesem Krieg an, die “Befürworter” wollten die sofortige Kriegserklärung.
Als sich Groß Britannien an die USA wandte, mit der Bitte um Kredite zum Ankauf von Kriegsmaterial, stieß dies auf Ablehnung der “Isolationisten”. Diese beriefen sich auf die “Cash & Carry” - Klausel in der Gesetzgebung bezüglich des Verkaufs von Kriegsmaterial (wonach ein Einkäufer von Kriegsmaterial dieses bar zu bezahlen und mit eigenen Mittel zu transportieren hatte) sowie auf die Tatsache, dass die US-Amerikanische Gesetzgebung die Vergabe von Krediten an “Schuldner” verbot.
Groß Britannien hatte in den USA noch erhebliche Kriegsschulden aus dem 1. Weltkrieg und die Gesetzgebung verbot “neue” Kredite solange die “Altschulden” nicht komplett beglichen waren.
Die “Befürworter”, zu denen auch President Roosevelt gehörte, fanden hierfür eine einfache, aber nicht unumstrittene, Lösung. Man durfte nach der geltenden Rechtsprechung zwar keine Kredite mehr vergeben, niemand verbot aber Kriegsgerät “zu verleihen oder zu verpachten”.
Als Groß Britannien über keine Mittel mehr verfügte um das Kriegsmaterial in den USA mit Barmitteln zu bezahlen bekam es das Material “verliehen und verpachtet”, mit der Auflage es zu einem späteren Zeitpunkt entweder zurück zu geben oder zu ersetzten. Abnutzung und Verschleiß war zu ersetzen, ahnlich einem “modernen” Leasing-Vertrag.
Als nach 1941 die Sowjet Union ebenfalls zum Kriegsteilnehmer gegen Nazi-Deutschland wurde, wurden die “Leih- und Pachtverträge” auch auf die UdSSR ausgedehnt. Die Sowjet Union drängte ständig auf die Eröffnung einer zweiten Front in Europa, die USA “erkaufte” sich das Wohlwollen Stalins (übergangsweise) mit Materiallieferungen.
So kamen, neben millionen von Tonnen an Hilfsgütern, Nahrungsmitteln und Munition auch die oben genannten 450.000 Fahrzeuge in die Sowiet Union.
Zurück zur Webseite:
Ursprünglich trug die Webseite daher den Namen “Trucks Lend-Leased To Russia In WW II” und beschäftigte sich ausschließlich mit eben jenen 450.000 Fahrzeugen aus den “Leih- und Pacht Verträgen”. Mit großer Liebe zum Detail wurden, in großer Zahl, Grafiken von diesen Fahrzeugtypen veröffentlicht, jeweils mit einer ausführlichen Beschreibung und Erklärung der technischen Details und weiterer wissenswerter Fakten.
Vor nicht zu langer Zeit wurde die Webseite jedoch um Fahrzeuge aus sowjetischer Produktion erweitert und zeigt seitdem auch Grafiken von LKW’s, Panzern und anderen Fahrzeugen welche nicht über “Lend & Lease” in die Sowjet Union kamen.
Der Name der Webseite änderte sich in den heutigen, der übersetzt (in etwa) lautet “Maschinen der Roten Armee im Zweiten Weltkrieg”.
Neben den, in meinen Augen hervorragenden, Grafiken werden auf der Webseite auch umfassende Informationen zu “Lend & Lease” (unter: Sources & Links), detaillierte Statistiken und Erklärungen gegeben, so z.B. über welche “Korridore” die Materiallieferungen die UdSSR erreichten.
Die Webseiten sind in Englisch geschrieben um ein möglichst großes Publikum zu erreichen. Trotz der hervorragenden Leistung bleibt der Betreiber bescheiden und anonym (mir ist er namentlich bekannt) , obwohl er sich sicherlich nicht verstecken muss.
Also Leute, schaut euch diese Seite an und schreibt dem Betreiber ein paar nette Worte ins Gästebuch. Ich, als “Nostalgiker” und Liebhaber alter Fahrzeuge, schaue regelmäßig dort vorbei und freue mich über jede neue Grafik. Viel Spaß beim Lesen !
Wohnen mal anders … die Kommunalka
Die kommunale Wohnung («коммуналка») ist, per Definition, eine Wohnung die sich im Staatseigentum befindet und deren Wohnraum gemäß den staatlichen Richtsätzen (Quadratmeter pro Kopf) auf die Bewohner verteilt wird, unabhängig von derem familiären Status und der Konfiguration der Wohnung.
In der Regel leben in einer kommunalen Wohnung kleinere Familien oder alleinstehende Menschen, jede Partei in einem oder mehreren Zimmern, die ein gemeinschaftliches Badezimmer und eine gemeinsame Küche benutzen.
Die Kommunalka vor 1917
Die ersten kommunalen Wohnungen, in denen fast ausschließlich kleinere Familien wohnten, entstanden zu Beginn des 18. Jahrhunderts. Die Besitzer größerer Wohnungen teilten ihren eigenen Wohnraum in provisorische Räume (oft auch Durchgangsräume) auf und vermieteten diese zur Untermiete weiter. Die Wohnungen bestanden in der Regel aus 3-6 Zimmern, mit einer Küche und einer Toilette im Treppenhaus, und wurden oft von 3-6 Familien bewohnt. In den 60er Jahren des 19. Jahrhunderts, nach dem Erscheinen des Romans « Was tun ? » von Nikolai Gawrilowitsch Tschernyschewski, in dem er der Frage nachgeht, wie idealistische Menschen die Welt im Kleinen verändern können, entstanden auch Wohngemeinschaften jüngerer Idealisten, die sich eine Wohnung mit 2-4 Zimmer nahmen und wie heutige Studenten eine Wohngemeinschaft bildeten.
Die Kommunalka in den Jahren 1917-1920
Die kommunalen Wohnungen dieser Periode entstanden nach der Oktoberrevolution des Jahres 1917 und wurden als Maßnahme gegen die von der Landflucht der Bevölkerung hervorgerufene Wohnungsnot in den Großstädten geschaffen. Die Bolschewiki beschlagnahmten den Wohnraum reicher Städter und teilten ihn den Wohnungslosen zu. Per Dekret vom 20. August 1918 (Dekret über die Aufhebung des Privateigentums an Immobilien in Städten) wurde das private Besitzrecht auf Bauten, deren Wohnfläche über einem bestimmten Grenzwert lagen, entzogen und auf die lokalen Organe der Bolschewiki übertragen. Am häufigsten gab es diese Form der Kommunalkas in Petrograd (heute wieder Sankt-Petersburg), wo vor der Revolution viele Wohnungen Eigentum des Großbürgertums und des Adels waren.
Berühmtheit erlangte die Darstellung der Beschlagnahme großbürgerlicher Wohnungen dieser Zeit durch Boris Pasternaks Roman «Doktor Schiwago» , in dem (besonderes in der Filmfassung) geschildert wird wie der Protagonist aus dem Krieg heimkehrt und im ehemals großbürgerlichen Stadthaus des Schwiegervaters nun dutzende von Proletarieren vorfindet und sofort in Konflikt mit den „Bevollmächtigen des Komitees“ gerät.
In die Wohnungen wurden allerdings auch aktive Anhänger der Bolschewiki einquartiert, die in den seltensten Fällen von der Wohnraumnot betroffen waren und von der „Umverteilung des Besitzes“ profitierten.
Lenin schrieb hierzu …
Der proletarische Staat muss bedürftige Familien in die Wohnungen der Reichen einquartieren. Die Einquartierung soll aus bis zu 15 Menschen bestehen: zwei Matrosen, zwei Soldaten, zwei verdiente Arbeiter (einer davon Mitglied unserer Partei, oder ihr zumindest nahestehend), 1 Intellektueller und 8 Menschen aus der arbeitenden Armut, jedoch nicht weniger als 5 Frauen, also Dienstmädchen und ungelernte Arbeiterinnen.
Im Jahre 1918 wurde jedem Bewohner einer Kommunalka 10 qm Wohnraum zugestanden, sofern es sich um einen Erwachsenen oder um ein Kind älter als 12 Jahre handelte. Kindern unter 12 Jahren standen 5 qm zu. Im Jahre 1924 wurde diese Unterteilung jedoch aufgehoben und, unabhängig vom Lebensalter, jedem Bewohner ein Wohnraum von 8 qm zugebilligt.
Bis zum April 1919 wies die zentrale Wohnungskommission Petrograds 36 000 Personen in Kommunalkas ein. Allerdings stieß die Kommission nicht immer auf Zustimmung der eingewiesenen Personen. In vielen Fällen liefen Beschwerden über zu hohe Heizkosten für die großen Wohnungen auf, viele äußerten auch Unbehagen über die Tatsache nun mit „anderen sozialen Kreisen“ zusammen leben zu müssen.
Kommunalkas wurden auch unabhängig von der Entfernung zum Arbeitsplatz zugewiesen, stießen gerade deshalb in vielen Fällen auf wenig Zustimmung. Auch waren viele Menschen auf eine Nebenwirtschaft angewiesen, also auf einen Gemüsegarten oder einen Platz an dem Geflügel und Kleintiere zum Verzehr gehalten werden konnten. Im Stadtzentrum war dies aber nur schwer möglich.
Neben den offensichtlichen Nachteilen gab es aber auch unbestreitbare Vorteile. Ein Ergebnis dieser Maßnahmen war die Verbesserung der Wohn- und Lebensbedingungen der Arbeiter und deren Familien, zumal die Kommunalkas zu diesem Zeitpunkt mietfrei waren.
Im Jahre 1922 hatten, im Vergleich zu 1908, 29 % der ledigen Arbeitern ein eigenes Zimmer, 67 % mehr als ein Zimmer oder sogar eine eigene Wohnung. Dies entsprach einer Verbesserung um bis zu 10 %. Bei den Arbeiterfamilien nahm der Anteil derjenigen mit einem Wohnraum von mehr als einem Zimmer, oder sogar einer eigenen Wohnung, um 28 % auf 64 % zu, der Anteil derjenigen mit nur einem Zimmer stieg um 17 % auf bis zu 33 %. Im Jahre 1908 hatten 52 % der Arbeitsfamilien weniger als ein Zimmer zur Verfügung, während in 1922 solche Familien schon nicht mehr registriert wurden.
Die Verlierer der Einrichtung der Kommunalkas waren unbestritten die ursprünglichen Eigentümer, die Großbürger und Adeligen. Gemäß der Verfassung der UdSSR waren viele ehemalige Besitzer der Wohnungen neben der Eigentumsrechte auch anderer Rechte beraubt. Die nunmehr als „Enteignete“ bezeichneten verloren im Laufe der 20. und 30. Jahre sogar gänzlich den Anspruch auf ihr vormaliges Eigentum, also auch auf Wohnraum der ihnen in ihrem ursprünglichen Besitz verblieben war, und wurden aus den Wohnungen des „Kommunalbestandes“ ausgewiesen und wurden umgesiedelt.
Die Kommunalka in der Zeit der „Neuen Ökonomischen Politik“ (NEP) nach 1921
Die Mietfreiheit des Wohnraum führte dazu, dass den Wohnungskommissionen die Mittel zur Erhaltung / Renovierung / Instandsetzung der Kommunalkas ausgingen. Im Laufe der „NEP“ waren zwar Miete / Pacht und das Privateigentum an Wohnraum teilweise wiederhergestellt (für „Neubesitzer“), es wurden aber mehr und mehr Wohnungsgenossenschaften gegründet. Die Besitzer der Wohnungen wohnten in einem oder mehreren Zimmer, die übrigen konnten / durften in freier Wahl der Mieter, nach dem Prinzip der persönlichen Sympathie, vermietet werden. Es entstanden also die ersten Kommunalkas in Privatbesitz.
Es wurden zwei Kategorien von Bewohnern eingeführt. Der Besitzer der Wohnung entrichtete seine Miete in Form einer Tätigkeit als „Hausverwaltung“, die „Mieter“ zahlten eine vereinbarte Miete / Pacht. Die Differenz zwischen Mieteinnahmen und Aufwendungen als „Hausverwalter“ stellten das Einkommen des „Neueigentümers“ dar.
Wohnraum der nicht vermietet werden konnte musste zur Verfügung der lokalen Kommunalverwaltung gestellt werden und hieß offiziell weiter “kommunaler Wohnraum” .
Der Zustand der Kommunalkas verschlechterte sich. Zum einen derjenige der „kommunalen Wohnungen“, da die Kommunen kein Geld zu deren Unterhaltung hatten, zum anderen derjenige der „privaten Kommunalkas“, da die „Verwalter“ zwar die Mieteinnahmen einstrichen aber herzlich wenig „verwalterisch“ tätig waren.
Ab 1929 wurden daher die Privatisierungen wieder aufgehoben, und alle Wohnungen wurden wieder kommunal. Der Zustrom der Landbevölkerung in die Städte, die von der Industrialisierung angezogen wurden, trug erneut zur Schaffung kommunaler Wohnungen und zu Wohnungsmangel bei. Um Wohnraum zu gewinnen wurde z.B. die Größe der Sanitärräume in (nun) Leningrad von 13,5 qm (1926 ) auf bis zu 9 qm (1931) verringert.
Im Jahre 1937 wurden schließlich den Kommunalverwaltungen, die inzwischen 90 % des Wohnraumbestandes verwalteten, per Dekret die Verwaltung entzogen und direkt einem zentralen Rat übertragen.
Die Kommunalka in den 50er und 60er Jahren des 20. Jahrunderts
Von der Mitte der 50er Jahre an begann die politische Führung der UdSSR eine neue Wohnungspolitik umzusetzten, die auf den Massenbau von Wohnungen ausgerichtet war. In der Verordnung des Zentralkommitees der KPdSU und des Ministerrates der UdSSR vom 3. Juli 1957 « Über die Entwicklung des Wohnungsbaues in der UdSSR » war der Kurs auf den Bau und die Bereitstellung von komfortablen, und vor allem „privateren“, Wohnungen festgelegt worden. Nun sollte endlich jeder Sowjetbürger eine Wohnung mit Küche und Toilette erhalten, die er nicht mit anderen würde teilen müssen.
Die ideologische und wissenschaftliche Begründung des neuen Kurses wurde auf die folgenden Punkte zurückgeführt :
1.Die kommunale Wohnung war kein Entwurf der sowjetischen Macht, sie war vielmehr ein Ergebnis der Mittelknappheit während der Industrialisierung;
2.Das Wohnen mehrerer Familien in einer Wohnung ist anormal, es ist ein soziales Problem;
3.Kommunalkas sind ein ökonomisch unvorteilhafter Wohnraumtyp, der nicht die modernen Forderungen des Sowjetmenschen befriedigt;
4.Das Problem der kommunalen Wohnungen kann mittels des Massenbaus und mit der Nutzung der neuen Technologien gelöst werden;
Es wurden entsprechende Produktionsmittel sowie die nötige Infrastruktur geschaffen, Kombinate und Betriebe eingerichtet, die jährlich 110 Mio. Quadratmeter an Wohnraum schaffen sollten.
Ab 1959 stand damit ein System zur Verfügung welches bis 1962 ,vor allem in Moskau, aber auch in anderen Städten, die gröbste Wohnungsnot beseitigte.
Es entstanden die „Chruschtschowka“ (russisch Хрущёвка), eine in der Sowjetunion geläufige umgangssprachliche Bezeichnung für einen in dieser Zeit, besonders jedoch in der Amtszeit Nikita Chruschtschows (daher auch der Name), möglichst kostensparend und schnell errichteten fünfstöckigen Plattenbau. Aufgrund ihrer billigen Bauweise und des damit verbundenen geringen Wohnkomforts werden die Häuser auch heute noch oft auch als „Chruschtschoba“ (russ. Хрущоба, ein Wortspiel aus Хрущёв (Chruschtschow) und трущоба (truschtschoba = Slum)) bezeichnet.
Im Laufe der Jahre 1966-1970 wurde alleine in Leningrad Wohnraum für 942.000 Menschen geschaffen, wobei 809.000 Menschen in neu erbauten Häusern untergebracht wurden und 133.000 renovierte Altbauten bezogen.
Dennoch wurde bei Bezug der neuen Wohnungen nicht selten immer noch das Prinzip «подселенца» (ein Nachbar zu jeder Familie; de facto also ein Untermieter) verwendet, so dass bis zur Mitte der 80er Jahre, in zentralen Bezirken Leningrads, kommunale Wohnungen noch 40 % des gesamten Wohnungsbestandes bildeten.
Die Kommunalka in den 90er Jahren
Am Anfang der 90er Jahre, als mit dem „Untergang“ der UdSSR und dem Entstehen des „neuen Russlands“ auch die Privatisierung einsetzte, entstand erneut ein Wohnraumproblem. Wohin mit den Bewohnern der Kommunalkas, die nun nicht selten einem privaten Investor und nicht mehr der „Kommune“ gehörten, und die erhöhten Mietforderungen entgegen sahen.
Es entstanden auch Mischformen, so konnten z.B. einige Zimmer einer Kommunalka vom Bewohner privat erworben worden sein während andere immer noch Eigentum der Kommune waren. Es handelte sich also um Wohnungen die teils Eigentums- teils Mietwohnung waren.
Um diese „Mischformen“ zu erschweren versuchen die Behörden Regelungen durch zu setzten, wonach die Bewohner einer Kommunalka ihr Zimmer nur mit dem Einverständnis aller Nachbarn privatisieren / privat erwerben können.
Sankt-Petersburg erreichte 1996 den bisherigen Spitzenwert seiner Bevölkerungsdichte bei gleichbleibender Wohnungsknappheit. Mit Stand von 1996 waren in Sankt-Petersburg noch 200.025 kommunale Wohnungen vorhanden, 14 % des gesamten Wohnungsbestandes. In ihnen wohnen noch heute vermutlich die in 1996 erfassten 587.099 Menschen, vermutlich sogar mehr.
Fazit
Das Wort « Kommunalka » ist zwar in der Epoche der UdSSR entstanden, das Wohnen mehrerer Familien in einer Wohnung war jedoch keine Ausnahmeerscheinung der sowjetischen Gesellschaft. Ein Analogon zu der Kommunalka existiert auch in Deutschland – die Wohngemeinschaft (WG) – obwohl sich hier sicherlich mehr studentische Wohngemeinschaften finden lassen als „Notgemeinschaften“ mittelloser Bürger. In Zeiten von Hartz IV und Agenda 2010 wäre es dennoch denkbar, dass die klassische Kommunalka auch hier bals Einzug halten könnte.
Die spezifischen Punkte der kommunalen Wohnungen in UdSSR waren jedoch „Staatseigentum“, die Zuweisung durch staatliche Organe nach deren „Richtsätzen“ sowie die Kontrolle „der inneren Ordnung“ seitens eben dieser Organe.
Dennoch ist die Kommunalka nicht unbedingt unbeliebt. Gerade ältere Menschen bevorzugen im heutigen Russland immer noch die Kommunalka da sie der Vereinsamung vorbeugt und alleinstehenden Menschen auch einen gewisse Aufgabe bietet. Kinder von berufstätigen Eltern werden „kollektiv“ erzogen und betreut, die Babuschka von nebenan wird zur „Gemeinschaftsoma“. Aus Nachbarn werden Familienmitglieder.
“Scorpion Down” - das Buch
Nach vermeintlich 25-jähriger Recherche erscheint nun das Buch “Scorpion Down” des amerikanischen Authors Ed Offley . Die “Scorpion” (USS Scorpion - SSN 589), ein nukleargetriebenes Angriffs-Uboot der “Skipjack-Klasse” der US-NAVY, sank am 27. Mai 1968 ca. 400 (nautische) Meilen - 720 Km - südwestlich der Azoren.
“Von den Sowjets versenkt, vom Pentagon begraben” lautet nun die Kernaussage Offleys, dies obwohl seit der Veröffentlichung des ersten Untersuchungsberichtes der US-NAVY im Jahre 1969 technische Gründe, die zum Verlust des Bootes führten, als die wahrscheinlichste Ursache angesehen werden.
Im Jahre 1993, als die US-Regierung den gesamten Bericht des Jahres 1969 freigab, wurde ersichtlich, dass für die Ermittlungskommission ein Torpedounfall am wahrscheinlichsten war. Dieser Annahme widersprach jedoch das “Kommando für Waffentechnik” der US-NAVY, dessen Ansicht nach Torpedoexplosionen innerhalb eines U-Bootes “unmöglich” seien.
Dennoch gilt in Marinekreisen ein eventueller “Hot Run”, der unbeabsichtigte Start der Antriebseinheit eines Torpedos innerhalb des Bootes, als durchaus wahrscheinlich.
Ein solcher unbeabsichtigter Start kann aus unterschiedlichen Gründen erfolgen, so z.B. bei der “Diagnose” des Torpedos, bei der die Waffe routinemäßig auf ihre Funktionstüchtigkeit “getestet” wird und das Diagnosegerät irrtümlich einen “Startbefehl” an die Waffe abgibt. Die Antriebseinheit wird dadurch in betrieb gesetzt und die Schrauben des Torpedos drehen sich bereits im Torpedorohr, nicht erst nach dem Ausstoss der Waffe (mittels Pressluft). Der Torpedo kann dadurch “heiss laufen” und den Gefechtskopf im Torpedorohr zünden.
Da die “Waffentechnik” der US-NAVY jedoch für ausgeschlossen hält das ein Torpedo im Rohr explodieren kann, wird alternativ angenommen, dass ein Torpedo, nach einem unbeabsichtigten Start des Antriebes, ausgestoßen wurde und dann, trotz diverser Sicherheitsvorkehrungen, sein eigenes Boot angegriffen und versenkt haben könnte.
Eine weitere Möglichkeit, neben dem “Hot Run”, ist ein Feuer in einer Torpedobatterie. Diese Theorie beruht auf Tests einer Batterie, die explodierte nachdem sich die Chemikalien (Elektrolyte) durch eine beschädigte Membran mischten, was zu Hitzeentwicklung und schließlich einem Brand führte.
Gerade vor dem Hintergrund der regelmäßigen aufgetretenen Vibrationen an Bord der Scorpion wird dies als wahrscheinlichste Unfallursache angesehen, da auch die “Vibrationstests” an der Batterie den Riss der Membran verursacht hatten. Und dieser vibrationsanfällige Batterietyp war in den Torpedos der “Scorpion” verbaut.
Amerikaner wären aber keine Amerikaner wenn es nicht auch die passende “Verschwörungstheorie” gäbe … oder aber einen konspirativ verschleierten “heimtückischen Angriff des Feindes”.
Einen weiteren Grund für eine mögliche Versenkung der Scorpion sehen “Konspirationstheoretiker” im zwei Monate vor dem Verlust der “Scorpion” geschehenen Unfall an Bord des sowjetischen U-Bootes der “Golf-Klasse” (K-129) im Pazifik.
Hier kursierten Gerüchte, wonach die “K-129″ von U-Booten der US-Marine versenkt worden sei. Hartnäckig hält sich daher die “Theorie”, dass im Gegenzug die “Scorpion” , aus Rache, von den Sowjets versenkt worden sein könnte.
Genau dieser “Theorie” widmet Offley nun sein Buch. In Wahrheit sei die “Scorpion” von einem sowjetischen Atom-U-Boot der Echo-2-Klasse versenkt worden, das nach kurzem Kampf die “Scorpion” torpediert habe, so Offley.
Die Mannschaft der “Scorpion” sei im heldenhaften Kampf gegen die Sowjets gefallen, behauptet Offley. Er wirft der Johnson-Regierung die Verheimlichung der wahren Ursachen für den Verlust des Bootes vor.
Dies passt politisch in die gegenwärtige Welt der “Neo-Cons”. Die perfiden und hinterhältigen Sowjets, und deren verbrecherischer Kommunismus, sind für den “Heldentod” der “Scorpion” verantwortlich. Weitere 99 Namen müssen dem “Denkmal der Opfer des Kommunismus” hinzu gefügt werden.
Auch die Demokraten können abgewatscht werden, war doch Lyndon B. Johnson nicht nur der 36. Präsident der USA sondern obendrein auch noch Demokrat. Und Demokraten sind in der Sicht der “Neo-Cons” perfide “Dolchstoßer”, die nichts lieber tun als der “kämpfenden Truppe” in den Rücken zu fallen. Sind es nicht auch heute die “Demokraten”, die “Linken”, die der “Truppe” in den Rücken fallen indem sie auf einen “Rückzug” aus dem Irak drängen ? Diese Vaterlandsveräter ! Diese Kommunistenfreunde ! Pfui Teufel !
Der Verlag schreibt über das Buch:
In Scorpion Down , Ed Offley tells the true story of the USS Scorpion for the first time. In exhilarating narrative, he tells the dramatic story of a secret battle that could have brought about WWIII, and conclusively demonstrates that the Navy’s official story about the Scorpion incident—from the frantic open-ocean hunt for the wreckage to a Court of Inquiry’s final conclusions—is nothing more than a carefully-constructed series of lies.
Übersetzung: In “Scorpion Down” erzählt Ed Offley die wahre Geschichte der USS Scorpion zum ersten Mal. Im enthüllenden Bericht erzählt er von der dramatischen Geschichte, von einem heimlichen Kampf, der den dritten Weltkrieg verursacht haben könnte, und demonstriert abschließend, dass die offizielle Geschichte der Marine über den “Scorpion-Vorfall” - von der wilden Wrackteil-Jagd auf dem offenen Ozean , bis zu dem Endergebniss der Untersuchungskommission - nichts anderes als eine sorgfältig gebaute Reihe von Lügen ist.
For decades, the real story of the disaster has eluded journalists, historians, and family members of the lost crew. But, as military reporter Ed Offley reveals, a handful of Navy and government officials knew the truth: the sinking of the USS Scorpion wasn’t an accident—it was an act of war.
Übersetzung: Seit Jahrzehnten hat sich die wahre Geschichte der Katastrophe Journalisten, Historikern, und Familienmitgliedern der verlorenen Mannschaft entzogen. Aber, wie der militärische Reporter Ed Offley offenbart, wusste eine Hand voll Marineangehörigen und Staatsangestellten die Wahrheit: Die Versenkung der USS Scorpion war kein Unfall - es war eine Kriegshandlung.
Was lernen wir aus Offleys Werk ? “Mit seiner atemberaubenden Arbeit und seinem recherchierenden Journalismus” (O-Ton des Verlages) offenbart Ed Offley, dass die US-amerikanische Marine vom allerersten Augenblick wusste, dass die “Scorpion” durch die Sowjets versenkt wurde. Schon bevor die “Scorpion” offiziell als vermisst gemeldet wurde, haben ranghohe Marinebeamte eine wohl durchdachte “Täusch-Und-Tarn-Aktion” begonnen, um die wahre Geschichte des Kampfes mit den Sowjets zu unterdrücken. Die Marine hat die Wahrheit vor der breiten Öffentlichkeit, und den Familien der Seeleute, fast vier Jahrzehnte lang verborgen:
Alle neunundneunzig amerikanischen Matrosen an Bord des Skorpions starben im Kampf gegen die Sowjets (sprich: Russen) und gaben ihr Leben für Freiheit und Demokratie. So wie die heutige US-Regierung keine Opfer scheut, um Freiheit und Demokratie nach Russland zu bringen. Der Dank des Vaterlandes ist ihnen gewiss.
De omnibus dubitandum, besonders bei “Heldengeschichten” aus dem “Kalten Krieg”.
Über Beschattungen und Mordpläne …
In dieser Woche gibt die CIA insgesamt 11 700 Seiten Geheimunterlagen aus der Zeit ab 1953 zur Veröffentlichung frei.
Wie CIA-Vertreter George Little der RIA Novosti bestätigt hat, werden die Geheimdokumente im Internet zugänglich sein.
Die so genannten Dokumente CAESAR/POLO/ESAU betreffen ihm zufolge die Analyse der sowjetischen und chinesischen Innenpolitik in den Jahren 1953 bis 1973 sowie der bilateralen Beziehungen zwischen Moskau und Peking in dieser Periode. Der zweite Komplex über die so genannten familiären Glanzstücke umfassen Informationen über die Tätigkeit der CIA in den 60er und 70er Jahren in den USA.
Die Unterlagen über die UdSSR und China sowie über Aufklärungsdaten zu den Militärprogrammen des Warschauer Vertrages, darunter über das amerikanische Spionageflugzeug A-12, werden auf Antrag des Nationalen Sicherheitsarchivs der George Washington Universität gemäß dem Gesetz über Informationsfreiheit freigegeben.
„Wir denken, dass es an der Zeit ist, die Geheimhaltung aufzuheben“, sagte Little. Auf die Frage von RIA Novosti, ob sich aus der Veröffentlichung Folgen für die Beziehungen der USA mit Russland und China ergeben könnten, sagte er, er wolle nicht spekulieren, doch lägen die Ereignisse schon recht lange zurück. „Das sind historische Dokumente, die Ereignisse von vor drei Jahrzehnten beleuchten. Über ihren Einfluss auf die Beziehungen der Gegenwart sollte nicht spekuliert werden“, stellte der Gesprächspartner der RIA Novosti fest.
Was die Informationen über die Tätigkeit der CIA in den USA angeht, versprechen sie Aufschlüsse über Geheimdienstmethoden der Vergangenheit und Gegenwart. Vor dreißig Jahren schnüffelte die CIA widerrechtlich Journalisten und Dissidenten aus. Außerdem entwarf sie Pläne zur Ermordung unliebsamer Politiker im Ausland.
Erst im vorigen Jahr waren die durch die CIA nach dem 11. September 2001 eingerichteten Geheimgefängnisse und die Programme zur Verfolgung von Kriegsgegnern enthüllt worden. Die nun zur Veröffentlichung freigegebenen 693 Seiten betreffen „Abhörprotokolle von Journalisten, Entführungen, illegale Wohnungsdurchsuchungen und Mordpläne“, die schon in den 70er Jahren Anlass zu Untersuchungen gegen die CIA gegeben hatten, stellt das Nationale Sicherheitsarchiv in einem Kommentar zur Freigabe der Dokumente fest.
Es heißt darin unter anderem auch, dass die CIA ein elektronisches Telefonabhörgerät getestet, 9900 amerikanische Kriegsgegner verfolgt und gefälschte Dokumente benutzt hat.
Auch wenn ein Teil der Fakten seit langem bekannt ist, ist das nun freigegebene Dokument laut dem Chef des Sicherheitsarchivs, Tom Blanton, 1975 von Juristen des Justizministeriums erarbeitet worden und bisher unbekannt gewesen.
CIA-Chef Michael Hayden rechtfertigte die Behörde, dass die Dokumente zur „Geschichte der CIA“ gehören. „Die Unterlagen vermitteln Einblicke in eine andere Zeit und in eine andere Behörde“, sagte er. Einen Vergleich mit den Methoden, die nach dem 11. September 2001 zur Anwendung gekommen sind, bezeichnete er als „unbedacht“.
Dreh Dich nicht um …
… McCarthy’s Geist geht um.
Joseph Raymond McCarthy (* 14. November 1908 , † 2. Mai 1957 ) gehörte der Republikanischen Partei an und wurde bekannt für seine Kampagne gegen eine vermutete Unterwanderung des Regierungsapparates der Vereinigten Staaten von Amerika durch Kommunisten. Er gab der so genannten McCarthy-Ära der frühen 1950er Jahre seinen Namen, in der antikommunistische Verschwörungstheorien und Hexenjagden das politische Klima in den USA bestimmten (Quelle).
Obwohl McCarthy nicht im Stande war, seine Behauptungen zu untermauern, stießen seine Kampagnen auf großes Echo in Medien und Gesellschaft. Im aufgeheizten Klima der Frühphase des (1.) Kalten Krieges reichte bereits die indirekte Beschuldigung Kommunist zu sein um in McCarthy’s Fadenkreuz zu gelangen. Nicht wenige Menschen waren geneigt, McCarthy Glauben zu schenken, weil sie sich die Erfolge des lange Zeit in wissenschaftlichen und militärischen Belangen als hoffnungslos rückständig angesehenen “kommunistischen Lagers”, d.h. der UdSSR und den Staaten deren Einflusssphäre, nur durch Verrat und verdeckte Kolloboration von Amerikanern erklären konnten.
In der frühen Phase des (2.) Kalten Krieges, diesmal mit Russland, scheint der Kommunismus erneut ein Thema zu werden. So weihte US-Präsident George W. Bush erst kürzlich ein “Denkmal für die Opfer des Kommunismus ein”.
Der Kampf gegen den Kommunismus ist der Kampf der Erinnerung gegen das Vergessen …
sagte Bush bei der Zeremonie in Washington und verglich den Kampf gegen den Kommunismus im (1.) Kalten Krieg mit dem heutigen “Anti-Terror-Kampf” der USA (Quelle).
Nicht verwunderlich ist die Reaktion auf die Enthüllung des Denkmals, die nicht nur in Russland und der Ukraine kommentiert wurde.
RIA Novosti brachte am 19. Juni 07 einen Artikel in dem der Präsident der Russischen Akademie der Militärwissenschaften, Machmut Garejew, wie folgt zitiert wird:
Die Voreingenommenheit und Missgunst des Westens gegenüber unserem Land waren sowohl während des (Zweiten Welt-)Krieges als auch während des darauf folgenden Kalten Krieges als auch nach dem Zerfall der Sowjetunion im Jahr 1991 und nach der Auflösung des Warschauer Paktes zu spüren, selbst nachdem auch die Anzeichen einer ‘kommunistischen Gefahr’ verschwunden waren. Das bekommen wir heute immer deutlicher zu spüren.
Garejew meint, Bush habe von Millionen Toten in verschiedenen Teilen der Welt gesprochen, aber aus irgendeinem Grunde verschwiegen, dass die urgeigene Bevölkerung Amerikas verschwunden sei, dass hunderttausende friedliche Einwohner Vietnams getötet und dass 1945 Atombomben auf japanische Städte abgeworfen worden seien.
In diesem Zusammenhang verwies Garejew darauf, dass US-Präsident George W. Bush bei der Enthüllung des Denkmals ”vom Kommunismus gesprochen, aber dabei an Russland gedacht” habe.
Ein ähnlicher Kommentar kam aus der Ukraine, wo der KP-Abgeordnete Leonid Gratsch erklärte, die Errichtung dieses Denkmals in den USA zeuge davon, dass die Amerikaner keinen Respekt vor Geschichte, Kultur und Traditionen der anderen Staaten haben.
Angefangen bei der Ausrottung der Indianer und bis hin zu den Kriegsverbrechen in Vietnam, Jugoslawien, Afghanistan und dem Irak hat der US-Imperialismus viel mehr Opfer gefordert als der Kommunismus
meinte Gratsch. Die ukrainischen Kommunisten haben daher den Vorschlag gemacht, ein Museum zum Andenken der Opfer des US-Imperialismus zu eröffnen (Quelle).
Besonders erregt man sich über Bush’s Bemerkung, bei der Einweihung des Denkmals, dass der “imperiale Kommunismus” das Leben von 100 Millionen unschuldigen Menschen gefordert habe. Auch in der Ukraine unterstellt man Bush eine doppelte Moral an den Tag zu legen, besonders durch die Vernachlässigung der unzähligen Opfer unter den amerikanischen Ureinwohnern und der unbestimmbaren Zahl der afrikanischen Sklaven die in den USA den Tod fanden.
“Kommunistenfresser” gab / gibt es allerdings nicht nur in den USA.
Lars Göran Axel Lindblad, ein schwedischer konservativer Politiker (Moderata samlingspartiet, ist seit 1997 Mitglied des schwedischen Reichstags und Mitglied im Komitee für Auswärtige Angelegenheiten, sowie stellvertretendes Mitglied der schwedischen Delegation in der Parlamentarischen Versammlung des Europarats.
Lindblad initiierte die Europaratsresolution 1481 (2006) zur Notwendigkeit der internationalen Verurteilung von Verbrechen totalitärer kommunistischer Regime.
In Deutschland grassiert gegenwärtig die Angst vor einem “Linksruck” der Republik, besonders seit dem Gründungsparteitag der Partei “Die Linke”, die den “etablierten Volksparteien” einiges Kopfzerbrechen bereitet.
Sehr schön behandelt Jens Berger vom Spiegelfechter diese neue Partei, die er als “eine Hybride aus einem altersschwachen Ostbaum und einem jungen Spaltpilz” bezeichnet. Ein Gespenst geht um in Berlin.
Es ist daher wohl nur eine Frage der Zeit, bis Deutschland endgültig in die Liste der “Schurkenstaaten” eingereiht wird, nicht für seine nationalsozialistische Vergangenheit, auch nicht für seine Verweigerung gegenüber dem “Irak-Krieg” oder seiner Zugehörigkeit zu “Old Europe”. Auch nicht für die russlandfreundliche Haltung weiter Kreise der deutschen Bevölkerung oder des erstarkenden Antiamerikanismus, sondern für die zukünftig durchaus mögliche Regierungsbeteiligung einer Partei, deren Wurzeln teilweise “kommunistisch” sind.
Immerhin vereinigen sich in dieser Partei ja die “linken Strömungen” der WASG und der Linkspartei.PDS , wobei letztere aus der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands (SED) hervorging welche wiederum aus der Vereinigung von SPD und KPD in der ehemaligen DDR entstand.
Hoffentlich merkt Mr. Bush nicht wieviele sozialistische und kommunistische Parteien es in Deutschland sonst noch gab / gibt …
Deutsche Kommunistische Partei (DKP), kommunistisch
Marxistisch-Leninistische Partei Deutschlands (MLPD), kommunistisch
Kommunistische Partei Deutschlands (KPD) - Neugründung Januar 1990 in Berlin
Revolutionär Sozialistischer Bund (RSB)
internationale sozialistische linke (isl)
Partei für Soziale Gleichheit (PSG)
Kommunistischer Arbeiterbund Deutschlands (KABD), aufgelöst
Kommunistischer Bund (KB), aufgelöst
Kommunistischer Bund Westdeutschland (KBW), aufgelöst
Bund Westdeutscher Kommunisten (BWK), aufgelöst
Kommunistische Partei Deutschlands/Marxisten-Leninisten (KPD/ML) (Nachfolgeorganistionen und Abspaltungen bestehen fort),
Gruppe Internationale Marxisten (GIM), aufgelöst
Vereinigte Sozialistische Partei (VSP), aufgelöst
Spartakusbund, linker Flügel der Unabhängigen Sozialdemokratischen Partei Deutschlands (USPD), aufgelöst
Kommunistische Partei Deutschlands (KPD), aufgelöst
Mal sehen was passiert, sollte 2009 “Die Linke”, entgegen gegenwärtiger heutiger Bekundungen, für die deutsche Sozialdemokratie doch koalitionsfähig sein und ein rot-rot-grünes Bündnis gewählt werden. Pfui Teufel, dann sitzen “Kommunisten” in der Regierung. Armer Mr. Bush.
“Falscher Koalitionsführer” mit “falschem Namen”
In den letzten Tagen häufen sich wieder die Berichterstattungen über den ach-so-armen Garri Kimowitsch Kasparow, den vermeintlichen Koalitionsführer des oppositionellen Bündnisses „Das andere Russland“.
Zuerst waren es die Berichte über Kasparows “Verhaftung” während des “Marsches der Nichteinverstandenen”, jetzt macht der gute Mann wieder Schlagzeilen. Diesmal darf der gute Mensch aus Baku nicht nach Samara fliegen. Warum wohl ?
Nennen wir das Kind doch beim (richtigen) Namen.
Seine Mutter, Klara Schagenowna Kasparjan, stammt aus Bergkarabach, einer armenisch besiedelten Enklave in Aserbaidschan, sein Vater, Kim Moissejewitsch Weinstein, war ein deutschstämmiger Jude. Geboren wurde Kasparow in Baku, Aserbaidschan am 13. April 1963 unter seinem richtigen Namen Garik Weinstein.
Im Alter von 12 Jahren änderte die Mutter den Namen ihres Sohnes von Weinstein in Kasparow (die russifizierte Variante von Kasparjan), um nicht am Namen als Jude erkennbar zu sein, eine Lebenslüge die bis heute andauert.
Eine weitere Lebenslüge des Herrn Kasparow ist sein “aufrichtiges Streben” nach einer Demokratie in Russland. Er lebt zwar vor allem in Russland, gelegentlich besucht er aber auch Armenien. Sein zweiter Wohnsitz ist in Manhattan, New York, seiner eigentlichen spirituellen Heimat und Operationsbasis seiner Brötchengeber.
Im Jahre 2006 wurde Kasparow als Berater (”Advisor”) auf der Internetseite des Center for Security Policy (Link zur englischen Wikipedia) geführt, einer US-amerikanischen Nichtregierungsorganisation, die sich mit politischen Strategien zur Stärkung der Äußeren Sicherheit der USA beschäftigt.
Kasparow dementiert, jemals für diese Organisation tätig gewesen zu sein, vielmehr habe er lediglich im Jahre 1991 eine Auszeichnung von ihr angenommen.
Unstrittig ist, dass Kasparow eng mit den “Think Tanks” der neokonservativen Bush-Administration verflochten ist. Vielerorts wurde bereits darauf hingewiesen wer den “Großmeister” finanziert. Und zu welchem Zweck.
Schachmatt (oft auch einfach nur Matt) ist eine Stellung im Schachspiel, bei der ein König im Schach steht, und es keinen regelgerechten Zug gibt, dieses Schachgebot aufzuheben. Mit einem Schachmatt ist die Schachpartie beendet und für den Spieler, dessen König schachmatt gesetzt wurde, verloren.
Die Schachpartie um die es geht wird im Weißen Haus gespielt, die Figuren von der Bush-Administration bewegt, das Ziel ist Putin “schachmatt” zu setzen.
Der Begriff “schachmatt” stammt ursprünglich aus der persischen Sprache: arabisch aš-šāh māta “Der König (Schah) ist tot” = Schah matt. Herr Weinstein-Kasparow soll der “Königsmörder” sein, bei Weitem aber nicht der einzige.
Für erhebliche Aufregung in Deutschland sorgte die Ausladung Kasparows aus der Talkshow von Sabine Christiansen vom 10. Dezember 2006 , bei der er per Videoschaltung hätte teilnehmen sollen. Kasparow wirft diesbezüglich der Christiansen-Redaktion vor, man habe ihn auf Druck der russischen Regierung ausgeladen und technische Probleme nur vorgeschoben.
Na bravo, Herr Weinstein-Kasparow, ein ferngesteuerter “Oppositionspolitiker”, wirft einer Talkmasterin politische Ferngesteuertheit vor. Wer’s glaubt wird selig.
Leider glauben noch zu viele die Lebenslügen des Garri Kimowitsch Kasparow, daher wiederhole ich nur zu gerne meine Aussage …
Wer glaubt das “Oppositionsführer Kasparow” tatsächlich eine “Opposition führt”, der glaubt auch das “der Zitronenfalter” tatsächlich “Zitronen faltet”.
Und wer glaubt das sich diese Meinung durch Zensur unterdrücken läßt, der irrt.
Die “Mrozek-Linie”, eine “Sollbruchlinie” in Europa
Bedingt durch die Aufregungen der letzten Tage sind einige Nachrichten und Kommentare in den deutschsprachigen Medien im „Blitzlichtgewitter“ auf meinem persönlichem Radarschirm „untergegangen“ und von anderen „Signalen“ überlagert worden. Daher ist mir auch Gisbert Mrozeks Artikel „Die Sollbruchlinie für Europa: Tallinn-Kiew-Tiflis“ auf „Russland-Aktuell“ entgangen.
Mrozek schreibt, es habe sich eine neue Bruchlinie in Europa gebildet, die für schwere politische Erdbeben gut sei. Sie reiche von Tallinn über Kiew nach Tiflis und er habe sie als „Sollbruchlinie“ ausgemacht. Hier könnte Herr Mrozek durchaus richtig liegen.
Der Begriff „Sollbruchlinie“ ist mir geläufig, allerdings habe ich diesen bisher noch nie so deutlich auf die politische Landschaft des heutigen Europas angewendet gesehen. Aus meiner bisherigen beruflichen Laufbahn, welche auch eine fundierte technische Komponente enthielt bevor ich mich gänzlich auf die „kaufmännisch-verwaltende Linie“ festgelegt habe, sind mir die Termini „Sollbruchstelle“ und „Sollbruchlinie“ vertraut.
In der Mechanik bezeichnet eine „Sollbruchlinie“ den genau definierten Verlauf einer Linie, die „Sollbruchstelle“ eine exakt definierte Stelle, in einem Bauteil oder einem Gesamtsystem, das bei Überlastung ähnlich einer elektrischen Sicherung zerstört wird und so größeren Schaden verhindert. Der Bruch des Bauteils oder des Systems an der vorgesehenen Stelle wird meist durch die Kerbwirkung erreicht.
Während ungewollte Brüche in einem Bauteil oder System den Technikern und Ingenieuren Kopfzerbrechen bereiten, und gelegentlich auch zu Panikattacken führen, werden Brüche an „Sollbruchstellen“ und entlang der „Sollbruchlinie“ gelassener gesehen. Diese Brüche sind gewollt, gewünscht und werden billigend hingenommen. Meistens lösen solche Brüche auch Freude und Schulterklopfen aus, da das Bauteil oder System im „Fall der Fälle“ genau jenes getan hat für das es konstruiert wurde.
Als Beispiel hierzu kann man durchaus die Scheibe eines Zugfensters anführen, wie z.B. in den Waggons eines Hochgeschwindigkeitszuges, das konstruiert wurde um hohen Zug- und Druckkräften zu widerstehen und auch um mit hoher Geschwindigkeit auftreffenden Körpern Widerstand zu leisten. Obwohl für Höchstbeanspruchung konstruiert soll diese Scheibe sich in Notsituationen ohne herkulische Kraftaufwendung durch den Reisenden zertrümmern lassen und den Notausstieg ermöglichen.
Neben der oben erläuterten Schutzfunktion können Sollbruchstellen auch dem Zweck dienen, verbrauchte oder abgenutzte Bereiche eines Gebrauchsgegenstandes einfach abtrennen zu können. Zum Beispiel wird bei einer Abbrechklinge durch das Abbrechen eines verbrauchten und stumpfen Klingenabschnittes ein unverbrauchter und scharfer Klingenabschnitt zur Benutzung freigegeben.
Mrozek schreibt es würden entlang der europäischen Sollbruchlinie Feindbilder aufgebaut. Zum Beispiel das Bild vom immer aggressiveren und autoritäreren Russland, vom Energieimperialismus und wiedererwachenden Totalitarismus. Mrozek schreibt jedoch nicht wer die Techniker und Ingenieure dieser Sollbruchlinie sind. Welche „Sicherheit“ soll durch diese Sollbruchlinie geschaffen werden, oder ist die Fragestellung eher für wen Europa (durch das diese Sollbruchlinie verläuft) einen Gebrauchsgegenstand darstellt ? Was soll durch den Bruch „freigegeben werden“ ?
Dies bedarf einer näher gehenden Beleuchtung und Betrachtung.
Die „Mrozek-Linie“ verläuft von Tallinn über Kiew nach Tiflis, also von der Ostsee bis zum Kaspischen Meer, sollte aber bis Baku in Aserbaidschan verlängert werden. Soll diese Linie, ähnlich der „Maginot-Linie“, zwei „verfeindete Parteien“ voneinander trennen und vor (einseitigen) Übergriffen schützen ?
Oder wird der „Gebrauchsgegenstand Europa“, mit einer bewusst und gewollt getriebenen Kerbe, entlang dieser „Sollbruchlinie“ abgebrochen werden um einen als „stumpf geworden“ oder „als überflüssig angesehenen“ Teil des „Gebrauchsgegenstandes“ zu „entfernen“ ?
Die „verlängerte Mrozek-Linie“ würde, bräche hier die „Sollbruchlinie“, einen großen Teil Europas abspalten und erneut einen eisernen Vorhand schaffen. Das Gefährliche, so Mrozek, an dem Riss, der sich in Europa herausbildet, ist, dass er an der Trennungslinie zwischen den alten Kontinentalplatten der Kulturen verläuft – und mindestens einen Staat in zwei Hälften spaltet. In die polnisch-litauisch- k.u.k- katholische Hälfte und die andere russisch-orthodoxe Hälfte auf dem Ostufer des Dnjepr. Ohne große Anstrengung lässt sich dieser Staat identifizieren, es ist die Ukraine.
Wer treibt also diese „Kerbe“ in Europa und zieht damit die „Sollbruchlinie“ durch den Kontinent ? Und wozu ?
Betrachten wir doch einmal die Diskussionen der letzten Monate. Wer unterstützt die Bestrebungen Kriegerdenkmäler aus dem öffentlichen Straßenbild zu entfernen und trennt damit baltische von russischen Mitbürgern ?
Wer finanziert mit Geldern aus den Geheimdienst-Etat die „bunten Kaspereien“ die dazu führen die russische Muttersprache eines großen Bevölkerungsanteils aus Bildungseinrichtungen und dem öffentlichen Leben zu verbannen ? Wer motiviert und ködert kaukasische Nationalisten mit dem NATO-Beitritt ?
Wer mischt sich in Abspaltungsbestrebungen / Wiedervereinigungsbestrebungen ethnischer Minderheiten ein, sei es in Abchasien, Ossetien oder Transnistrien (Trans-Dnjestr / Transnistrische Moldauische Republik) ?
„Last but not Least“, wer beabsichtigt eine „Raketenlinie“ von Norden nach Süden zu ziehen und verhandelt hierzu nicht nur mit Polen und Tschechien sondern seit seit Kurzem auch mit der Ukraine ? Wer „verkauft“ diese Linie als „Verteidigungslinie“ gegen die „Schurkenstaaten“ im Mittleren Osten und Asien ?
Es ist nicht unvorstellbar, dass die „Raketenlinie“ mit der „Mrozek-Linie“ deckungsgleich sein wird. Aus den „gewöhnlich gut unterrichteten Kreisen“ dringt, dass angeblich auch mit Dänemark Gespräche über Raketenstationierungen geführt werden / worden sein sollen. Die rationalen Dänen lassen sich aber offensichtlich nicht so einfach ködern, es gibt auch keine nationalistisch-ethnischen Spannungen in Dänemark die sich als Verhandlungsbasis oder als Sprungbrett nutzen ließen. Dänemark lebt mit seinen ethnischen Minderheiten in Eintracht.
Die „Raketenlinie“ könnte aber auch in Tallinn beginnen, über Lettland, Litauen und Polen nach Tschechien, Rumänien und Moldawien und anschließend, über das Schwarze Meer nach Georgien und Aserbaidschan führen. Sicherlich lassen sich auch noch zentral-asiatische „Stans“ für den Plan gewinnen. Geld und „Incentives“ sind ausreichend vorhanden, vielleicht reicht auch schon die Aussicht dem „Russischen Bären“ ans Bein zu pinkeln zu können.
Jeremy Scahill hat in seinem Buch “Blackwater: The Rise of the World’s Most Powerful Mercenary Army“ bereits darauf hingewiesen, dass eine Supermacht längst keine „regulären“ Streitkräfte mehr benötigt um (para-) militärische Schlagkraft und militärisch-wirtschaftliche Interessen auf eine bestimmte Region zu „projizieren“. Scahill weist mit Besorgnis auf die zunehmende Präsenz der „Söldner“ in Zentral-Asien und den „Stans“ hin. Vielleicht ist auch die „Schockwelle“, welche Putins Ankündigung den KSE-Vertrag zu „überdenken“ folgte, in diesem Licht zu sehen. Wird deshalb auf Putins Rede zur „Lage der Nation“ so kritisch reagiert ?
Bevor wir so kritisch auf Putin, den „Marsch der Nichteinverstandenen“ und die Reaktion der Staatsgewalt, die Verstimmung Russlands über den „Bronze-Soldaten von Tallinn“ und „Putins Staatsprogramm“ reagieren sollten wir vielleicht den „Fog of War“, den Nebel des Krieges, zu durchdringen versuchen.
Antoine de Saint-Exupéry sagte einmal, dass, um klar sehen zu können, oftmals ein Wechsel der Blickrichtung genüge. Vielleicht sollte unsere Blickrichtung von Putins Russland auf die „Mrozek-Linie“ und deren Hintergründe wechseln. Dann könnten wir alle viel klarer sehen.
Auf den Sinn und Zweck der “Raketen für Europa” werde ich noch gesondert eingehen.
Literaturtipp: Heinz Hartlepp - Erinnerungen an Samara
Deutsche Luftfahrtspezialisten von Junkers, BMW und Askania in der Sowjetunion von 1946 bis 1954. AVIATIC VERLAG GmbH, Oberhaching, ISBN 3-925505-83-0 .
Auszug aus dem Klappentext:
Auf Befehl der sowjetischen Militäradministration wurden am 22. Oktober 1946 aus der ehemaligen Luftfahrtindustrie der Firmen Junkers, BMW und Askania 606 Spezialisten mit 517 Ehefrauen, 6 Großmüttern und 929 Kindern in mehreren Sonderzügen unter militärischer Gewalt in die Sowjetunion nach Kuibyschew (heute wieder Samara) an der Wolga zwangsverlagert. Ihre Aufgabe bestand in der Weiterentwicklung von Strahl- Propellerturbinen für die Sowjetische Luftfahrtindustrie.
Eine weitere Gruppe von 522 Flugzeugspezialisten mit Familien hat im gleichen Zeitraum bei Moskau die Entwicklung von modernen strahlgetriebenen Flugzeugen durchführen müssen. Die Askania-Leute waren für Aufgaben der Fernsteuerung von Flugkörpern eingesetzt.
Da es weder eine vertragliche Regelung über diesen Arbeitseinsatz noch eine soziale Absicherung gab, war dies ein rechtloses Leben in völliger Ungewissheit, gleichsam staatenlos in einem fremden Land. Bei den Arbeiterfamilien erschwerten finanzielle Sorgen das Leben beträchtlich. Die verzweiflung führte in Uprawlentscheski zu 4 Selbstmorden. Insgesamt waren über 50 Todesfälle zu beklagen, darunter 8 Kinder.
Dennoch wurden im Verlauf des 8-jährigen Exils 60 Kinder geboren.
Die Entlassung von den Spezialisten mit ihren Familien nach Deutschland erfolgte in Etappen 1950, 1951 und 1953. Die letzten 100 Strahltriebwerks-Spezialisten wurden zur Erfüllung einer Sonderaufgabe im Dezember 1953 nach Sawjelowo (nördlich von Moskau) verlagert. Dorthin wurden zum gleichen Zeitpunkt ebenfalls die noch in Podberesje tätigen Flugzeug-Spezialisten gebracht.
Nachdem das Projekt für ein strahlgetriebenes Mittelstreckenverkehrsflugzeug, das in der ehemaligen DDR gebaut werden sollte, fertiggestellt war, konnten beide Gruppen im Juli 1954 nach Deutschland zurückkehren.

