Zenit holt den UEFA-Pokal nach Sankt Petersburg
Eigentlich sollte ich mich schämen, denn als eingefleischter Fan von Zenit Sankt Petersburg habe ich natürlich das gestrige UEFA-Pokal Finalspiel im Fernsehen verfolgt, habe mich aber nicht mehr dazu durchringen können das Ergebnis noch zu bloggen.
Strafe muss sein, daher wurde ich auch von meinen Freunden Admiral Golowko und Paul Becker verdient geschlagen. Von Paul bereits am gestrigen Abend, vom Admiral am heutigen Morgen. Sei’s drum …

Nach dem verdienten 2:0 gegen die Glasgow Rangers gibt es nur noch wenig zu berichten, was nicht sowieso schon bekannt wäre.
Trotz einer starken Abwehr der Rangers, die den Zuschauern und Fans eine torlose erste Halbzeit bescherte, konnten Igor Denisov (72. Minute) und Konstantin Zyrinaov (in der Nachspielzeit) zwei gut herausgespielte Treffer landen und den verdienten 2:0 Sieg einfahren. Glückwunsch !
Damit ist Zenit nicht nur russischer Meister, sondern nach ZSKA Moskau, im Jahre 2005, nun die zweite russische Mannschaft die den Pokal nach Russland holen konnte.
Weniger schön, als der verdiente Sieg der Petersburger, waren jedoch die Begleiterscheinungen des Spieles. Wie die BBC berichtet, kam es in Manchester bereits vor - und kurz nach - Spielbeginn zu Ausschreitungen.
Anlass dieser Ausschreitungen war der technische Defekt einer Großleinwand in Piccadilly Gardens, auf der das Spiel für Fans übertragen wurde, die keine Karte für das City of Manchester Stadium ergattern konnten. Laut BBC brach aber 15 Minuten vor Anstoß die Übertragung zusammen und tausende Ranger Fans blickten auf einen schwarzen Schirm.
Nachdem die Fans ihren Unmut durch das gegenseitige Bewerfen mit Bierflaschen und Dosen verdeutlicht hatten, griffen sie die Polizeikräfte mit Wurfgeschossen an und zogen randalierend durch die Stadt. Neben mehreren zerstörten Bushaltestellen beschädigten sie auch ein Bankgebäude und einen Sportwagen. Die Polizei war mit 1.500 Beamten im Einsatz, musste im Laufe des Abends 300 weitere als Verstärkung hinzuziehen, 42 Randalierer wurden verhaftet. Die Höhe des Sachschadens wurde noch nicht ermittelt.
Gravierender war jedoch der Angriff auf einen russischen Fan, der im Stadium und noch vor Spielbeginn, von Ranger Fans mit einem Messer angegriffen und niedergestochen wurde.
Der russische Fan hatte zum Zeitpunkt des Angriffes auf seinem Sitzplatz im Stadium gesessen und war von Hinten mit (einem) Messerstich(en) verletzt worden. Sechs Ranger Fans, welche die Polizei als Tatbeteiligte feststellte, wurden verhaftet - der russische Fan wurde im Krankenhaus ärztlich versorgt. Nach Angaben der Behörden ist sein Zustand nicht lebensbedrohlich und er befindet sich in stabilem Zustand.
Die Messerattacke beunruhigt nun die Veranstalter des UEFA Champions League Endspiels in der kommenden Woche. Am 21. Mai treffen mit Manchester United und FC Chelsea zwei englische Mannschaften aufeinander, Austragungsort ist das Olympiastadion Luschniki in Moskau.
Man befürchtet Racheakte gegen anreisende englische Fußballfans, bittet im Vorfeld bereits doch zwischen Engländern und Schotten zu unterscheiden.
Iwan, dreh’s Gas an !
Das “Vereinigte Königreich” für Fortgeschrittene
Nach dem kürzlich erschienenen Buch “Das Vereinigte Königreich für Anfänger” , der literarischen Breitseite der Russin Olga Freer, bekommen die Insulaner erneut die Leviten gelesen. Nun durch ihre eigenen Landsleute vom “Rough Guide”, einem Verlag für Reiseführer.
Der Reiseführer “The Rough Guide: England” sorgt für Wirbel. Das Image der Engländer war noch nie das beste, dieser Führer durch die Regionen in Großbritannien hat dem Ruf jetzt weiter zugesetzt. Die Engländer seien fett, dauerbesoffen, fernsehsüchtig und besessen von C-Promis.
In England lebten “übergewichtige, Alkopops- saufende, Sex- und Celebrity-besessene TV-Süchtige” neben “Tierfreunden, Teetrinkern und Wohltätern”, heißt es in dem neuen “Rough Guide”, neben dem “Lonely Planet” Standardlektüre für jung gebliebene Reisende, der am Freitag erschienen ist.
Niemand sei so “selbstbezogen, irritierend und geprägt von einer Inselmentalität” wie die Engländer. Viele Destinationen wie die Grafschaft Essex östlich von London, die Stadt Plymouth in Südwestengland und Derby in Mittelengland seien nicht die Reise wert, wenn nicht gar “unappetitlich”.
Die Vielfalt mache das Land jedoch dennoch sehenswert, heißt es versöhnlich. Kein Land sei so “faszinierend, wunderschön und kulturell vielfältig”. Die Universitätsstadt Oxford sowie die Städte Bath und Newcastle legt der Führer besonders ans Herz. Den “Rough Guide” gibt es für mehr als 200 Reiseziele (Quelle).
Wärr hätts erfunde ? Wie wirds g’nommä ?
Warum der 9. Mai in der Schweiz nicht gefeiert wurde
Поздравляю с 9 Мая !

Gedanken zum 8. Mai
Gestern tauschte ich wieder rege eMails mit einem meiner Freunde in Moskau aus. Er ist Chemiker von Beruf, aber auch ein engagierter Historiker. Der Große Vaterländische Krieg hat für ihn, wie für viele seiner Landsleute, eine besondere Bedeutung.
Neben seinen Recherchen in den Archiven ist er auch als “копатель” bzw. “поисковик” unterwegs, was sich wohl am Ehesten als “Ausgräber” und “Sucher” bzw. “Erkunder” übersetzen ließe. Als Mitglied einer staatlich lizensierten - und somit legalen - Gruppe beteiligt er sich an Suchaktionen und Grabungen auf den Schlachtfeldern des großen Krieges, übergibt Grabungsfunde an Museen und Behörden, meldet Fundmunition dem Räumdienst.
Wichtiger für ihn ist jedoch, dass seine Gruppe in den letzten Jahren die sterblichen Überreste dutzender gefallener Soldaten auffinden und identifizieren konnte. So konnten diese Vermissten des Krieges, Freund wie auch Feind, eine würdige Grabstätte finden und dem Vergessen entzogen werden.
Wir sprachen auch über das Kriegsende, in dessen Gedenken auch dieses Jahr wieder Paraden und Feierlichkeiten abgehalten werden.
In der Russischen Föderation begeht man den День Победы - den Tag des Sieges - am 9ten Mai. In der Deutschen Demokratischen Republik gedachte man am 8ten Mai, dem offiziellen “Tag der Befreiung des deutschen Volkes vom Hitlerfaschismus” , der 1950 auf Beschluss der Volkskammer als Feiertag eingeführt wurde.
In der Bundesrepublik Deutschland ist der 8. Mai, weder vor noch nach der Wiedervereinigung der beiden deutschen Staaten, nie ein offizieller Feiertag gewesen.
Die Gründe hierfür sind wohl vielschichtig, denn trotz einer Rede des deutschen Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker - am 8. Mai 1985 - in der er diesen Tag als „Tag der Befreiung vom menschenverachtenden System der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft“ bezeichnete, hat der 8. Mai in einigen Schichten der deutschen Gesellschaft noch den Charakter des “Tages der bedingungslosen Kapitulation”.
Seit der Rede Weizsäckers, verstärkt noch ab 1995, wird in der Bundesrepublik von diversen Historikern im Vorfeld des 8. Mai stets öffentlich diskutiert, ob an diesem Tag der Aspekt der Befreiung oder eher ein Aspekt der Niederlage im Vordergrund stehen sollte.
Die Debatte zu diesem Punkt dauert bis in die Gegenwart an. Nach der Ansicht einiger Historiker ist der Begriff “Tag der Befreiung” auch deshalb umstritten, da nach deren Auffassung die Sowjetunion für die Bürger der neuen Bundesländer nicht als Befreier kam, sondern den Grundstein für eine neue Diktatur gelegt habe.
So fand 2005 in Berlin, zum 60. Jahrestag, zwar ein „Tag der Demokratie“ statt, aber lediglich das Bundesland Mecklenburg-Vorpommern erkennt den 8. Mai - seit dem 8. März 2002 - als staatlichen Gedenktag an, begeht ihn als “Tag der Befreiung vom Nationalsozialismus und der Beendigung des 2. Weltkrieges”.
Strittig ist auch, ob man diesen Tag - wenn überhaupt - am 8. oder am 9. Mai begehen sollte. Ursächlich hierfür sind weniger die 2 Stunden Zeitdifferenz zwischen Moskau und Berlin, sondern eine “militärische Formalität”.
Nachdem sich Adolf Hitler am 30. April 1945 durch Selbstmord feige aus der Verantwortung stahl , erklärte sein Nachfolger als “Reichspräsident und Oberbefehlshaber” - Karl Dönitz - in einer Rundfunkansprache an das deutsche Volk
„Meine erste Aufgabe ist es, deutsche Menschen vor der Vernichtung durch den vordrängenden bolschewistischen Feind zu retten. Nur für dieses Ziel geht der militärische Kampf weiter.“
In diesem Sinne versuchte Dönitz einen Waffenstillstand mit den Westalliierten zu erreichen, nachdem große Teile der deutschen Streitkräfte bereits in den Niederlanden, Italien, Dänemark und sogar im “Reichsgebiet” kapituliert hatten.
Dieser Versuch, den Krieg quasi in einen östlichen und einen westlichen zu teilen, scheiterte jedoch am 06. Mai 1945 im französischen Reims, wo der alliierte Oberbefehlshaber “West” - General Dwight D. Eisenhower - sein operatives Hauptquartier aufgeschlagen hatte.
Eisenhower lehnte den einseitigen Waffenstillstand ab, woraufhin Dönitz Generaloberst Jodl, den Chef des Wehrmachtführungsstabes, der ursprünglich nur zum „Abschluss eines Waffenstillstandsabkommens mit dem Hauptquartier des Generals Eisenhower“ befugt war, über Funk zur Unterzeichnung einer bedingungslosen Kapitulation aller deutschen Truppen ermächtigte. Dies geschah am 7. Mai 1945, in der Zeit von 2:39 bis 2:41 Uhr. Das Ende der Kampfhandlungen, und somit die Kapitulation, sollte am 8. Mai um 23:01 Uhr Mitteleuropäischer Zeit eintreten, somit um 01:01 Uhr Moskauer Zeit.
Der Reichssender Flensburg verkündete daher am 7. Mai um 12:45 Uhr, zum ersten Mal von deutscher Seite her, das Ende des Zweiten Weltkriegs in Europa.
Da die militärische Kapitulation lediglich von Jodl, nicht aber von den Oberbefehlshabern der einzelnen Teilstreitkräfte der deutschen Wehrmacht unterzeichnet werden konnte, wurde ein weiteres Dokument unterzeichnet, das die Ratifizierung dieser Kapitulation durch das Oberkommando der Wehrmacht sowie die Oberbefehlshaber von Heer, Luftwaffe und Marine beinhaltete.
Dies erfolgte durch Unterzeichnung einer weiteren Kapitulationsurkunde im sowjetischen Hauptquartier in Berlin-Karlshorst um 0:16 Uhr in der Nacht vom 8. zum 9. Mai durch Generalfeldmarschall Keitel für das Oberkommando der Wehrmacht und das Heer, Generaladmiral von Friedeburg für die Kriegsmarine und Generaloberst Stumpff für die Luftwaffe, alle drei bevollmächtigt durch Dönitz.
Da in der Sowjetunion die deutsche Kapitulation erst nach diesem Akt akzeptiert und bekanntgegeben wurde, gilt in Russland der 9. Mai als offizielles Kriegsende, während in Deutschland der 8. Mai allgemein akzeptiert wird.
Man könnte ebenfalls darüber diskutieren, ob am 8. Mai der 2. Weltkrieg endete, am 9. Mai aber der Große Vaterländischen Krieg. Für westliche Historiker begann der 2. Weltkrieg mit dem deutschen Angriff auf Polen - am 1. September 1939.
Zu diesem Zeitpunkt waren sich die Sowjetunion und das faschistische Deutschland noch - per Hitler-Stalin Pakt, Molotow-Ribbentrop-Pakt oder Deutsch-Sowjetischem Nichtangriffspakt , je nach Lesart - “freundschaftlich verbunden”. Dies änderte sich erst am 22. Juni 1941, als Deutschland diesen Pakt brach, in der Sowjetunion einmarschierte und damit den Großen Vaterländischen Krieg vom Zaun brach.
Wenn man sich also nicht einigen kann, ob es sich beim Großen Vaterländischen Krieg und dem 2. Weltkrieg überhaupt um den selben Krieg handelt - beide haben schließlich unterschiedliche Anfangsdaten und sind daher vielleicht “nur” zwei Kriege die “zufällig” zeitweise parallel wüteten - dann darf man sich ruhig auch über den “Tag des Sieges”, den “Tag der Kapitulation” und den “Tag der Befreiung” uneinig sein.
Sollen wir nun auch diejenigen befragen, die der Auffassung sind, dass eine Kapitulation Deutschlands, d. h. des Deutschen Reichs 1945, nach “herrschender Meinung in der Rechtswissenschaft” nie stattgefunden hat ? Das Deutschland zwar besiegt oder befreit wurde, aber nie kapitulierte ?
Glaubt man der vorherrschenden Meinung der Amerikaner, dann haben diese “den Krieg” sowieso im Alleingang gewonnen, wobei sie sich mit den Engländern uneins sind, die selbiges für sich in Anspruch nehmen. Ohnehin scheinen beide Nationen “ihren Krieg” immernoch zu kämpfen, so wie sie auch den kalten Krieg gegen die Sowjetunion - heute gegen Russland - immernoch kämpfen. Ihre fortgesetzte und omnipräsente Phobie - ihre Russophobie wie auch ihre Germanophobie - vermittelt jedenfalls diesen Eindruck.
Wiedemauchsei - einzig sicher ist für mich, dass ich auch morgen wieder eMails aus Russland bekommen werde, in denen mir meine dortigen Freunde zum 9. Mai gratulieren werden, wir gemeinsam an unsere Freundschaft denken werden. Und wir werden feststellen, dass es zwischen Russen und Deutschen unserer Generation keine offenen Rechnungen gibt - wir auch keine neuen Rechnungen aufmachen wollen - und uns gemeinsam über diejenigen ärgern werden, die nicht begriffen haben, dass wir uns auch nicht aufeinander hetzen lassen wollen.
Hа здоровье !
Mit folgender Eidesformel legte heute, um 12.00 Uhr Moskauer Zeit, Dmitri Anatoljewitsch Medwedew den Amtseid des Präsidenten der Russischen Föderation ab. War eine nette Zeremonie, die da im Fernsehen übertragen wurde. Na dann … Ваше здоровье !

„Ich schwöre, bei der Ausführung der Vollmachten des Präsidenten der Russischen Föderation die Rechte und die Freiheiten des Menschen und des Bürgers zu respektieren und zu wahren, die Verfassung der Russischen Föderation einzuhalten und zu schützen sowie Souveränität, Unabhängigkeit, Sicherheit und Integrität des Staates zu wahren und dem Volk treu zu dienen.“
Das “Vereinigte Königreich” für Anfänger
UK для Начинающих - das Vereinigte Königreich für Anfänger - heißt ein Buch, welches bereits seit Monaten den Inselbewohnern die Zornesröte ins Gesicht treibt.
Olga Freer hat ihre Sicht auf das “Vereinigte Königreich” veröffentlicht - und die Insel tobt. Und mit ihr auch die englischsprachige Blogosphäre. Wen wundert es ? Na ? Keinen.
Da hat es doch tatsächlich eine Russin gewagt ein Buch zu schreiben, in dem die Insel der Briten, nebst ihren Bewohnern, wenig schmeichelhaft portraitiert wird. Olga Freer, die seit ihren frühen Jugendjahren ein erklärter Fan der Briten und ihrer Insel war, die in Moskau Englisch studierte und mit 18 Jahren eigentlich nur nach London zog um ihren Akzent zu verbessern, gibt den Angelsachsen nun eine große Dosis ihrer eigenen Medizin zu schlucken. Sie schmeckt ihnen aber nicht.
Binnen kürzester Zeit hat sich “UK для Начинающих”, so schreibt die The St. Petersburg Times, zu einem Bestseller in Russland entwickelt.
Olga Freer, heute 23 Jahre alt und britische Staatsbürgerin, Mutter eines kleinen Sohnes und Ex-Frau eines Briten, baut ihr Buch in Form einer autobiographischen Novelle auf. Nein, so sagt sie, trotz des Titels sei es kein Reiseführer sondern vielmehr eine Schilderung ihres täglichen Lebens auf der Insel.
Entstanden sei es aus der Zusammenfassung von eMails an Freunde und Familie, der Niederschrift der Erfahrungen und Eindrücke - ständig wachsend - Monat für Monat entstand so ein neues Kapitel.
Freer studierte zuerst Englisch, jobbte dann als Verkäuferin und Kellnerin, studiert heute Jura an der University of Westminster. Ihre Erzählungen drehen sich um Erlebnisse beim Einkaufen, jedoch nicht ausschließlich.
Sie berichtet vom Kauf eines Druckers, den man ihr im Preis reduziert überließ weil ein Kabel fehlte, ohne ihr aber zu sagen, dass das Ersatzkabel sie ein kleines Vermögen kosten würde. Sie berichtet über ihr Erstaunen, während eines morgendlichen Einkaufsbummels alle Geschäfte geschlossen zu finden, da in London die Geschäfte erst mittags öffnen.
Sie ärgert sich über die zu kleinen Waggons der Londoner U-Bahn, die kein Vergleich zur Moskauer Metro sei, beschreibt die Insulaner als gierig, schmuddlig und unfreundlich. Ihre britischen Geschlechtsgenossinnen watscht sie besonders gerne ab. Sie seien, in der überwiegenden Mehrheit, rotgesichtig, “breitärschig” und fett, wüssten sich nicht angemessen zu kleiden und schämten sich auch nicht mit ihren ausladenden Hinterteilen - bevorzugt in Miniröcke gezwängt - in Londoner Diskos “herum zu wedeln”. Es fiele ihr schwer mit Insulanerinnen Freundschaft zu schließen.
Die Männerwelt bekommt auch Dresche. Es gäbe keinen Zeitpunkt und keinen Ort, an denen sich die Insulaner nicht permanent am Hintern kratzen würden. Ebenso gäbe es keinen Zeitpunkt oder Ort, den ein Insulaner nicht zum Pinkeln mißbrauchen würde.
Alles in Allem, sie zeichnet ein wenig schmeichelhaftes Bild derjenigen, die sich so gerne als Krönung der Schöpfung und Stolz des Empires präsentieren.
Besonders Kleinigkeiten fallen Olga auf, so z.B. die Angewohnheit der Insulaner überall die Preisschilder zu belassen, auch an den Sohlen ihrer Schuhe. Insulaner liefen bevorzugt in ungebügelten Klamotten herum, hätten kein Herz und keine Seele, würden ihren Freunden Pfundnoten - per Post - zum Geburtstag überreichen und hätten wenig, bis keinen, Familiensinn. Die generelle Bildung sei mangelhaft, die Gesundheitsversorgung schlecht, die zahlreichen Museen in London überfüllt … mit chinesischen Touristen. Die Insel hätte eine reiche Kultur zu bieten - importiert aus den Kolonien - die aber weitestgehend an den Insulanern vorbei gehe. Man interessiere sich ausschließlich für Fußball, sei aber auch darin grottenschlecht.
Hätte ein Insulaner die Wahl, zwischen Ausbildung und Beruf auf der einen und Faulenzen und amtlicher Arbeitslosenunterstützung auf der anderen Seite, er würde sich stets für “Faulheit und Stütze” entscheiden. Bei ihren Schwiegereltern seien ständig irgendwelche Leute, mit Bierdosen in der Hand, ein- und ausgegangen, jeder drittklassige Einwanderer würde mehr aus seinem Leben machen als die “erstklassigen Insulaner”. Einzig positiv an der Insel sei das üppige Frühstück - mit gebratenen Eiern, Speck, Würstchen und Porridge. Wenigstens etwas.
Klatsch, da haben sie es, die Insulaner. Als das Buch erstmalig in der britischen Presse besprochen wurde, obwohl es bisher nur in der russischen Ausgabe vorliegt, kochte der Volkszorn hoch.
“Hau’ doch ab” … “Geh’ zurück nach Russland” … “Wir haben jedenfalls Redefreiheit, freie und faire Wahlen” … ”Gib’ Deinen britischen Pass zurück, Du Schlampe” … “Geh’ heim, stelle Dich in die Schlange und steh’ nach Brot an” … lauten die höflicheren Kommentare.
Man mag über Olga Freers Buch denken wie man will, man mag es mögen oder hassen, man kommt jedoch nicht umhin zu bemerken, dass die tagtäglichen Erzeugnisse der (überwiegend) englischsprachigen Blogosphäre - über Russland - von genau dem selben Kaliber sind wie Freers Verallgemeinerungen und überzogenen Darstellungen der “Insel” - und der sie bewohnenden ”Insulaner”.
Der kleine aber feine Unterschied liegt in dem nicht ganz unwichtigen Detail, dass Olga Freer über die Insel schreibt auf der sie seit nunmehr 4 Jahren lebt. Sie spricht auch die Sprache der “Insulaner”. Von den “Russlandkritikern” der Blogosphäre können nur die Wenigsten behaupten die Sprache ihrer “Zielgruppe” zu sprechen … und die Wenigsten habe jemals länger in Russland gelebt. Aber wenn zwei das Selbe tun, dann ist es noch lange nicht das Gleiche.
By George, it’s shocking, isn’t it ?
Iwans Krieg

Es nähert sich der 9. Mai, der Tag des Sieges (День Победы) der Sowjetunion über das faschistische Deutschland im Großen Vaterländischen Krieg von 1941-45. Dieser Tag wurde im Jahre 1965 ein gesetzlicher Feiertag der Sowjetunion, der bis heute von einigen ihrer Nachfolgestaaten, wie Russland, beibehalten wurde.
Bisher war wenig bekannt über das Leben des gewöhnlichen russischen Soldaten. Catherine Merridale ist es gelungen, mittels Briefen, Tagebüchern, Polizeiakten und zahlreichen Interviews aus der anonymen Masse der Rotarmisten das unvorstellbar harte Leben der einzelnen Soldaten sichtbar zu machen. So wie es durch keine Siegesfeier vermittelt werden kann. Absolut lesenswert.
Willkommen in Abchasien !

“Zürich, Ihre nächsten Anschlüsse …” Der Podcast ist in Abchasien eingetroffen.
Credits: Herzlichen Dank den Friedenstruppen der Russischen Föderation für die reibungslose Abwicklung der Einreiseformalitäten, der Russisch-Baltischen Waggonfabrik RBWS * Русско-Балтийский вагонный завод РБВЗ für den Know-how-Transfer bei der Herstellung des Gefährtes, den abchasischen Tontechnikern für den fehlenden Sound, Reuters für das Photo – und dem Maulesel Wolodja für seine Geduld.
Gibst Du mir, gebe ich Dir …
MOSKAU, 06. Mai (RIA Novosti). US-Vertreter kommen am Dienstag nach Warschau mit einem offiziellen Vorschlag zur Modernisierung der polnischen Armee im Austausch gegen die Stationierung einer Raketenabwehrbasis in Polen. [...] Laut polnischen Massenmedien stelle die zuvor von den USA bekannt gegebene Summe der Finanzhilfe für Modernisierung der polnischen Armee in Höhe von 20 Millionen Dollar Polen nicht zufrieden. Aber es sei zu weiteren Verhandlungen bereit.
Hmmm … ich dachte immer, es ginge bei dem “Raketenschild” um den Schutz der “freien Welt” vor den bösen Iranern und Nord-Koreanern.
Hallöööchen Popöööchen !
Nach der gestrigen 4:0 - Niederlage gegen Zenit befinden sich die Münchner Lederhosen jetzt hier.

Das Rätsel ist nun zweifelsfrei gelöst
JEKATERINBURG, 30. April (RIA Novosti). Eine DNA-Analyse in den USA hat bestätigt, dass die Gebeine, die am 29. Juli 2007 bei Ausgrabungen in der Umgebung der russischen Stadt Jekaterinburg entdeckt worden waren, dem Zarensohn Alexej II. und der Großfürstin Maria Nikolajewna - Kinder des letzten russischen Zaren, Nikolaus II. - gehören.
Nach der Ermordung der Zarenfamilie durch die Bolschewiki, in der Nacht vom 16. auf den 17. Juli 1918 im Ipatjew-Haus bei Jekaterinburg, hielt sich hartnäckig die Legende, dass eine Zarentochter überlebt habe. Als 1994 die Leichen der Romanows exhumiert wurden, fehlten in der Tat zwei Körper. Der Körper des Zarewitsch, und der einer jungen Frau.
Da sich diverse Frauen, wie auch die Amerikanerin Eugenia Smith sowie eine Frau, die sich später selbst Anna Anderson nannte, über Jahrzehnte hinweg als Anastasia ausgaben, erhielt das Gerücht der überlebenden Zarentochter Anastasia ständig neue Nahrung.
Durch einen lange geheimgehaltenen Bericht des Exekutionskommandos stand aber schon fest, dass zwei Leichen verbrannt und nicht mit den anderen verscharrt wurden. Man vermutete aber, dass es sich bei diesen Leichen um Alexei und die ebenfalls ermordete Kammerzofe der Zarin, Demidowa, handelte.
Fest stand, dass es sich bei einer Leiche um Alexej handeln musste. Nicht sicher war man sich bei der Frauenleiche. Man ging davon aus, dass sich Anastasia und Maria unter den Toten im gefundenen Massengrab befanden und die Leiche Demidowas fehle.
Die DNA-Analyse der im Juli 2007 gefunden Gebeine ergibt nun aber zweifelsfrei, dass es sich bei den beiden verbrannten Leichen um Alexej und seine Schwester Maria handelt.
Nun steht endgültig fest, dass alle Zarenkinder in der Mordnacht starben, dass es sich bei der vermeintlichen Leiche der Demidowa tatsächlich um Maria handelt.
Teurer Denkmalstreit
Vor etwas über einem Jahr schrieb ich zwei Artikel über den “Bronzesoldaten von Tallinn”, das Denkmal für die gefallenen Sowjetsoldaten welches früher in der Stadtmitte der estnischen Hauptstadt stand.
Nach heftigen Protesten, Demonstrationen, wiederholten mehrtägigen Randalen (mit einem Todesopfer) und politischem Tauziehen mit Russland wurde das Denkmal aus dem Stadtzentrum entfernt und auf einem außerhalb Tallinns liegenden Militärfriedhof wieder aufgestellt.
Bis heute verstummen die Stimmen nicht, die behaupten, dass die Wiedererrichtung des Denkmals nur dem Widerstand der in Estland ansässigen Russen, dem politischen Druck Russlands sowie den aufsehenerregenden Aktionen der Jugendorganisation “Наши” zu verdanken sei. Estland wird bis heute in manchen Kreisen unterstellt, dass es damals das Denkmal stillschweigend demontieren und einschmelzen wollte. Dies nicht, wie behauptet, aus verkehrstechnischen Gründen, sondern aus purem Nationalismus und als Provokation gegen Russland.
Wie dem auch sei, welche Gründe damals nun tatsächlich zum Denkmalstreit und der Verlegung des Denkmals führten, für Estland ist diese Aktion laut einem Artikel von Russland-Aktuell nicht ohne wirtschaftliche Folgen geblieben.
Emotionen kochten hoch, als Estland vor einem Jahr das Denkmal für den Sowjetsoldaten aus der Tallinner Innenstadt verbannte. Nun haben kühle Köpfe errechnet: Die Aktion kostete Estland 450 Millionen Euro.
Laut Russland-Aktuell sollen seit Mai 2007 13 Prozent weniger Waren und 16 Prozent weniger Öl in Estland umgeschlagen worden sein. Nutznießer des Denkmalstreits soll das benachbarte Litauen sein, der Umschlag von Waren aus bzw. nach Russland über den Hafen von Kleipeda soll sich im genannten Zeitraum verdoppelt haben. Dies, obwohl Moskau zu keiner Zeit zu einem Boykott Estlands aufgerufen haben soll (Quelle).

